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Ärger in der Wilstermarsch : Alle sind von Dauerbaustelle genervt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gewerbetreibende aus der Wilstermarsch klagen über massive Einbußen – Anlieger der Umleitungsstrecken sind über rücksichtslose Autofahrer verärgert.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Grund zum Feiern gab es nur für ein paar wenige Anlieger: Sie organisierten kürzlich ein kleines Sackgassenfest. Alle anderen sind von der Dauerbaustelle zwischen Wilster und Beidenfleth zunehmend genervt. Seit Wochen ist die Landesstraße wegen Sanierungsarbeiten an der Wettern-Brücke in Hochfeld für den Durchgangsverkehr voll gesperrt. Angekündigte Termine werden nicht eingehalten, die Informationspolitik des Landesbetriebs für Straßenbau ist gleich Null. „Das kostet unser Unternehmen jeden Tag 5000 Euro“, sagt Detlef-Hermann Beimgraben, Geschäftsführer beim Futtermittelproduzenten Trede und von Pein.

Eigentlich sollte die Strecke schon seit dem 23. September wieder frei sein, erinnert er an vorherige Abstimmungsgespräche, bei denen sich alle Beteiligten viel Mühe für eine möglichst optimale Terminierung gegeben hätten. Vor drei Wochen hatte die Straßenbaubehörde auf Nachfrage unserer Zeitung noch den 7. Oktober als Freigabetermin genannt. Der Termin ist längst verstrichen. Aktuelle Informationen waren gestern in Itzehoe nicht zu bekommen.

Auf Nachfrage bei einer beteiligten Baufirma hatte Beimgraben zuletzt den 20. Oktober als Termin genannt bekommen – „wenn es gut laufe“. „Auf der Baustelle tut sich aber nichts“, sagt er wenig optimistisch. Immerhin hat das Unternehmen täglich rund 40 Lkw für jeweils zwei Touren laufen. „Unsere Fahrer sind hochgradig genervt“, so Beimgraben. Schließlich müssten auch Lenk- und Ruhezeiten eingehalten werden, jede Tour dauert wegen der Umwege eine halbe Stunde länger.

Gleich doppelt hat es die Beidenflether Firma Brockmann getroffen. Das Autohaus ist ein Betrieb, der gleich durch zwei Sperrungen, einmal die Brücke in Dammfleth und dann die Sperrung der Gasstraße in Itzehoe, belastet ist. „Es ist eine mittelschwere Katastrophe, und unsere Kunden sind ziemlich genervt“, sagt Imke Brockmann. Beide Autohäuser sind kaum zu erreichen, Ortskundige kennen die Wege, Auswärtige haben oft Probleme. „Wer uns in Itzehoe besuchen will, der dreht oft unverrichteter Dinge um, weil viele Barken und Sperrschilder die Autofahrer verunsichern und keiner weiß, wie er fahren soll“, berichtet Brockmann. Und Kunden aus Brunsbüttel sind schon in Richtung Glückstadt gefahren, um dann in Beidenfleth über die Fähre zur Kfz-Werkstatt zu gelangen. „Wer es bis zu uns schafft, fragt sich gerade in Itzehoe oft, ob auf der Baustelle überhaupt gearbeitet wird, da man die Arbeiter nur selten sieht.“

Auch sie klagt, dass der Informationsfluss von Ämtern und ausführenden Firmen nicht wie gewünscht laufe. „Wir kriegen Bescheid, wenn wieder etwas gesperrt wird, aber leider nicht immer und nicht ausführlich. Wir haben Umsatzeinbußen und bei dem angesetzten Renault-Tag im September war sehr wenig los“, schildert Brockmann. Die Firma hat versucht, durch eigene Hinweisschilder ihren Kunden den Weg anzuzeigen. Das ersetzt aber über Wochen nicht die freie Zufahrt.

Nicht nur Gewerbebetrieben und Pendlern macht die Vollsperrung zu schaffen. Schlimm erwischt es auch Anlieger der Umleitungsstrecken. Daniela Bleich wohnt in Kathen: „Viele Autofahrer brettern über die Kreisstraße, immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen.“ Die gewohnten Touren mit dem Fahrrad und ihren sechs und drei Jahre alten Kindern zur Kindertagesstätte nach Wilster hat die junge Mutter längst eingestellt. „Wir sind auf dem Fahrrad zur Zielscheibe rücksichtsloser Autofahrer geworden.“ Sie berichtet von wilden Überholmanövern, Hupen und Zusammenstößen. „Von Rücksichtnahme auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer keine Spur.“ Sie habe ja Verständnis dafür, dass viele Autofahrer genervt auf die Umleitung reagieren. „Aber auch für uns Anlieger ist die Situation alles andere als schön.“ Das alles lasse sich nicht ändern. Daniela Bleich findet aber, dass sich das Verhalten einiger Autofahrer leicht ändern ließe und fragt: „Sind es die paar gewonnenen Sekunden wirklich wert, dass Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden?“

Wie lange die Vollsperrung noch anhält, kann auch Dammfleths Bürgermeister Delf Sievers nicht verlässlich sagen. Nach seinen Informationen wird an der Brücke noch bis Mitte November gebaut. Nächste Woche sollen allerdings erste Asphaltierungsarbeiten stattfinden. Die Strecke könnte dann ab 23. Oktober zumindest halbseitig mit einer Ampelregelung wieder freigegeben werden.

Nach Gerüchten soll in einem Aufwasch parallel dazu auch die Fahrbahn der Rehbrücke über die Bundesstraße 5 geteert werden. Auch die Vollsperrung der Kreisstraße von Wilster in Richtung St. Margarethen sollte eigentlich schon längst wieder verschwunden sein.


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