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Landscheide : Als Bundessieger am Brandenburger Tor

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Züchterin aus der Wilstermarsch steht bei der Bundeshengstschau in Berlin mit ihrem seltenen Fjordpferd ganz oben auf dem Treppchen.

Spätabends vor dem Brandenburger Tor: Ein Fahrzeug aus der Wilstermarsch fährt mit einem Pferdeanhänger vor. Klappe runter – heraus kommt ein strahlend weißer Hengst mit einer Schärpe in den Deutschlandfarben um den Hals. Für Inka Störmann-Thies ein Schnappschuss für die Ewigkeit. Ihr Solfin Skova war gerade Bundessieger geworden. Die 43 Jahre alte Züchterin aus dem Landscheider Ortsteil Flethsee hat sich auf die seltene Rasse der Fjordpferde spezialisiert. Mit ihrem 2011 geborenen und zwei Jahre später in Dänemark gekörten Solfin Skova landete sie bei der nur alle vier Jahre stattfindenden Bundeshengstschau in Berlin auf dem Spitzenplatz. Bewertungsrichterin Claudia Eikermann schwärmte: „Ein Traumpferd, mit Traumbewegungen, einem Traumausdruck und einem Traumcharakter.“ Mit diesen Traumeigenschaften durfte man dann auch mal vor dem Berliner Wahrzeichen posieren.

Die Leidenschaft für Pferde war Inka Störmann-Thies in die Wiege gelegt worden. Bereits Urgroßvater Johann Störmann reiste mit seinen Zuchterfolgen schon damals bis nach Frankreich. Inka Störmann-Thies selbst wuchs auf einem Kinderferienhof mit Reitbetrieb in Grünenthal direkt am Nord-Ostsee-Kanal auf. Die Eltern hatten sich auf die Zucht von Shetlandponys und Ffordpferden spezialisiert – weil diese kinderfreundlich, liebenswert, robust und einfach unkompliziert seien.

Mit 16 Jahren zog Inka Störmann-Thies zu Hause aus und nahm einen Hengst gleich mit. Mit 21 kaufte sie den Klosterhof in Flethsee – benannt nach den einst zum Itzehoer Kloster gehörenden Ländereien. Heute stehen vier Zuchthengste und acht Stuten in ihrem Stall. „Es ist immer noch ein Hobby“, weist sie darauf hin, dass sie das Geld für das Heu durch ihre Arbeit als Erzieherin und Hauswirtschafterin in einer Reha-Maßnahme verdient. Die ganze Familie – Ehemann Birger Thies (gelernter Stahlbauer), Tochter Marlin und die ebenfalls auf dem Hof lebende Schwester Marita Ranneck mit ihren vier Kindern – packen alle kräftig mit an. Abnehmer für ihre Fjordpferde sind meist Freizeitreiter. „Eben die, die nach der Arbeit mal ihre Seele baumeln lassen wollen.“

Nach Berlin sind sie eigentlich „ohne große Erwartungen“ gefahren. Dort fiel ihr Solfin Sovka dann allerdings gleich mehrfach positiv auf. Schon als einziges mit weißfalber Farbe, hob sich das Kleinpferd von seinen Mitbewerbern ab. Entscheidend war neben der makellosen Gesamterscheinung dann aber der Charakter. Von den üblichen Prüfungsszenarien wie plötzliches Schirmaufspannen und Rappelsäcken ließ Solfin sich nicht erschüttern. „Nervenstärke kann man nicht trainieren.“ Die Züchterin weiß, dass sie mit dem Kauf einen Glücksgriff getan hatte. Der Hengst meisterte alle Herausforderungen mit Bravour und marschierte entspannt zum Bundessieg. „Ich kann mich stets auf ihn verlassen. Er ist immer ruhig und hat viel Übersicht“, schwärmt Inka Störmann-Thies von ihrem Siegerhengst.

Überhaupt scheint die Wilstermarsch ein gutes Pflaster für Fjordpferde zu sein. Ebenfalls nach Berlin gereist waren Telse und Hans-Werner Heesch aus Dammfleth mit ihrem Hengst Goliath. Er kam mit einem herausragenden 1d-Preis zurück. Der Hengst hatte seine Körung 2012 mit Inka Störmann-Thies absolviert. Auch der Gesamtreservesieger in Berlin, ein graufalber Hengst, war 2013 auf dem Klosterhof gedeckt worden. Für Inka Störmann-Thies war das alles jedenfalls Grund genug, „eine Schnappsidee“ in die Tat umzusetzen und mit Siegerhengst Solfin Skova, der nun schon alles in seinem Pferdeleben erreicht hat, vor der Heimfahrt noch einen Abstecher zum Brandenburger Tor zu machen. „So eine Gelegenheit kommt doch nie wieder.“

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