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Norddeutsche Rundschau

21. September 2017 | 23:33 Uhr

Gesellschaft : Aktionskonzept für mehr Inklusion

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburger Akteure wollen vor allem vorhandene Netzwerke im Kreisgebiet aktivieren.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2014 | 12:09 Uhr

Unter dem Motto „Der Inklusionsgedanke im Kreis Steinburg blüht“ kamen eine Vielzahl ehrenamtlicher und beruflicher Akteure aus dem Feld der Behinderungen im Muschelzimmer des Kreistagshaus zusammen. Menschen mit den unterschiedlichsten Handicaps begegneten sich, um zusammenzutragen, was im Kreis Steinburg in Sachen Barrierefreiheit im Argen liegt – die Probleme überraschten teilweise. „Strukturen sind aufzubauen. Wichtige Fragen sind zu klären“, führte Dietrich Haeberlein, Kreisbeauftragter für Menschen mit Behinderung, in den Gesprächskreis ein. Für ihn seien alle Betroffenen gleich wichtig. Er bat alle Akteure, mit ihm in Kontakt zu treten.

„Wie stellen sie sich die Zusammenarbeit vor?“, wollte Annelie Heydorn, Vorsitzende des Sozialverbands VdK Nord in Itzehoe wissen. Sie ist selbst betroffen, sitzt im Rollstuhl und sieht in der neu geschaffenen Stelle des Kreisbeauftragten für Menschen mit Behinderung einen Mittler zwischen Politik und ehrenamtlichen Engagement.

„Ich stelle mir vor, dass aus der heutigen Sitzung heraus die Projektwerkstatt Inklusion in Itzehoe im gesamten Kreis mit Arbeitsgruppen zu verschiedenen Schwerpunkten ausgebaut wird“, begegnete Haeberlein der Frage. Dabei gehe es nicht darum ein neues Netzwerk zu gründen, sondern bereits bestehende Strukturen miteinander zu verbinden, ergänzte Gerlinde Böttcher-Naudiet, Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Familie und Gesundheit im Steinburger Kreistag. Sie hatte zu dem Treffen eingeladen, um einen Aktionsplan in Sachen Inklusion im Kreis Steinburg auf die Beine zu stellen. „Die Behinderung, die ich selbst nicht habe, nehme ich auch nicht als solche wahr“, erklärte sie ihr Anliegen. Gerade nicht sichtbare Behinderungen fielen schnell unter den Tisch. So müssten zum Beispiel psychische Einschränkungen stärker wahrgenommen und in einem Aktionsplan berücksichtigt werden.

Karl Friedrich Steltmann aus dem Blinden- und Sehbehinderten-Verein bestätigte dies. Er merkte an, dass der Personenkreis der Sehbehinderten über die Presse nicht erreicht werden könne. „Ich kann das nicht lesen“, betonte er und bat darum per E-Mail informiert zu werden. Sein Computer habe ein Sprachprogramm. Die Herausforderung bestehe darin, einen Dialog aufzubauen, in dem es auch Betroffenen möglich werde ihre Alltagsprobleme über solche kommunikative Hürden hinweg zum Ausdruck zu bringen, äußerte sich Antje Hachenberg, Sprecherin der Projektwerkstatt Itzehoe. Sie hält es für selbstverständlich über solche Probleme zu reden. „Alle haben das Recht überall dabei zu sein!“, erklärt sie und bringt mit diesen Worten den Auftrag auf den Punkt, den die UN-Menschenrechtskonvention an den Bund, das Land Schleswig-Holstein und im Kleinen an den Kreis und die Gemeinden heranträgt.

Auf Bundes- und Länderebene werde bereits begonnen Aktionspläne zu erstellen, so Eva Gruitrooy von der Brücke Schleswig-Holstein, die sich mit der Erstellung eines solchen Konzepts bereits aktiv beschäftigt hat. Sie meint: „Wir müssen nicht warten bis etwas von oben kommt. Wir sind fit und fähig das selbst in die Hand zu nehmen.“

Die Projektwerkstatt Inklusion Itzehoe trifft sich heute um 14.30 Uhr in den Räumen der Brücke, Wilhelm-Biel-Straße 5. Thema: Schulbegleitung.

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