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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 05:30 Uhr

Ältere sollen weniger arbeiten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Tarifverhandlungen: Chemiegewerkschaft strebt Arbeitszeitverkürzung an

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 12:52 Uhr

„Die letzte Tarifrunde haben wir mit einem Bombenergebnis abgeschlossen“, blickte der Bezirkssekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (BCE), Andreas Suß, zurück. Weil der Tarifvertrag zum 31. März 2015 ausläuft, traf sich die BCE jetzt zu einer landesweiten Bezirkstarifkonferenz. Daran waren fast 40 Betriebsräte und Vertrauensleute aus den großen Chemiebetrieben des Landes ins Brunsbütteler Elbeforum gekommen. Suß wies bei der Eröffnung der Konferenz als traditionellem Auftakt der anstehenden Tarifrunde 2015 darauf hin, dass in den Chemiebetrieben Schleswig-Holsteins mehr Mitarbeiter beschäftigt seien als in der gesamten Tourismusbranche. „Die Chemie ist also ein wichtiger Teil des Arbeitsmarktes“, machte der Gewerkschaftssekretär deutlich.

Christian Jungvogel als Leiter der Tarifpolitik im Hauptvorstand der IG BCE in Hannover wertete die Bezirkstarifkonferenz als wichtigen Teil einer Meinungsbildung für die Vorstandsempfehlung zur nächsten Tarifrunde, ehe die Bundestarifkommission am 22. Januar die Forderungen der Gewerkschaft formulieren wird. Da die Verhandlungen nahezu gleichzeitig mit der Metall- und Elektrobranche geführt werden, geht Christian Jungvogel davon aus: „Das wird eine ganz spannende Tarifrunde.“

Es gehe dabei nicht nur um Lohnforderungen für die Beschäftigten, sondern in besonderer Weise auch um die Weiterentwicklung des Demografie-Tarifs I und II. Bei den Löhnen müsse man darauf drängen, die Schere zwischen den Arbeitnehmerentgelten und den Gewinn- und Vermögenseinkommen enger zusammenzubringen. Während die Arbeitnehmerentgelte in den letzten 15 Jahren nur um 27,5 Prozent gestiegen seien, wären die Gewinn- und Vermögenseinkommen um 61,8 Prozent gewachsen. Die Tariflöhne seien zwar um mehr als 40 Prozent gestiegen, doch werde dieser Zuwachs durch Niedriglohnempfänger, Leiharbeit und Werkverträge gedrückt.

„In der chemischen Industrie haben wir unsere Hausaufgaben gemacht“, verkündete Jungvogel. Im Vergleich zu anderen Tarifabschlüssen bewege sich die BCE in der Spitzengruppe. Er sprach von einer positiven Entwicklung und einer robusten Situation in der chemischen Industrie. Großen Wert legte der Gewerkschafter auf das Modell Demografie, über das er schwierige Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite erwartet. Es sei vorrangig von Bedeutung, für ältere Mitarbeiter die wöchentliche Arbeitszeit auf eine Vier-Tage-Woche mit 30 Arbeitsstunden oder auf eine Drei-Tage-Woche mit 22,5 Arbeitsstunden abzubauen, „damit unsere älteren Mitarbeiter noch bis zur Rente durchhalten können“. Damit werde einerseits erreicht, dass die Erfahrungen der Alten in den Betrieben bleiben und Jüngere eine Perspektive erhalten. Neben dem Tarifmodell, für das Jungvogel auch Finanzierungsmöglichkeiten aufzeigte, müsse der Gesetzgeber die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. „Wir wollen keine weitere Vorruhestandsregelung, sondern die Menschen in den Betrieben halten und das Einkommen weitgehend sichern“, betonte Jungvogel. Eine lebhafte Diskussion mit den Gewerkschaftern aus den Betrieben schloss sich an.


>Die Hauptversammlung der BCE-Ortsgruppe Brunsbüttel findet die Hauptversammlung am Freitag, 21. November, statt. Sie beginnt um 10 Uhr im Hotel Zur Traube in Brunsbüttel-Ort.


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