Landwirtschaft : Äpfel leiden unter Sonnenbrand

Ausgeprägter Sonnenbrand: Obstbauer Jan Wille weist auf betroffene Äpfel an einem Baum mit Holsteiner Cox.  Fotos: Rosenburg
Ausgeprägter Sonnenbrand: Obstbauer Jan Wille weist auf betroffene Äpfel an einem Baum mit Holsteiner Cox. Fotos: Rosenburg

Obstbauer Jan Wille aus Wewelsfleth rechnet beim Apfel mit etwa zehn Prozent Ernteausfall wegen zu großer Hitze. Dafür sei der Ertrag bei Steinobst „super“.

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10. August 2018, 05:03 Uhr

Sonnenbrand bei Äpfeln – auch in unserer Region kein neues Phänomen. „Das hatten wir sonst auch schon. Im Herbst vor zwei Jahren zum Beispiel, da war es ab September noch mal sehr warm und sonnig“, erzählt der Wewelsflether Obstbauer Jan Wille. Neu ist allerdings, dass der Sonnenbrand so früh auftritt. „Sonnenbrand tritt erst auf, wenn die Äpfel weiter wachsen und in der Sonne hängen – und die Temperatur auf der Schale auf über 30 Grad Celsius steigt.“

Wenn das Thermometer an Tagen wie vergangenen Dienstag in tropische Höhen steigt, ist klimatisierte Beregnung notwendig, um die Äpfel möglichst zu schützen. Das bedeutet, dass großflächig in die Sonne hinein beregnet wird. Zwei Pumpen liefern dafür 220 Kubikmeter Wasser pro Stunde. Und doch können nicht alle vor dem Sonnenbrand bewahrt werden, insbesondere natürlich die Äpfel, die auf der Sonnenseite hängen. Die Sonnenflecken entwickeln sich in verschiedenen Phasen. Zunächst verfärbe sich der Apfel an der betroffenen Stelle hell, und fange dann an dunkler zu werden – bis er richtig braun sei. Allerdings können sich die hellen Stellen mit etwas Glück auch noch wieder verwachsen, sagt Wille. Die Äpfel werden übrigens hängen gelassen, damit die nächsten Schutz haben.

Jetzt sei der Sonnenbrand bei so einigen Äpfeln schon sichtbar. „Eigentlich hätten wir jetzt den Sommerschnitt“, so Wille. Dann werden die Baumtriebe, die die noch grünen Äpfel bedecken, ausgeschnitten, damit das Obst genügend Sonne abbekommt. „Das machen wir noch nicht, sonst verbrennen sie.“ Wie hoch der Ernteausfall durch Sonnenbrand zu erwarten ist, kann der Obstbauer noch nicht sagen, schätzt sie aber auf etwa zehn Prozent. Nicht alle Sorten sind gleich betroffen. Gala und Golden Delicious – südtiroler Sorten – können Sonne und Hitze besser ab als die nordischen Elstar, Jona Gold und Holsteiner Cox. Letzterer mag sogar gern Sturm und Regen. Angesagte Unwetter können ihm daher weniger anhaben. „Es darf nur nicht hageln.“ Auch Birnen gibt es auf dem Obsthof Wille, aber die haben kein Problem mit Sonnenbrand. Die Birnen seien nicht so hell wie die Äpfel und würden besser vom Blattwerk verdeckt.

Besonders vorteilhaft sei das Wetter der vergangenen Wochen für das Steinobst gewesen. „Bei Kirschen haben wir eine Super-Ernte.“ Auch der Pflaumen- und Zwetschgen-Behang sei sehr gut, da stören nur die Wespen. Während der Blütezeit hatte alles noch optimal ausgesehen – auch bei den Äpfeln. Die kamen dann schon im Juni in Stress, da gab es den ersten Fruchtfall. Mit der Apfelernte rechnet Wille in diesem Jahr etwa zehn Tage vor der letztjährigen. „Anfang September wird die Haupternte beginnen.“ Die Äpfel werden aber sehr gut sein, betont er. Zwar gebe es weniger Stückzahl am Baum, aber das gleiche sich durch Fruchtgröße und Geschmack aus. „70 bis 75 Millimeter Fruchtgröße sollte ein Apfel haben.“

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