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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 20:54 Uhr

Wohncontainer : Agethorster skeptisch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In den nächsten zwei Wochen werden bis zu 25 Flüchtlinge in Behelfsunterkunft auf dem Gemeindeplatz einziehen.

Die Flüchtlingszahlen steigen dramatisch, Wohnraum ist gefragt. Als erste Gemeinde im Kreis Steinburg werden in Agethorst Wohncontainer aufgebaut. In den nächsten Wochen sollen zwölf als Unterkunft für etwa 25 Asylbewerber auf dem Gemeindeplatz aufgestellt werden. Grund genug für Bürgermeister Dirk Michels, der gleichzeitig als Amtsvorsteher für die Unterbringung von Flüchtlingen im Amtsbereich zuständig ist, im Rahmen einer Einwohnerversammlung im Gerätehaus Nienbüttel über das Konzept zu informieren. Unterstützung erhielt er vom Leitenden Verwaltungsbeamten Andreas Faust und dem zuständigen Mitarbeiter Phillipp Rusch, der für die Unterbringung der Flüchtlinge in den Kommunen zuständig ist, sowie von Johann Hansen, der über die Schenefelder Situation und der dortigen Betreuung der Flüchtlinge viel zu berichten hatte.

„Derzeit leben in Schleswig-Holstein 11  380 Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen, die von dort in die jeweiligen Kommunen verteilt werden müssen“, so Michels. Da die privaten Wohnangebote fast ausgeschöpft seien, müsse das Amt letztendlich auf temporäre Unterkünfte zurückgreifen. „Die Unterkünfte stellen nur eine vorübergehende Lösung dar bis neuer, fester Wohnraum geschaffen wurde.“ Damit befasse sich eine spezielle Planungsgruppe. Gleichzeitig kündigte an, dass in Schenefeld ein Investor gefunden wurde, der ein Wohnhaus mit sechs Wohneinheiten als Flüchtlingsunterkunft plane. „Wir als Amt haben diese Wohnungen für zehn Jahre angemietet – mit der Fertigstellung wird Mitte nächsten Jahres gerechnet.“ Weiter betonte Michels, dass das Amt so genannte „Ghetto-Siedlungen“ ablehne und vielmehr auf dezentrale Unterbringungen in den einzelnen Gemeinden setze. Innerhalb des Amtes wurden nun verschiedene gemeindeeigene Flächen gefunden, die für diese temporären Unterkünfte geeignet seien. „Wir sind die erste Gemeinde, auf denen die Unterkünfte errichtet werden“, fuhr Michels fort. Er bat alle Anwesenden, positiv auf die Flüchtlinge zuzugehen und ihnen zu helfen, „sich bei uns wohl zu fühlen“.

Kritik kam vor allem von direkten Nachbarn des Grundstückes: Sie befürchten stärkere Lärmbelastung, einen eventuellen Anstieg der Kriminalität sowie Verunreinigungen auf dem Gemeindeplatz. Schwierig empfanden es einige Agethorster, dass die Neubürger nur auf bestimmte Zeit in der Gemeinde verweilen werden. „Ist es nicht schwer, die Menschen zu integrieren, wenn sie nach wenigen Monaten wieder woanders hinkommen?“, wollte Kai Haack wissen. Andere dagegen prophezeiten schon jetzt „ein ganz schlimmes Klima“ voraus. „Diese Menschen haben eine hohe Erwartungshaltung und auch der kulturelle Unterschied wird sich bemerkbar machen“, zeigte sich Axel Schütte als künftiger Agethorster erregt, während Robert Borowitz wissen wollte, ob bei der Auswahl der Asylbewerber darauf geachtet werde, welche Personengruppe in die Container einziehen werde. „Es ist doch eine Belastung, wenn hier plötzlich 24 Männer einziehen.“ Andreas Faust ließ offen, welche Gruppe von Menschen nach Agethorst kommen werden. „Das hängt davon ab, wer im Kreis ankommt.“ Dennoch betonte er, dass man schon versuchen werde, eine Mischkalkulation hinzubekommen. In erster Linie aber werde darauf geachtet, Familien mit Kindern in „vernünftigen“ Unterkünften unterzubringen.

Ein weiteres Thema an diesem Abend war die Sicherheit. Borowitz forderte einen Sicherheitsdienst, nachdem sein zukünftiger Nachbar Schütte von angeblichen „Lagerkoller“ in den Erstaufnahmeeinrichtungen berichtet hatte. „Innerhalb treten Probleme auf - außerhalb der Einrichtungen dagegen wenig“, versuchte der Agethorster Ingo Kreuzfeld die Gemüter zu beruhigen.

Von positiven Reaktionen in Schenefeld berichtete Johann Hansen. „Anfangs waren natürlich Berührungsängste da - doch inzwischen läuft alles problemlos.“ Glücklicherweise habe es in der Gemeinde Schenefeld viele ehrenamtliche Helfer gegeben, die auf die Neubürger zugegangen sind. „Alles, was man in diese Menschen hineinsteckt, bekommt man dreifach wieder.“ Allerdings müsse man auf die Flüchtlinge zugehen, ihnen am ersten Tag die Hand reichen. „Versetzen Sie sich mal in deren Lage - die haben viel mehr Ängste und Sorgen als wir.“ Abschließend appellierte er an alle Agethorster: „Öffnen Sie ihre Herzen – auch wenn es eine große Herausforderung für den einen oder anderen sein mag.“

Der Leitende Verwaltungsbeamte Andreas Faust fügte hinzu, dass die Asylbewerber stets von Mitarbeitern des Amtes begleitet werden. Dennoch bezeichnete er die Kommunikation, notfalls auch mit „Händen und Füßen“, als besonders wichtig. „Wir müssen diese Situation in irgendeiner Form lösen.“ Die Philosophie des Amtes sei es, möglichst viele Flüchtlinge breit zu verteilen. „Eine Ghettolösung hilft weder den Gemeinden noch den Flüchtlingen weiter“.  

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