Herzhorn : Als der Krieg die Jugend raubte

„Die betrogene Generation. Hitlerjungen im Krieg“ heißt das Buch von Klaus Lange.
„Die betrogene Generation. Hitlerjungen im Krieg“ heißt das Buch von Klaus Lange.

„Die betrogene Generation“: Klaus Lange bringt Buch über zwei Hitlerjungen heraus.

shz.de von
19. Juli 2018, 05:01 Uhr

Klaus Lange war Handball-Nationalspieler, Olympiateilnehmer, langjähriger Herzhorner Bürgermeister und Amtsvorsteher. 1939 geboren, genieß er heute seinen Ruhestand. Ganz anders verlief der kurze Lebensweg seines Bruders Thies Carsten Lange. 1926 geboren, wurde er am 15. November 1944 im Kriegseinsatz südöstlich von Budapest getötet. Zu den Jugendlichen, die für die Nazis den längst verlorenen Krieg noch gewinnen sollten, gehörte auch Anton Fuchs. Ebenfalls Jahrgang 1926, überlebte er den Zweiten Weltkrieg und schrieb später seine Erlebnisse auf.

Die hat Klaus Lange nun in einem Buch veröffentlicht. „Die betrogene Generation. Hitlerjungen im Krieg“, heißt der Titel. Dass Werk ist eine Art Doppel-Biografie. Begonnen wird mit dem Lebenslauf und vielen Dokumenten von Thies Carsten Lange, bevor die Kriegsgeschichte von Anton Fuchs folgt. „Zwischen Hoffen und Bangen“ heißen seine Erinnerungen, die besonders authentisch sind, weil Klaus Lange den Text nur unter dem Vorbehalt veröffentlichen durfte, keine Änderungen vorzunehmen.

Zweite Bedingung: Die Erinnerungen von Anton Fuchs sollten erst nach seinem Tod erscheinen. „Ende der 80er habe ich lange mit ihm gesprochen“, erinnert sich Klaus Lange. Getroffen habe er einen Mann, der immer noch dabei war, seine Kriegserlebnisse und die folgenden Jahre in russischer Gefangenschaft zu verarbeiten. Fuchs stammt aus Bergheim bei Salzburg. Genau wie Thies Carsten Lange wurde er 1943 zur Waffen SS eingezogen. Beide wurden Panzerdivisionen zugeordnet und kämpften an der gleichen Frontlinie. Beide waren gerade einmal 17 Jahre alt.„In der Mehrzahl sind diese Jugendlichen im Krieg gefallen“, schreibt Klaus Lange in seinem Vorwort. „Sie zählten zu den von den Politikern jener Zeit missbrauchten jungen Menschen, die im Kriegsgeschehen kaum vorstellbare grausame Ereignisse erleben mussten.“

Die beiden Biografien sollen die Leser „veranlassen, sich für Toleranz, Humanität und Friedfertigkeit unter den Menschen einzusetzen, um Kriege zukünftig zu verhindern“.

Die Hitlerjugend war eine nationalsozialistische Jugendorganisation. Direkt ins Kriegsgeschehen eingreifen mussten die jungen Männer, die eher noch halbe Kinder waren, ab dem Jahr 1943. Entweder als Flakhelfer, oder eben als Mitglieder sogenannter Eliteeinheiten wie der Waffen SS. „Diese Einheiten waren nur unzureichend ausgebildet und bewaffnet, aber in hohem Maße leistungsbereit“, schreibt Klaus Lange. Die Jugend der Männer wurde schamlos ausgenutzt. Die beiden Protagonisten seines Buches dienten beide in einer SS-Kavallerie-Division, die 1944 die Bezeichnung „Florian Geyer“ erhielt.

Nur mit viel Glück überlebten die jungen Kämpfer den Krieg. Anton Fuchs geriet bis November 1947 in russische Kriegsgefangenschaft. Anfang der 1960er Jahre zeichnete er seine Erlebnisse auf. „Gesund, frisch und stark war ich (...) aus der vertrauten Stube in die harte, vom Krieg zerfleischte Ferne gezogen und heute, am 21. November 1947, stand vor den Eltern ein kranker gebrochener junger Mann, den Eltern und Geschwister in anderer Erinnerung hatten“, schreibt er.

Anton Fuchs Biografie gewährt tiefe Einblicke in die Seele eines jungen Soldaten. Die Dokumente, die an Thies Carsten Lange erinnern, schließen auch das Leid der zurückbleibenden Familie mit ein. Einen besonderen Dank richtet Klaus Lange an Grafiker Karl-Heinz Jasmer, der das Layout des Werkes übernommen hat. Das Buch kostet 14 Euro. Wer ein Exemplar kaufen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 04124/7225 direkt an Klaus Lange wenden. Auch in der Bücherstube am Fleth wird „Die betrogene Generation“ verkauft.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen