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Norddeutsche Rundschau

18. November 2017 | 00:05 Uhr

Beidenfleth : Ärger um Vollsperrung am Sperrwerk

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eltern beklagen unzureichende Info über Schülerbeförderung: Die Störfähre „Else“ ist für den Ansturm aber gerüstet.

shz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Genervte Pendler, gestresster Berufsverkehr, orientierungslose Touristen, irritierte Schüler: Die Vollsperrung hinter dem Störsperrwerk in Richtung Glückstadt sorgt auch in den nächsten drei Wochen wohl noch für reichlich Ärger. Offenbar kommt bald auch der Schülerverkehr weitgehend zum Erliegen. Zahlreiche Schulkinder aus Beidenfleth und Wewelsfleth besuchen Einrichtungen in Glückstadt. So wie die elf Jahre alte Tochter von Daniela Schember. Die Beidenfletherin hat wenig Verständnis für die Baumaßnahme kurz vor den Sommerferien und lässt ihrem Unmut denn auch freien Lauf.

Tatsächlich kam die Vollsperrung vor allem für die Menschen aus der Wilstermarsch eher überraschend. Die für den Bau verantwortliche Landesbehörde hatte offenbar nur das Amt Horst-Herzorn, nicht aber die andere Seite der Stör darüber informiert. Zwar sind in weitem Umkreis schon seit Wochen Umleitungshinweise aufgestellt. Die gehen angesichts der Flut von Baustellen in der Marsch aber unter und sind im Vorbeifahren auch kaum wahrnehmbar.

Vor allem der Schulbusbetrieb ist stark betroffen. „Wir können den Unmut nachvollziehen. Aber auch wir sind nicht einbezogen worden und bekamen dann auch noch unterschiedliche Informationen“, hieß es dazu aus dem Glückstädter Detlefsengymnasium. Was es an der Schule für Informationen gab, steht auf deren Homepage. Aktueller Stand: Für die Kinder aus der Wilstermarsch endet der Unterricht an den langen Schultagen schon um 14.15 Uhr, damit sie den letzten Bus in die Heimat noch erreichen können. Ab nächste Woche, so heißt es weiter, werde sich die Beförderungssituation sogar noch einmal verschärfen. Wegen Asphaltierungsarbeiten müssten die Schulkinder nämlich eine Umleitung über Itzehoe in Kauf nehmen. Schulleiter Hartmut Appel weist in diesem Zusammenhang die betroffenen Eltern darauf hin, dass die Kinder verpflichtet seien, den versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen.

Für Verwirrung bei vielen Eltern sorgten letztlich Auskünfte von der Straßenbaubehörde, nach denen die Kinder die Baustelle zeitweise zu Fuß durchqueren und dann an der Haltestelle Ivenfleth wieder zusteigen könnten. Im Zweifel, so hatte Daniela Schember von anderen Eltern gehört, solle man sich bei dem Busunternehmen informieren. „Es ist ein Skandal, dass man über die Schülerbeförderung nicht angemessen und rechtzeitig informiert wird“, findet sie. Schließlich könne es doch nicht Sache der Eltern sein, wegen einer vom Landesamt schlecht geplanten Straßensperrung zu sehen, wie man die Kinder zur Schule bekommt. „Mein Mann und ich sind beide berufstätig. Da können wir unsere Tochter nicht mal eben zur Schule fahren.“ Und wenn deshalb nun noch weitere Schulstunden ausfallen und der Stoff nachgeholt werden müsse, sei das „absolut nicht mehr akzeptabel“. Daniela Schember geht davon aus, dass viele Eltern und Schüler betroffen sind. „Der Bus in Richtung Glückstadt ist immer recht voll.“ Allein in Beidenfleth würden regelmäßig 15 bis 20 Schüler an der Haltestelle stehen.

Für den sonstigen Verkehr gibt es immer noch die Störfähre als Ausweichmöglichkeit. Noch herrscht in Beidenfleth allerdings kein Ausnahmezustand. Die Betreiber der Seilfähre „Else“ hatten sich aber vorsorglich auf ein erhöhtes Verkehrsaufkommen eingestellt. „Wir merken einen Anstieg der Fährnutzer,“ sagt Manfred Kleinke. Schon nach den ersten Tagen gab es teilweise ungewöhnlich viele Firmenwagen und Urlauber, die den Weg über die Fähre nahmen. „Wir müssen noch nicht die vollen Schichten mit doppeltem Personal fahren“, erläuterte der Geschäftsführer weiter. Die Zusatzkräfte seien auf Abruf vom Fährmann schnell telefonisch zu erreichen, so dass längere Wartezeiten aufgefangen werden können. Störfähre „Else“ hatte schnell und unbürokratisch auf die Sperrung reagiert und neben der Aufstockung des Personals auch verlängerte Fährzeiten eingerichtet.

Durch Lkw und landwirtschaftliche Fahrzeuge kommt es tatsächlich zeitweise zu einer Warteschlange auf beiden Störseiten. Viele Touristen nutzen den kurzen Stopp zum Fotografieren. Ein Ehepaar aus dem ostfriesischen Leer bemängelte allerdings die schlechte Ausschilderung. „Die Straße nach Glückstadt war gesperrt und die Fähre nicht ausgeschildert, wir haben schlecht hergefunden.“ Wohnmobilisten und Reisebusse müssen bei Niedrigwasser aufpassen, dass sie beim Rauf- und Runterfahren nicht auf dem Fährdamm aufliegen. „Bisher ist alles gut gegangen“, sagt Manfred Kleinke. Das Fährpersonal achtet darauf und hilft, soweit es geht. Wie lange genau die Umleitung noch dauert, ist auch dem Fährbetreiber nicht klar. Angekündigt gegenüber dem Fährbetrieb sei eine Sperrung bis zum 21. Juli. Auf den Umleitungsschildern ist von Ende Juli die Rede. In jedem Fall haben dann die Sommerferien begonnen.



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