Landwirte kritisieren Verkehrsminister : Ärger um Fahrverbot für Mähdrescher

Überall im Land sind die Bauern derzeit damit beschäftigt, die Ernte einzufahren. Foto: dpa
Überall im Land sind die Bauern derzeit damit beschäftigt, die Ernte einzufahren. Foto: dpa

Wann dürfen Bauern mit Erntemaschinen über Bundesstraßen fahren? In SH ist darüber ein Streit entbrannt. Die Landwirte sprechen von "Schikane".

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24. Juli 2013, 12:45 Uhr

Kiel/ Fehmarn | Sie fühlen sich bevormundet. Die Bauern in Schleswig-Holstein liegen mit dem Verkehrsministerium in Kiel im Clinch, weil die Behörde ihnen vorschreibt, wann sie nicht mit ihren schweren Erntemaschinen über die Bundesstraßen fahren dürfen. "Ich kenne drei Fälle, in denen Landwirte am Wochenende ein Fahrverbot bekommen haben", sagt der Sprecher des Bauernverbandes, Klaus Dahmke. Es sind alles Bauern, die im Süden und Osten des Landes mit der Getreideernte begonnen haben und überbreite Mähdrescher fahren. Die dürfen sie laut Behörde nur auf Nebenwegen bewegen. Für Dahmke "geht das gar nicht. Die Ernte muss zügig eingefahren werden. Ich hoffe nicht, dass es noch mehr solcher Fälle gibt". Die CDU im Land bezeichnet das Fahrverbot gleich als "Gängelei" der Bauern durch die Landesregierung.
Das zuständige Verkehrsministerium bestätigt, dass die Sondergenehmigung für über drei Meter breite Fahrzeuge "im Einzelfall" mit einer Auflage versehen werden kann - etwa dass Mähdrescher nur von Montag 9 Uhr bis Freitag 15 Uhr "auf Bundesstraßen und auf anderen Straßen mit erheblichem Verkehr außerhalb geschlossener Ortschaften" fahren dürfen. Dabei würden das Queren der Straßen oder die Benutzung kurzer Strecken unter fünf Kilometern Länge geduldet. Der Wochenend- und Ausflugsverkehr solle aber möglichst nicht beeinträchtigt werden.

"Den Verkehr haben die überhaupt nicht auf der Platte"

"Die Auflage wird von den Behörden ganz sicher nicht aus Schikane gegenüber den Landwirten erteilt (auch wenn diese das so darstellen), sondern um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Ziel ist es stets, dem Landwirt das Erreichen seiner landwirtschaftlichen Flächen zu ermöglichen - manchmal mit Umwegen, manchmal unter Auflagen", erklärt der Sprecher des Verkehrsministeriums, Harald Haase. Es gehe darum, den Verkehr zu sichern, denn Landmaschinen mit einer Breite von über 3,50 Metern könnten auch auf Bundesstraßen nicht überholt werden.
Die Riesenmaschinen könnten bald noch zahlreicher werden, wie Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck, auf Fehmarn sagt. Weil Vorschriften weiter verschärft würden, dürfe künftig Gülle nur im zuvor durchfurchten Boden eingelassen werden. Blanck: "Da wird riesige Technik erforderlich, die Fahrzeuge werden 20 Tonnen schwer. Das hält keine Brücke aus." Der Landwirt wünscht sich angesichts solcher Auflagen mehr Überblick bei den Behörden. "Den Verkehr haben die überhaupt nicht auf der Platte. Wir müssen doch zu unseren Feldern fahren und dort ackern können."

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