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kindergärtner : Alltag zwischen Lego und Bällebad

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jan Stockfleth (24) ist einer von wenigen männlichen Kindergärtnern im Kreis. Für ihn ist die Arbeit in der Kita St. Margarethen ein Traumjob. Ob er davon in Zukunft auch eine Familie versorgen kann, weiß er aber nicht.

Morgens, halb zehn im Kindergarten: Mit vollem Einsatz singen Jan, Lina, Lovis und die anderen Kinder Laternelieder und laufen dazu im Kreis. Für den großen Umzug nächste Woche soll schließlich alles sitzen. Jan singt wie immer ein bisschen lauter als die anderen. Seine tiefe Stimme erfüllt den ganzen Raum und sein langer Bart wippt beim singen hin und her. Der tägliche Liederkreis gehört nicht zu seinen Favoriten auf der kindergärtlichen Tagesordnung. Lieber würde er mit den Jungs draußen Fußball spielen. Oder was aus Lego bauen, „das macht mir total Spaß“, sagt er. Mit seinen 24 Jahren ist er eigentlich schon zu alt für sowas. Aber es ist ist sein Beruf.

Der 24-Jährige ist einer von wenigen männlichen Kindergärtnern. Seit eineinhalb Jahren arbeitet er in der Kindertagesstätte „Deichmäuse“ und betreut dort mit einer Kollegin die Gruppe der Vier- bis Sechsjährigen. Dass er sich für einen Beruf entschieden hat, der fest in Frauenhand ist, macht ihm nichts aus. Im Gegenteil. Nach der Realschule machte er zunächst ein siebenmonatiges Praktikum in einer Kindertagesstätte in Wilster – und wusste sofort, dass er den richtigen Job gefunden hatte. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich das weitermachen wollte“, erzählt der St. Margarethener, der sich daraufhin zum Sozialpädagogischen Assistenten ausbilden ließ.

Eines der Dinge, die ihn an der Arbeit am meisten faszinieren, ist die Vorbildfunktion. „Im Kindergartenalter kann man noch richtig was bewegen. Bei Jugendlichen ist das schon nicht mehr so einfach.“ Mit seiner ruhigen Art und dem sympathischen Lachen strahlt er die Freude an der Arbeit auch nach außen aus. „Es macht einfach Spaß zu sehen, wie sie größer werden.“

Obwohl seit Jahren händeringend männliche Erzieher gesucht werden, ist seine Zukunft ungewiss. Wer keinen der begehrten Plätze in einer Ganztagseinrichtung bekomme, habe es schwer, eine Vollzeitstelle zu finden. „Im Moment reicht es noch, aber eine Familie könnte ich davon nicht versorgen“, so der Kindergärtner. Auch das weibliche Image des Berufs könne ein Grund für den Männermangel sein. „Es ist einfach kein Job, der Stärke demonstriert, wie zum Beispiel im Handwerk“, vermutet er. Der größte Lohn aber seien die Kleinen. „Das Schönste ist, wenn ich morgens rein komme und gleich drei oder vier Kinder auf mich zurennen und sich freuen, dass ich da bin.“

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erstellt am 18.Okt.2013 | 12:30 Uhr

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