Glückstädter Fortuna : Älteste Zeitung im Norden lebt auf

Mit ihrem „Entenrock“ nach einem Hit der Gruppe Queen begeisterten die Lütten der „Sonnigen Kinderstube“ die Gäste im Anno 1617.
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Mit ihrem „Entenrock“ nach einem Hit der Gruppe Queen begeisterten die Lütten der „Sonnigen Kinderstube“ die Gäste im Anno 1617.

Nach 45 Jahren: Die „Glückstädter Fortuna“ wird wieder erscheinen. Start des Blattes für Glückstadt und das alte Amt Herzhorn am 26. März

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22. März 2014, 08:00 Uhr

Seit 1969 fristete sie ein Nischendasein in unserer Zeitung, die Glückstädter Fortuna. Jetzt steht die Wiederkehr des deutschlandweit vielleicht ältesten Zeitungstitels an: Ab dem 26. März wird die Fortuna wieder als eigenständiges Blatt in Glückstadt und dem alten Amt Herzhorn erscheinen. Darauf stießen gestern rund 100 geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik, Vereinen und Verbänden an.

„Eine neue Zeitung auf den Markt bringen – ich glaube, das kommt gar nicht mehr vor“, stellte Dr. Helge Matthiesen begeistert fest. Die Geschäftspolitik von Verlagen habe in der Vergangenheit regelmäßig dazu geführt, kleine, wirtschaftlich nicht mehr attraktive Blätter aufzugeben. „Wir wollen hier Präsenz zeigen“, kündigte der Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags eine andere Marschroute an. Die Glückstädter Fortuna wird die 15. Tageszeitung des SH:Z. Die sei ein eigens auf sie zugeschnittenes Angebot an die Leser. Inhaltlich wird sich die Fortuna stärker auf die von den Menschen in Glückstadt und Umland bevorzugten Schwerpunkte konzentrieren. Matthiesen: „Ich hoffe, dass Sie sich mit diesem Blatt wohl fühlen.“ Denn: „Es ist Ihre Zeitung.“

Für Redaktionsleiter Volker Mehmel hatte die Ankündigung von der Rückkehr der 1740 von Johann August Babst gegründeten Zeitung einen Hauch Zeitgeschichte. Die Wiedergeburt der Fortuna sei, so Mehmel, gewissermaßen ein vorweggenommenes Geschenk zum Stadtjubiläum, das in drei Jahren gefeiert wird. „Ein so schöner Titel hat es verdient, wieder auf dem Markt zu sein.“

Wie Matthiesen unterstrich er, dass dies kein Selbstzweck sei, sondern das Ziel verfolge, den Menschen in der Region Glückstadt in Zukunft „mehr Informationen aus Glückstadt“ anzubieten. Zugleich hofft der Verlag, neue Zielgruppen erschließen zu können.

Dies sind für Verlagshausleiterin Petra Remus auch die vielen Pendler. Die haben oft ihre bisherige Tageszeitung nicht rechtzeitig vor dem Weg zu Arbeit im Briefkasten. Mit der Glückstädter Fortuna als eigenem Zeitungstitel werde sich das ändern. Und weil viele von ihnen Richtung Elmshorn oder Hamburg unterwegs seien, werde dies auch inhaltlich berücksichtigt. Die Fortuna, so Remus, werde es auch als eigenständiges E-Paper des SH:Z geben. Dann sei sie „schon um Null Uhr“ zu lesen.

„Wir freuen uns, dass wir die Fortuna wieder ganz vorne haben. Da, wo sie auch hingehört“, betonte Bürgermeister Gerhard Blasberg. Der Verlag gehe den richtigen Schritt, setze damit ein Zeichen. Das erfordere auch Mut.

Den größten Beifall gestern in der Feierstunde im Restaurant Anno 1617 erhielten aber nicht die Zeitungsleute. Den heimsten die Lütten aus der „Sonnigen Kinderstube“ ein. Die Jungen und Mädchen brachten eine ganz besondere Version des Queen-Hits „We Will Rock You“ zum Besten, den „Entenrock“. Danach verteilten sie eine Sonderausgabe der zukünftigen Glückstädter Fortuna an die Gäste, die gleich begannen, interessiert durch die neue Zeitung zu blättern.

Den stärkeren regionalen Zuschnitt auf die Leser begrüßte Niels Blankschyn vom Förderverein Fortuna-Bad. „Der Leser fühlt sich noch mehr informiert.“ Die Rückkehr der Traditionszeitung sei „eine phantastische Nachricht.“

Auch Maren Nagel, Bürgermeisterin der Engelbrechtschen Wildnis, äußerte sich begeistert: „Das ist hervorragend.“ Sie sei schon gespannt auf die erste „echte“ Ausgabe der neuen Glückstädter Fortuna. Die ja zudem, wie Helge Matthiesen zuvor erklärt hatte, ab Mittwoch inhaltlich aufgeräumter in der so genannten Vier-Buch-produktion daherkommen werde.

Für Ulf Ostermann (Rhin-Kanu) gab es gestern keine Frage: Ein Traditionsblatt komme zurück in die Stadt. Das sei gut so.

„Ich finde das toll“, sagt Cornelia Reimers, Geschäftsführerin der Druckerei Augustin. Dort wurde die Glückstädter Fortuna früher gedruckt, bevor sie 1969 an die Norddeutsche Rundschau verkauft wurde – und in der Nische verschwand.

„Ich freue mich auf das, was jetzt kommt“, erklärte Helge Matthiesen.

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