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Norddeutsche Rundschau

18. November 2017 | 00:13 Uhr

Ästhetik für eine schäbige Welt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Paul-Wunderlich-Ausstellung im Wenzel-Hablik-Museum zeigt weniger bekannte Seite des Künstlers

„Ich wollte gern einmal diesen Paul Wunderlich präsentieren.“ Umso mehr freut sich die Hamburger Fotografin Karin Székessy über die große Ausstellung „Schmuck und Design“, die das Wenzel-Hablik-Museum ihrem Mann widmet. Paul Wunderlich, der 2010 verstorben ist, hätte dieses Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert.

Seine Lithografien seien oft ausgestellt worden, aber seine Designarbeiten gehörten ebenso zu ihm wie seine Bilder, sagte Székessy, die mit ihrer Tochter und deren Familie zur Ausstellungseröffnung ins Museum gekommen war. Die meisten Objekte, die in der Reichenstraße nun bis zum 5. November zu sehen sein werden, stammen aus ihrer Hamburger Privatwohnung. Die riesige Bronzeskulptur „Die große geflügelte Frau“ hat Paul Wunderlich als letzte Arbeit kurz vor seinem Tod vollendet; bislang wurde sie noch nie ausgestellt. Skurrile Hocker, exquisite Schmuckstücke, Geschirr-Serien, Bestecklinien, ein Schachspiel und diverse Objekte korrespondieren nun mit ausgewählten Bildern und Entwurfskizzen, die die Breite von Wunderlichs Schaffen demonstrieren.

Der Schleswiger Kunsthistoriker Thomas Gädeke prophezeite dem Künstler, nach dessen Tod es auf dem Kunstmarkt ruhig um ihn geworden sei, bald erneuten Ruhm. Er werde für viele Sammler wieder attraktiv werden. „Er ist nicht mehr Gegenwartskunst, aber auch noch nicht Klassiker“, meinte Gädeke. Wunderlich habe ähnlich wie Joseph Beuys als einer der wenigen deutschen Künstler seiner Generation Weltruhm erlangt.

Schleswig-Holstein hat sich dieser Aufgabe schon zu Lebzeiten lange vor Hamburg gestellt und Wunderlich mehrere große Ausstellungen gewidmet. Das Wenzel-Hablik-Museum macht nun besonders auf Wunderlichs Schaffen als Gesamtkunstwerk aufmerksam. Mit dem Kunstgewerbe habe Wunderlich für die Kunstkritik eine Todsünde begangen, führte der ehemalige sh:z-Chefredakteur Stephan Richter aus, der bei der Eröffnung aus seinem Interview mit Wunderlich zum 80. Geburtstag vortrug. Doch diese Todsünde habe Wunderlich „Vergnügen bereitet“. Auf die Frage, ob ein Mensch ohne Kunst leben könne, erhielt Richter die Antwort: „Ja, aber es lohnt sich nicht.“

Wie stark sich die Kunst Wunderlichs lohnt, bestätigten die zahlreichen Besucher der Ausstellung. Viele zeigten sich verblüfft über die starken Parallelen, die Habliks und Wunderlichs Gebrauchskunst und letztlich auch Haltung zum Handwerk und zur Ästhetisierung ihres Alltags zeigen. Wunderlich habe „einen Antrieb zur Verbesserung einer schäbig gewordenen Welt“ empfunden, schreibt Gädeke im Katalog. Darin sei er den Architekten des frühen 20. Jahrhunderts und nicht zuletzt auch Wenzel Hablik nicht unähnlich – so verband der Kunsthistoriker aus Schloss Gottorf seine Laudatio auf den Künstler mit einem großen Lob an das Itzehoer Museum, das ihn nun erneut ins Bewusstsein rückt: „Ein ganz waches Haus!“

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