Albigs Plädoyer für den Kanal

Einen glänzend aufgelegten Ministerpräsidenten Torsten Albig (re.)  begrüßte der Vorsitzende des Nautischen Vereins, Bernd Appel, beim diesjährigen Nautischen Essen.  Foto: pöschus
Einen glänzend aufgelegten Ministerpräsidenten Torsten Albig (re.) begrüßte der Vorsitzende des Nautischen Vereins, Bernd Appel, beim diesjährigen Nautischen Essen. Foto: pöschus

In einer mit viel Beifall bedachten Rede machte sich der Ministerpräsident beim Nautischen Essen für die Wasserstraße stark

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15. April 2013, 03:59 Uhr

Brunsbüttel | Ein klares Bekenntnis zum Nord-Ostsee-Kanal gab Ministerpräsident Torsten Albig beim traditionellen Curry-Essen des Nautischen Vereins. In einer mit kräftigem Applaus bedachten Rede vor 280 geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik beschrieb Albig die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt als unverzichtbar für die wirtschaftliche Entwicklung im nördlichsten Bundesland ebenso wie im Rest der Republik.

"Für uns ist der Nord-Ostsee-Kanal seit 1895 etwas, das die Entwicklung in Schleswig-Holstein entscheidend geprägt hat", betonte Albig. Und seit der Nationalen Maritimen Konferenz Anfang voriger Woche in Kiel könne das Land auf eine breite, parteiübergreifende Unterstützung bauen, wenn es um die Zukunft des NOK geht. Der Wunsch, den über Jahre entstandenen Investitionsstau abzubauen sei "eine Aufgabe, die uns alle eint".

Die Reeder, Lotsen und Vertreter der maritimen Wirtschaft werden es am Freitagabend im Hotel zur Traube zufrieden zur Kenntnis genommen haben, dass der Ministerpräsident ankündigte: "Wir werden schauen, ob umgesetzt wird, was uns zugesagt wurde. Ob der Maritimen Konferenz Taten folgen."

Nach dem bislang für unmöglich gehaltenen Totalausfall des Kanals am 6. März sieht Albig den NOK auf gutem Kurs. Erstmals hätten sich nämlich die Nordländer gemeinsam auf die Forderung von 1,3 Milliarden für den Kanal verständigt. "Das hätte es vor fünf Jahren noch nicht geben." Klar sei aber auch, dass endlich gehandelt werden müsse. Bislang seien notwendige Investitionen immer weiter nach hinten geschoben worden. Das sei bei Infrastrukturmaßnahmen grundsätzlich der falsche Weg. Albig: "Wir müssen die Unterhaltung von Einrichtungen spannender finden als Neueröffnungen."

Der Wasser- und Schifffahrtsdirektion gab Albig mit auf den Weg, sie müsse mehr Flagge zeigen für den NOK. Mit Skepsis sehe er den geplanten Umbau der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Denn: "Wenn in 10, 15 Jahren in Bonn Menschen aus St. Augustin oder dem Rheinland eingestellt sind - wird es den gleichen Blick auf den Norden geben?" Und weiter: "Wir wollen, dass unser NOK auch im nächsten Jahrzehnt nicht aus dem Blick seiner Verwaltung gerät!"

Ein klares Bekenntnis äußerte Torsten Albig auch zum Offshore-Windstrom. Den dürften Kritiker nicht madig machen und gegen an Land erzeugte Windenergie ausspielen. Denn die Investitionsbereitschaft der Industrie sei enorm. "Wir werden die Energiewende zum Erfolgsmodell machen", betonte Albig.

Damit der Ministerpräsident sich auch in Zukunft Gehör verschaffen könne, überreichte ihm Bernd Appel, Vorsitzender des Nautischen Vereins, eine Seemannspfeife. Der Vorsitzende der Bundeslotsenkammer, Hans Hermann Lückert, kommentierte das Geschenk mit den Worten: "Selbst wenn Sturm ist, werden die Signale gehört werden." Deshalb empfahl er Albig, so viel Wind zu machen, "dass in Berlin und München keine Flaute ist".

Michael Hartmann, Ältermann der Brunsbütteler Lotsenbrüderschaft NOK I, berichtete in diesem Zusammenhang erfreut, dass man die Schleusenstadt in der Bayern-Metropole, der Heimat des Bundesverkehrsministers, jetzt kenne: "Wir haben Peter Ramsauer beigebracht, wie man akzentfrei Brunsbüttel sagt."

Gleichwohl, Hans-Heinrich Witte, Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord, warnte vor verfrühter Freude. "Der Kanal macht uns auch weiterhin Sorge", bekannte er. Die Schleusen in Brunsbüttel seien unverändert marode. Witte: "Ich kann nicht versprechen, dass uns in diesem Jahr nicht noch einmal eine ähnliche Situation wie am 6. März passieren kann."

Albigs Befürchtungen, bei einer Neuzuschneidung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung könnte der Norden an Gewicht verlieren, widersprach Witte. Das zusätzliche Personal für Brunsbüttel sei eine Auswirkung der WSV-Reform. Die Kompetenz werde aus der Schleusenstadt nicht abgezogen, so der WSV-Präsident.

Eine besondere Ehrung erfuhr an diesem Abend Wolfgang Hurtienne. Der Geschäftsführer der Hamburg Port Authority wurde mit dem Navigare-Preis ausgezeichnet. Einen ausführ lichen Bericht dazu lesen Sie morgen.

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