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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 15:17 Uhr

Einzelhandel : Alles, was das Herz begehrt

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Kundschaft bleibt ihrem Wochenmarkt treu. Trotz wachsender Konkurrenz bleibt der Wochenmarkt Dreh- und Angelpunkt

von
erstellt am 01.Jun.2016 | 12:00 Uhr

Reges Treiben herrscht am Stand von Martin Schuh (43). Die einen wollen ihre Reißverschlüsse repariert haben, andere kaufen Gürtel, wie Margarethe Stickler (83). Die Glückstädterin ist Stammkundin. An diesem Tag kommt auch Monika Busch, die selbst einen Hofladen in der Blomeschen Wildnis hat. Auch sie hat ein Anliegen bei dem „Mann für alle Fälle“, wie sie Mirko Schuh scherzhaft tituliert. „Wunderbar, er hat geholfen“, sagt sie. Jetzt wolle sie weiter, um Fisch zu kaufen. Kaum ist sie weg, läuft Schuh ihr hinterher – sie hat ihre frisch reparierte Geldbörse bei ihm vergessen.

Gemeinsam mit Bruder Mirko ist er Organisator des traditionsreichen Wochenmarktes, der bei den Glückstädter auch Buttermarkt heißt. 23 Standbetreiber kommen regelmäßig dienstags – „freitags sind es zwei mehr“. Manchmal sind auch „fliegende Händler“ dabei, wenn sie nicht so viel Platz brauchen. Denn der Markt ist voll mit den Ständen, sagt Schuh. Trotz zunehmender Discounter und Mobilität kommen die Glückstädter und Bürger aus der Region nach wie vor zum Wochenmarkt.

Beginn ist offiziell um 7 Uhr, doch die meisten sind schon weit früher da, um aufzubauen. Die Stände sind vielfältig: es gibt Blumen, Gemüse, Fleisch, Käse, Oliven, Fisch und so einiges mehr. Beliebter Treffpunkt ist der Imbisswagen. „Ein Gewürzstand würde noch gut passen“, sagt er. Außergewöhnlich sei neben seinem Stand für Kurzwaren auch der am Freitag für Hundefutter.

Ilona Schmidt (63) kommt immer wieder gern zu Schuh auf den Markt. An diesem Tag sucht sie Nähgarn in Brombeere und wird sofort von ihm beraten, damit der Farbton auch der richtige ist. „Früher habe ich beruflich genäht, jetzt nur noch für die Familie. Hier bekomme ich alles, was ich brauche.“ Nähgarn könnte sie auch im Internet kaufen, aber hier ist es persönlicher und zum Anfassen. Den Markt-Veranstalter kennt sie schon „ewig und drei Tage“. Mit ihrem Gehwagen sei es aber sehr beschwerlich. Die Pflastersteine machen das Fortkommen schwierig. Dennoch komme sie fast jede Woche.

Die Veranstaltung auf dem historischen Platz hat Tradition , so wie es auch seine Verkäufer haben. Seit 1950 hat die Familie Rathsach einen festen Stand mit Gemüse, Obst und Eiern auf dem Buttermarkt. Chef ist jetzt Ehmke Rathsach (25). „Wir sind zweimal die Woche hier“, sagt der junge Unternehmer aus Sommerland, der das Geschäft von seinen Eltern Hans-Hermann und Gisela Rathsach übernommen hat – die auch immer noch beim Verkauf helfen. Viele seien Stammkunden, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann. „Zurzeit beleben Spargel und Erdbeeren das Geschäft.“ Verkauft werden auch allerlei Gemüsesorten, die noch vom Vater selbst angebaut werden. In Glückstadt steht Ehmke Rathsach mit seinem Stand immer gerne, weil hier viel los ist. „Im Sommer kommen auch immer mehr Touristen und kaufen bei uns ein.“ Vor allem, wenn es die ersten Kirschen gibt.

Auch Wolfgang Borchert (60) hat das Geschäft seines Vaters übernommen. Er verkauft Blumen aus eigener Züchtung auf dem Markt. „Ich komme erst seit zwei Jahren vom anderen Ufer nach Glückstadt und das immer nur dienstags.“ Dabei verkauft er schon seit 1985 auf den Märkten Niedersachsens. Seinen Blumenladen hat er dort in Wohltorf. „Die Konkurrenz durch die Baumärkte ist größer geworden. Dabei können sie die meisten Pflanzen auch nicht günstiger anbieten, als wir es tun.“ Wenn er in die Elbestadt fährt, nimmt er die Fähre. Auf dem Weg sei es gar nicht so weit, aber nicht immer unproblematisch. „Wenn ich dann Pech habe und drei Stunden warten muss, bis auf die Fähre fährt, dann funktioniert das nicht.“ Die Wartezeiten sind nicht gut für seine Fracht. Doch solange nichts dazwischen komme, reist er an. „Die Atmosphäre ist eine besondere.“

Wie seine Schwester Regina Piening, verkauft auch Klaus-Peter Sellnow Blumen auf dem Markt. Auf seinem Tisch prangen Rosen in rot, gelb, weiß und orange. „Am Dienstag ist immer nicht so viel los. Das Geschäft läuft am Freitag besser.“ Auf dem Markt habe sich in den vergangenen Jahren nicht viel verändert. Nur das Publikum sei gemeinsam mit dem Markt gealtert. „Deshalb sollte auch der Bodenbelag verändert werden.“ Das Kopfsteinpflaster und damit auch der Markt sei für Gehbehinderte zu schwer zugänglich.

Ihm Gegenüber steht Jürgen Rohde (49) mit seinem Obst- und Gemüsestand. Mittig auf der Verkaufsfläche stehen die beliebten Erdbeeren in großzügig abgewogenen 500 Gramm Schalen. Seinen Hofladen hat er in der Engelbrechtschen Wildnis. Er kennt viele seiner Kunden beim Vornamen. „Was sich verändert hat, sind die Qualitätsansprüche der Kunden“, sagt er. „Leute, die wert auf Qualität legen, werden weniger.“ Und die Käufer, die auf hochwertige Ware wert legen würden, müssten dann arbeiten, wenn Wochenmarkt ist.

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