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Norddeutsche Rundschau

19. November 2017 | 22:49 Uhr

Buch : Als Glückstadt beschossen wurde

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Detlefsen-Gesellschaftveröffentlicht Buch über die Festung Glückstadt.

von
erstellt am 04.Mai.2017 | 04:45 Uhr

Bomben, Raketen und Granaten über Glückstadt: Das erlebten die Bürger vor über 200 Jahren. Denn alliierte Truppen belagerten die Stadt. Über Weihnachten und Neujahr 1813/1814 fürchteten sich die Menschen in der dänischen Festung. Es war eine schlimme Zeit.

Jetzt ist das Buch „Festung Glückstadt“ erschienen. Auf 228 Seiten mit 70 Abbildungen ist die Zeit historisch aufgearbeitet worden. Veröffentlicht werden die Vorträge, die anlässlich zum 200. Jahrestages der Belagerung im Ratssaal gehalten wurden. Herausgeber des Buches ist Christian Boldt, Vorsitzender der Detlefsen-Gesellschaft. Die Idee zu dem Vortragszyklus kam von seinem Vorgänger Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, der inzwischen verstorben ist. Deshalb ist ihm das Buch auch gewidmet.

Das Buch ist der erste Baustein, um die Geschichte lebendig zu erhalten. „Ziel der Detlefsen-Gesellschaft ist es, die Festung erlebbar zu machen“, sagt Christian Boldt. Er arbeitet an einem Rundgang „auf den Spuren der Festung“. Erstellt werden sollen Schilder, die die Geschichte an markanten Punkten mit Bildern, Grafiken und Texten deutlich machen. „Ähnlich wie am Hafen“, erklärt Boldt. Grundlage für die Schilder ist die frühere Anlage der Festung. Als Beispiele nennt er die „Bastion Königin“, wo heute der Wasserturm steht, die Anlage vor dem Fortuna-Bad und die städtischen Anlagen. Einen ersten Sponsor hat die Detlefsen-Gesellschaft bereits mit dem Lions Club gefunden. Da das Projekt ausschließlich über Spenden verwirklicht werden kann, will Boldt es schrittweise umsetzen.

„Wir können auch eine Kanone aufstellen“, sagt er zu historischen Elementen in der Stadt, die an die Festung und an die ehemalige Resistenzstadt erinnern werden. „Glückstadt war einst die wichtigste dänische Landesfestung“, erinnert er an die Anfänge vor 400 Jahren. Um 1813 war sie es nicht mehr in dieser Dimension. Doch die Glückstädter erlebten hautnah, wie sie in einen Krieg zwischen vielen Ländern zu Leidtragenden wurden. „Die Engländer hatten Angst, dass sich Dänemark mit Napoleon verbünden könnte“, erklärt Boldt die Ausgangslage. „Deshalb versenkten sie die dänische Flotte, die in Kopenhagen lag. Die Stadt wurde bombardiert.“ Daraufhin verbündete sich Dänemark mit dem französischen Kaiser Napoleon. „Das wurde Dänemark zum Verhängnis.“

Napoleon hatte die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 verloren und zog sich nach Frankreich zurück. Die Sieger, Preußen, Schweden, Österreich, Russland und England, wendeten sich jetzt gegen die Verbündeten. Mit 40 000 Mann zogen sie gegen Dänemark in den Krieg. „Und auch gegen Glückstadt.“ Die Stadt wurde bombardiert und belagert. Die Folge: Die ehemalige Festung wurde „geschleift“. Die vorhandenen Wälle wurden in die Gräben davor geschüttet.

„Stadtpräsident Johann Ernst Seidel hat das Beste daraus gemacht“, erklärt Boldt. Denn Seidel machte aus der Fläche vor den Toren des Stadtkerns einen Bürgerpark mit zwei Teichen – nach englischem Vorbild. In den städtischen Anlagen steht heute noch das Kugeldenkmal. Es erinnert an den schweren Beschuss der Stadt vom 26. Dezember 1813 bis 4. Januar 1814.

Der Glückstädter Arzt Dr. Johannes Nicolaus Rohde (1749 bis 1824) schrieb in dieser Zeit Tagebuch. Was er Schreckliches erlebte, ist in dem Buch „Festung Glückstadt“ nachzulesen. Wer konnte, hatte die Stadt bereits verlassen. Selbst am Heiligabend wurde geschossen. Am 5. Januar 1814 wurde die Kapitulationsurkunde unterschrieben.

Die Autoren der sechs Vorträge sind Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Christian Boldt, Reimer Möller und Ruth Möller.


> Das Buch „Festung Glückstadt“ ist in jeder Buchhandlung erhältlich, ISBN 9783744800730, es kostet 24.90 Euro.

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