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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 03:24 Uhr

Tanzsport : Alles tanzt nach seiner Stimme

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit 40 Jahren gibt der Wilsteraner Hartmut Borchardt bei Square Dancern den Takt an. Sonnabend ist in Brokdorf Treffen der Drawbridge Divers.

Die Leidenschaft begann an Pfingsten 1969. Damals begleitete Hartmut Borchardt seine Frau Gertraud zum Treffen der Hamburger „Stintfang Square Dancer“. Es war ihr Hobby – er wollte nur zuschauen. „Ich half an der Getränkekasse aus“, erzählt er. Doch als ein Tänzer fehlte, wurde er hineingezogen – und es war um Hartmut Borchardt geschehen. So schnell wie möglich wollte er die gut 40 Positionen erlernen, die damals getanzt wurden. Und er nutzte jede Gelegenheit, den Square Dance bekannt zu machen. So organisierte er beispielsweise einen Tanz an Deck eines amerikanischen Flugzeugträgers an den Landungsbrücken.

Doch genauso sehr wie das Tanzen faszinierte ihn schon bald die Arbeit des Callers, des Ausrufers, der auf der Bühne steht und in einer Art Gesang den Tänzern die Figurenfolgen vorgibt. Als im Sommer 1974 der damalige Clubcaller Hamburg verließ, nutzte Hartmut Borchardt die Gelegenheit: Er sprang ein. Ein hartes Stück Arbeit, denn er musste sich alles selbst erarbeiten. Fortan war Hartmut Borchardt in verschiedenen Hamburger Square-Dance-Gruppen aktiv, wirkte bei vielen Auftritten mit, einmal sogar vor Helmut Schmidt.

„Oft bin ich direkt von der Firma aus zum Clubabend gefahren, habe im Auto schnell Abendbrot gemacht“, erzählt er. Doch sobald er das Mikrofon in der Hand hatte und die Tänzer sprichwörtlich nach seiner Pfeife tanzten, fiel aller Stress von ihm ab: „Dann waren die Firma und die Probleme weg.“ Denn das Callen erfordere „100 Prozent Konzentration“ und ein gutes Reaktionsvermögen, sagt Hartmut Borchardt. „Wenn ich das Mikro habe, merke ich fast gar nichts anderes mehr, ich bin dann voll bei den Figuren.“ Der Caller sorgt für sinnvolle, gut tanzbare Kombinationen. Zu jedem Lied kann er die Figurenfolge frei wählen. Ein Wort von ihm genügt – und schon tauschen die Männer die Plätze, drehen sich die Frauen um die eigene Achse, klatschen alle in die Hände oder wechseln in rasantem Tempo die Tanzpartner. Je nachdem, wie die Tänzer gerade stehen, kommen ihm die Ideen für das Aneinanderfügen und Variieren wie von selbst, sagt Hartmut Borchardt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt – es gibt im Square Dance bis zu 2300 Figuren. Mit jedem Level, in den ein Tänzer aufsteigt, kommen mehr dazu. Standard in den meisten Clubs seien allerdings um die 100.

Als Familie Borchardt 1978 nach Ecklak zog, brachte sie den Square Dance mit in die Wilstermarsch. 1979 gaben die Eheleute den ersten Square-Dance-Schnupperkurs an der VHS Wilster. Es bildete sich ein Freundeskreis Square Dance, 1981 wurde der Club „Drawbridge Divers“ gegründet, der bis heute besteht. Am Sonnabend, 25. April, lädt er in der Mehrzweckhalle Brokdorf zum „Draw Near 2015“ ein.

Auch in Heide unterrichtete Hartmut Borchardt zeitweise. Bis heute callt er zudem ein- bis zweimal im Monat in Hamburg. Hunderte Tänzer hat er im Laufe der vier Jahrzehnte angeleitet, oft tanzte die ganze Familie mit – auch seine eigenen Kinder wurden von der Leidenschaft der Eltern angesteckt. Das sei das, was den Square Dance ausmacht, schwärmt Hartmut Borchardt: „Man kann das Hobby mit der ganzen Familie ausüben und man lernt immer neue Leute kennen.“ Das Alter bei den „Drawbridge Divers“, die sich jede Woche in der Gaststätte Stahfast in Ottenbüttel treffen, reicht von 14 bis fast 90.

Bis heute kann sich der 68-Jährige, der inzwischen in Wilster lebt, kein schöneres Hobby vorstellen. Zusätzlich zum Callen steigt er manchmal selbst noch als Tänzer ein, wenn einer fehlt. Nur das Segeln hat einen ähnlichen Stellenwert für ihn. Um mehr Zeit dafür zu haben, gab er 1997 auch das Amt des Club-Callers an Hauke Schröder ab.

Doch selbst im Urlaub geht es nicht ohne Square Dance. Ob Spanien oder USA – bevor es auf Tour geht, erkundigen sich Gertraud und Hartmut Borchardt im Internet über dortige Clubs und ihre Trainingszeiten. „Man geht dann einfach hin und kann mitmachen“, erklärt der Caller. Denn die Figuren sind international einheitlich.

Und wenn doch mal einer etwas falsch macht, ist es auch nicht schlimm. Beim Square Dance wird nicht benotet. Das freut Hartmut Borchardt besonders. „Als Kind habe ich Eiskunstlauf gemacht“, erzählt er. „Ich konnte die Kampfrichter nicht leiden!“ Beim Square Dance gibt es keine Kampfrichter. Es geht nicht um Leistungsdruck, sondern nur um eines: „Zusammen Spaß haben.“


> Unter dem Motto „34 Jahre Drawbridge Divers - Der Norden dreht auf!“ findet Sonnabend, 25. April, von 13.30 bis 21.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Brokdorf der „Draw Near 2015“ mit Gast-Caller Steffen Knott statt. Der Eintritt ist für Gäste, Zuschauer und sonstige Interessierte frei. Info im Internet: www.drawbridge-divers.de.



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erstellt am 22.Apr.2015 | 05:14 Uhr

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