Friedhof in Glückstadt : Ärger mit gefräßigen Rehen

Die Stiefmütterchen bei diesem Grab wurden von Rehen abgefressen, stellt Friedhofsgärtner Siegfried Hülsemann fest.
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Die Stiefmütterchen bei diesem Grab wurden von Rehen abgefressen, stellt Friedhofsgärtner Siegfried Hülsemann fest.

Rehe fressen frischen Blumen von den Gräbern.

shz.de von
10. April 2018, 04:45 Uhr

Sie fressen die frischen Blumen von den Gräbern – Frühlingsblüher wie Stiefmütterchen stehen offenbar ganz oben auf dem Speiseplan der Rehe. Auf dem Friedhof an der von-Graba-Straße ist der Tisch in diesen ersten warmen Tagen des Jahres für die Wildtiere reichlich gedeckt. Sie sind nicht zum ersten Mal dort aufgetaucht – zum Leidwesen der Grabbesitzer.

„Man kann den Friedhof nicht so abriegeln, dass kein Reh mehr durchkommt“, sagt Pastorin Gabriele Schinkel. Doch sie zeigt viel Verständnis für die Angehörigen. Deshalb will sie bei der Unteren Jagdbehörde anfragen, was es für Möglichkeit gibt, um die Rehe zu vergrämen. Nach dem langen Winter sind die Tiere offensichtlich ausgehungert und suchen alles für sie Fressbare. Hierbei kommt es ihn offensichtliche gelegen, dass auf dem Norderfriedhof im Frühling Stiefmütterchen, Hornveilchen auf die Gräber gepflanzt werden. Aber auch vor Trauerkränze- oder Gestecke machen sie nicht Halt.

Sie kommen abends in der Dämmerung, am Morgen sind sie wieder weg. Besucher des Friedhofs sind empört und hoffen, dass von der Friedhofverwaltung etwas gegen den Wildfraß unternommen wird. Verwaltungsangestellte Susanne Schmidt erklärt: „Es sind nicht unsere Rehe. Wir sind eigentlich nicht zuständig.“ Trotzdem wurde vor ungefähr vier Jahren der Friedhof weitgehend mit einem zwei Meter hohen Drahtzaun eingezäunt – aber nur fast. Dort wo eine dichte Hecke an den Friedhof grenzt, hat die Verwaltung auf einen Zaun verzichtet. Die Rehe fanden ein Schlupfloch, um an die Leckerbissen zu kommen. Jetzt hat Friedhofsgärtner Siegfried Hülsemann einen weiteren zehn Meter langen Zaun verarbeitet. Diesmal entlang der Hecke.

Die Friedhofsgärtner und Igor Neer von der Gärtnerei Irina Neer empfehlen nach dem Pflanzen sofort Hornspäne auf die Blumen zu streuen. Diese verwenden sie bei den Gräbern, für die sie die Pflege übernommen haben. Auch Trauergestecke werden nach einer Beerdigung mit den Späne bestreut um die Tiere fernzuhalten. Das klappt jedoch nur bedingt. Einige Grabbesitzer legen einen Maschendraht um die Pflanzen, andere stecken Reisig in die Erde, um die Tiere davon abzuhalten, die liebevoll gepflanzten Blumen abzufressen.

Der Ärger über die abgefressenen Blüten ist bei den meisten Betroffenen groß. Siegfried Hülsemann: „Ich bin sogar schon auf dem Marktplatz heftig beschimpft worden.“ Die Rehe scheinen mit der Zeit ihre Scheu vor den Menschen zu verlieren. So sahen Anwohner des Kleinen Janssenweges vor Kurzem sechs Rehe mitten in ihrer Straße. Immerhin einen Trost gibt es für die Angehörigen – Sommerblumen wie Begonien oder Geranien mögen die vierbeinigen Feinschmecker nicht.

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