„Alles ist weggeflogen!“

Meryem  Ilyasoglu
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Meryem Ilyasoglu

Von der Schützenstraße bis in die Kasernenstraße waren Anwohner betroffen

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11. März 2014, 05:00 Uhr

Meryem Ilyasoglu war gerade im Badezimmer ihrer Wohnung in der Schützenstraße 13, als sie den ohrenbetäubenden Knall hörte. „Auf einmal sind die Vasen gegen die Wand geflogen. Dann wurde es dunkel. Es war schrecklich, das ganze Haus hat sich geschüttelt“, berichtet sie in gebrochenem Deutsch. Wie viele andere Anwohner ist sie tief getroffen. Kurz darauf benötigt sie Unterstützung durch die Einsatzkräfte, um an ihre Herztabletten zu kommen.

„Da war ein ordentlicher Knall. Dann flog hinter mir die ganze Tür aus den Angeln. Der ganze Hof voller Schieferplatten“, Luise Steen würde gerne vor Ort noch einmal nach dem Rechten sehen, doch die Einsatzkräfte bitten die ältere Dame höflich aber bestimmt hinter die Absperrung zurück. Zwischen die Trümmer zu treten sei viel zu gefährlich. Die 88-Jährige aus der Mühlenstraße wirkt gefasst. „Ich muss jetzt auch die Versicherung anrufen“, denkt sie praktisch.

Andere Anwohner der Mühlenstraße haben weniger gehört und gesehen: „Wir wohnen in der Mühlenstraße 12. Mitbekommen haben wir nichts. Es hat geknallt. Und da war eine Staubwolke“, so Beatrix Behrendsen.

Bis in die angrenzende Moltkestraße reichte die Druckwelle der Explosion. „Wir haben kein Fenster mehr. Nichts mehr drin. Ein Knall und alles flog durch die Luft“, berichten Ingrid und Werner Berberich unserer Zeitung. Yvonne Möller, ebenfalls Anwohnerin der Moltkestraße, erzählt: „Das hat geknallt. Scheibe kaputt, Auto kaputt. Wir mussten sofort raus. Da ist ja Gas ausgeströmt.“

Einige Anwohner mussten nicht nur sich selbst retten, sondern auch ihre Kinder oder Haustiere in Sicherheit bringen. „Ich habe Schicht gehabt und dann geschlafen. Auf einmal Boum! Ich habe meine Kinder genommen. Die Fenster – alles ist weggeflogen. Weg!“ Kaya Devya ist Mutter von vier Kindern. Die Explosion habe die Familie überrascht. Auch Ilona Strehlow lag noch mit ihrem Baby im Bett. „Dann hörte ich den Knall. Die Fenster fielen zusammen. Ich habe nur mein Baby geschnappt und bin raus“, erzählt die Anwohnerin, die außerdem eine Katze besitzt.

Für die Anwohner folgt nach dem Schock die Wohnungslosigkeit. „Ich bin ein ausgesperrter Anwohner. Wir dürfen nicht ins Haus. Ich wohne in der Kasernenstraße“, so Helmut Karlapp. „Wir waren schlagartig alle draußen.“

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