Petition : Ärztin zählt Bahnfahrer

Seit Tagen am Bahnhof zu sehen: Dr. Sibylle Lindenberg zählt Pendler, um den Vergleich zum Gutachten der Landesverkehrsgesellschaft (LVS) zu erhalten.
Seit Tagen am Bahnhof zu sehen: Dr. Sibylle Lindenberg zählt Pendler, um den Vergleich zum Gutachten der Landesverkehrsgesellschaft (LVS) zu erhalten.

Kampf für Erhalt von Bahnstopps: Dr. Sibylle Lindenberg begleitet Heiko Schlüter zum Petitionsausschuss.

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19. November 2013, 12:00 Uhr

„Die bisherigen Zugverbindungen müssen bleiben.“ Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Sibylle Lindenberg (73). Die Glückstädterin hat über viele Tage am Bahnhof diejenigen gezählt, die in die Züge ein- und ausgestiegen sind. „Schwerpunktmäßig von 10 bis 16 Uhr – in der Zeit, in der die Züge ab 2014 wegfallen sollen.“ Ihr Fazit: „Die Zahlen der Landesverkehrsgesellschaft sind geschönt. Ich komme zu deutlich höheren Zahlen.“

Dass sich die ehemalige SPD-Stadtvertreterin so engagiert, hat einen Grund. Sie fährt mit Heiko Schlüter am 3. Dezember zum Petitionsausschuss nach Kiel. Wie berichtet, hatte Heiko Schlüter im Sommer eine Unterschriftenaktion initiiert, bei der 6000 Unterschriften zusammenkamen, die dem Petitionsausschuss vorliegen. Gefordert wird, dass die Bahnhalte in Glückstadt erhalten bleiben.

Was Dr. Lindenberg bei ihren Zählungen tagsüber feststellte: „Auch dann sind es Schüler und Berufspendler, die betroffen sind.“ Was sie besonders interessiert sind Teilzeitkräfte. Mit einigen Frauen suchte sie das Gespräch. „Sie würden später zurückkommen, nicht mehr so pünktlich wie jetzt. Alles ist dann mit höheren Kosten verbunden.“ So zum Beispiel für Kindergärten, wenn Kinder erst später abgeholt werden können. Eine Glückstädterin würde zum Beispiel erst 45 Minuten später in Glückstadt ankommen.

Fallen die Bahnhalte weg, ginge dies nach ihren Zählungen „nur zu Lasten der Berufspendler“. In Zeiten, wo eine Flexibilität in der Arbeitswelt gefordert wird, muss Familie und Beruf in Einklang gebracht werden, sagt Dr. Lindenberg. „Da muss auch die Bahn flexibler sein. Glückstadt gehört zum Speckgürtel von Hamburg. Der Bedarf für die Bahnhalte ist nachweisbar. “

Seit die Nord-Ostsee-Bahn in Glückstadt halte, würden die Pendler die Zeit nach Hamburg brauchen, die sie auch ungefähr innerhalb Hamburgs fahren würden. Dies wiederum sei für Bürger ein Grund gewesen, nach Glückstadt zu ziehen, wie sich am Neubaugebiet Tegelgrund zeige.

Die ehemalige Chefärztin der Stadtklinik kennt noch einen weiteren Aspekt: „Viele Patienten werden an Fachärzte nach Altona überwiesen. Meist sind es ältere Leute.“ Auch dies sei ein Grund, weiterhin Altona anzufahren.

Den Aspekt Tourismus will sie auch noch untersuchen. „Er ist ein Faktor für die Wirtschaft.“

Angesichts der Brisanz des Themas hofft Dr. Lindenberg, dass auch der Verkehrsminister an dem Gespräch beim Petitionsausschuss teilnimmt.

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