Alle Politiker fordern HVV-Beitritt

SPD hat sich von FDP und CDU überzeugen lassen/Bürgermeister spricht von einer großen Chance für Glückstadt

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20. Mai 2011, 08:10 Uhr

Glückstadt | Die Stadt Glückstadt soll dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) beitreten. Diese Forderung von CDU und FDP unterstützt jetzt auch die SPD. Das Abstimmungsergebnis im jüngsten Bauausschuss war zu diesem Thema einstimmig. Hintergrund ist: Der Kreis stellt einen neuen Entwurf zum regionalen Verkehrsplan auf.

Für den Beitritt zum HVV kämpft die FDP seit vielen Jahren. Deshalb übernahm es auch FDP-Ortsvorsitzender Stefan Goronczy die zunächst skeptischen Sozialdemokraten zu überzeugen. Und er sparte nicht mit Kritik am Kreis. Unzufrieden zeigte sich Goronczy mit dem Entwurf des Verkehrsplanes. "Die Situation der Pendler ist nicht ausreichend beleuchtet. Und es ist unglücklich, wie sich der Landrat jüngst geäußert hat. Er spricht wie jemand, der aufgegeben hat. Wir müssen ihm wieder Mut machen."

Der Kreis-Entwurf sei eine "Enttäuschung" weil es keine Kostenaufstellung zu einem HVV-Beitritt gebe und keine Bewertung des "Steinburg-Tickets". Es gehe nicht nur um die hiesigen Pendler. "Es geht um Zielgruppen, die wir hierherziehen wollen", erklärte er in Bezug auf neue, steuerzahlende Bürger. Und es gehe um Tagestouristen. Hamburger verwechselten immer noch Glückstadt mit Glücksburg, spielte er auf jemanden an, dem dies kürzlich passierte. Ein Teil der Politiker kannten die Geschichte.

Die Hamburger hätten Glückstadt "nicht auf dem Plan". Denn die Elbestadt sei nicht auf dem HVV-Plan verzeichnet und damit "Terra incognita" - ein weißer Fleck.

Und Goronczy zeigte sich überzeugt: Wenn die Hamburger die hiesigen Grundstückspreise kennen würden, würden sie hierherziehen. Als Beispiele für gelungene Beitritte zum Hamburger Verkehrsverbund nannte der Politiker Stade, Bad Segeberg und Lüneburg.

Goronczy brachte eine Summe von 70 000 bis 80 000 Euro ins Spiel, die die Stadt für den Beitritt voraussichtlich jährlich wird zahlen müssen, wenn es zur Anbindung kommt. "Wir müssen dann an anderer Stelle sparen."

Das war der Punkt, den die SPD zunächst nicht akzeptieren wollte. Bauausschussvorsitzender Paul Roloff rechnete vor, dass von dem Geld - von zehn Jahren aus gesehen - ein neuer Kindergarten gebaut werden könnte. Den Pendlern wollte er lieber einen Zuschuss geben.

Das sei wie mit dem "Huhn und Ei", erklärte daraufhin CDU-Fraktionsvorsitzender. "Kinder bekommen wir keine, wenn die Leute nicht herziehen." Und politisch sei es nicht zu erklären, den Pendlern einen Zuschuss zu geben. Nachvollziehbar sei aber, wenn sich Pendler in Glückstadt ansiedeln und sich dadurch das Steueraufkommen verbessert. "Dann können wir auch neue Kindergartenplätze bauen."

Wichtig sei auch die Werbung für Glückstadt, betonte Neumann.

Bürgermeister Gerhard Blasberg zeigte sich als klarer Befürworter: "Die Gegner des HVV-Beitritts sitzen in Kiel." Wichtig sei es jetzt, sich zu bekennen, richtete er seine Worte an die SPD. "Diese große Chance sollten wir nicht versäumen", fügte er hinzu.

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