zur Navigation springen

Streit mit Vermieter : Ärger um Heizkostenabrechnung

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Rentner soll 800 Euro nachzahlen – Verbrauch in dem Mehrfamilienhaus wurde lediglich geschätzt und auf alle umgelegt

Als Erich Zado (72) im Dezember vergangenen Jahres seine Heizkostenabrechnung erhielt, traute er seinen Augen nicht: 800 Euro sollte er nachzahlen. „Und dabei habe ich gar nicht geheizt“, sagt der Mieter einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Carl-Legien-Straße. Seit jeher lebt er sparsam. Wenn er lüftet, wickelt er Decken um die Thermostate an den Heizkörpern, damit sie nicht hochfahren. Und auch im kältesten Winter dreht er seine Heizung nie auf. Seine zwei Zimmer seien rings herum von anderen Wohnungen umgeben, die genug Wärme abstrahlten. „Und wenn es wirklich einmal kalt wird, dann ziehe ich mir einen Pullover über.“

Dennoch bittet ihn die Firma Brunata, zuständig für die Heizkosten-Abrechnungen, jetzt ordentlich zur Kasse. Nachdem Zado im Abrechnungsjahr 2012 nur 290 Euro nachzahlen musste, ist die Summe für 2013 fast drei Mal so hoch. Der Grund: Auf der Abrechnung werden deutlich höhere Gaspreise angesetzt als im Vorjahr. Laut eines Sprechers des Deutschen Mieterbunds ist das nicht zu erklären: Zwar sei der Gaspreis im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent gestiegen und der Winter etwas kälter gewesen, aber eine solch deutliche Erhöhung sei nicht nachzuvollziehen.

Zu den gestiegenen Energiekosten wollte sich die zuständige Hausverwaltung auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern. „Wir werden uns zu dem Sachverhalt nicht äußern“, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens mit Sitz in Wilhelmshaven. Laut Mieterbund hätte Zado das Recht, Einsicht in die Original-Rechnungsunterlagen zu bekommen und die Preise und Liefermengen zu prüfen.

Zados Abrechnung enthält jedoch einen weiteren Knackpunkt: Sein persönlicher Verbrauch wird überhaupt nicht berücksichtigt. Stattdessen wird der Gesamtverbrauch des ganzen Hauses auf alle Mieter nach Wohnfläche umgelegt. Eine unzulässige Praxis, sagt der Mieterbund.

Auch andere Mieter desselben Hauses sind geschockt über hohe Abrechnungen, möchten aber nicht an die Öffentlichkeit gehen. Die Unstimmigkeiten sind von Fall zu Fall verschieden. Bei einem Mieter wurde beispielsweise der persönliche Verbrauch abgerechnet, allerdings auf der Grundlage überhöhter Schätzungen. Obwohl ein Mitarbeiter der Abrechnungs-Firma seine Zählerstände abgelesen hatte, wurden diese nicht berücksichtigt.

Erich Zado legte unmittelbar nach Erhalt seiner Abrechnung Widerspruch ein. Über die Hausverwaltung lässt Firma Brunata ihm mitteilen, dass keine Fehler in seiner Abrechnung festgestellt werden konnten. In einem Schreiben der Firma heißt es, es sei pauschal abgerechnet worden, „da mehr als 25 Prozent der beheizten Fläche hätten geschätzt werden müssen.“ Gegenüber unserer Zeitung erklärt ein Sprecher, dass einige Mieter beim Ablesen der Zähler nicht angetroffen wurden beziehungsweise den Zutritt zu ihren Wohnungen verweigert hätten. In diesem Fall sei eine pauschale Abrechnung erlaubt. „Die Abrechnung ist gar nicht falsch.“

Der Mieterbund bestätigt dies. Auf Grund des geltenden Rechts habe Zado aber auf jeden Fall die Möglichkeit, 15 Prozentpunkte weniger als auf der Rechnung veranschlagt zu zahlen, da keine Verbrauchsabrechnung vorliege. Doch das wären immer noch 680 Euro. Bislang hat Erich Zado gar nichts gezahlt. Für ihn steht fest: „Die Kosten würde ich nur nach einer gerichtlichen Entscheidung tragen.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 22.Feb.2015 | 17:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen