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Lieblingsautos : ADAC-Skandal lässt Autohändler kalt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Autohäuser reagieren gelassen auf den Wirbel um die Lieblingsautos. „Gelber Engel“ trägt nicht zur Kaufentscheidung bei.

shz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Frisierte Zahlen, fragliche Lieblinge und ein zurückgetretener Pressechef. Beim ADAC geht es in diesen Tagen hoch her. Kürzlich war bekannt geworden, dass die Anzahl der Mitglieder, die in den vergangenen Jahren an der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ teilgenommen hatten, durch den ADAC geschönt worden war.

Gerade erhielt der VW Golf den „Gelben Engel“ als Lieblingsauto 2014. Jedoch beteiligten sich nicht, wie vom ADAC zunächst angegeben, 34 299 Leser an der Abstimmung, sondern etwa 30 000 Menschen weniger. In Itzehoe ist das Lieblingsauto im Autohaus Eskildsen zu Hause, wo das Tagesgeschäft normal weiterläuft. Dass der Golf eventuell doch nicht das beliebteste Auto der Republik sein könnte, trifft Ilka Eskildsen-Strohbecke nicht. „Für mich geht die Welt nicht unter“, sagt die Geschäftsführerin. „Dass der Golf über Jahrzehnte erfolgreich ist, darüber muss man nicht diskutieren.“ Den Erfolg eines Autos solle man nicht von einer Statistik abhängig machen. Verkaufszahlen und Kundenzufriedenheit seien ihrer Meinung nach ausschlaggebender als der „Gelbe Engel“.

Kein Kunde habe direkt nach dem aktuellen Lieblingsauto gefragt, Eskildsen habe nicht mit dem Titel geworben – auch nicht in der Vergangenheit, als es der Audi A6 (2005), der Passat (2006), der Audi TT Coupé (2007), der Golf (2009) und der Audi Q3 zum Lieblingsauto schafften.

„Es gibt wichtigere Preise“, meint Thomas Schrenk, Filialleiter von May & Olde in Itzehoe. Aussagekräftiger seien seiner Meinung nach die Beurteilungen von Zeitschriften wie „Auto Motor und Sport“ oder „Autobild“. „Wenn eines unserer Autos das Goldene Lenkrad bekommt, wird es mit einem entsprechenden Aufkleber versehen – beim Gelben Engel nicht“, so Schrenk.

2011 wurde der 5er BMW von den Lesern der ADAC-Motorwelt zu ihrem Liebling gekürt. „Er konnte sich nicht wehren“, so Schrenk augenzwinkernd. Jedoch ist auch er noch keinem Kunden begegnet, der sich aufgrund dieser Auszeichnung für einen 5er interessierte.

Ähnlich ist der Eindruck beim Mercedes-Autohaus Süverkrüp + Ahrendt: Verkäufer Lars Rilk hat in der Filiale an der Störfischerstraße „noch nie ein Gespräch geführt“, das auf dem Titel „Lieblingsauto“ begründet war. 2008 erhielt die C-Klasse, 2010 die E-Klasse und 2013 die A-Klasse von Mercedes den „Gelben Engel“.

Dabei wunderte sich Uwe Carstensen aus der Marketing-Abteilung bei Süverkrüp + Ahrendt insbesondere über die letztjährige Auszeichnung: Als die A-Klasse Anfang 2013 zum Lieblingsauto gewählt wurde, sei das Modell „noch gar nicht so richtig raus“ gewesen. „Wie können die das wissen?“, fragte sich Carstensen damals, zumal Einstiegspreis und Finanzierung seiner Meinung nach anfangs zu hoch beziehungsweise unattraktiv gewesen seien. Erst als die Finanzierungsraten gesenkt wurden, sei das Interesse an dem Wagen gestiegen. „Es ist schwer zu sagen, ob die steigende Nachfrage auch mit dem ADAC zu tun hatte“, so Carstensen.

Privat überlege er, seine ADAC-Mitgliedschaft zu kündigen und sein Auto stattdessen lokal zu versichern. Wie er geben auch Eskildsen-Strohbecke und Schrenk zu bedenken, dass das Kerngeschäft des ADAC – nämlich ein verlässlicher Pannenservice – inzwischen auch von den Herstellern selbst angeboten werde.


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