Scan mit dem Smartphone : Achtung: Neue EC-Karten legen Kontodaten offen

Harald Rothe vom „Weißen Ring“ scannt mit seinem Handy Bankdaten von einer fremden EC-Karte, die ihm Astrid Heidorn hinhält.
Harald Rothe vom „Weißen Ring“ scannt mit seinem Handy Bankdaten von einer fremden EC-Karte, die ihm Astrid Heidorn hinhält.

Die Polizei Glückstadt und der Weiße Ring Steinburg starten eine Aufklärungsaktion und verteilen spezielle Hüllen zum Schutz vor Gaunern.

shz.de von
29. Dezember 2017, 05:38 Uhr

Glückstadt | „Das gibt's doch nicht!“ Sichtlich überrascht und erschrocken reagierte Klaus Jürgens aus der Engelbrechtschen Wildnis, einer Gemeinde im Kreis Steinburg. Denn was Harald Rothe von der Opferschutz-Organisation „Weißer Ring“ dem Rentner nach Auslesen dessen neuerer EC-Karte so alles erzählte, war schon erschreckend. Zuvor hatte Rothe sein Smartphone mit Hilfe einer kostenfrei heruntergeladenen App kurz auf Jürgens' EC-Karte mit der Möglichkeit fürs kontaktlose Bezahlen gehalten und war Augenblicke später über dessen Kontodaten – genauer: Kontonummer und Ablaufdatum – im Bilde. „Ich lösche die Daten jetzt gleich wieder, das unterscheidet mich von den bösen Buben“, erklärte der Leiter der Außenstelle des „Weißen Ringes“ im Kreis Steinburg.

Im realen Alltag müssten sich die Straftäter mit ihrem Handy mindestens zehn Zentimeter der entsprechenden Kreditkarte nähern, um die Kontodaten scannen zu können. Das Handy kurz an die Hand- oder Jackentasche zu halten würde demnach ausreichen, heißt es vom „Weißen Ring“. Weil nach dem Ausspähen auf dem eigenen Handy gleich wieder gelöscht, würde die Polizei solchen Betrügern nur schwer auf die Schliche kommen können.

So erkennen Sie, ob Ihre EC-Karte betroffen ist

Auf der Karte signalisiert ein wellenförmiges Symbol, ob diese für das kontaktlose Bezahlen geeignet ist. Diese Funktion lässt sich laut Weißem Ring bei den meisten Karten von der Bank deaktivieren.

Foto:imago/teutopress

Dieses Symbol zeigt die Funktion für bargeldloses an.

Deshalb setzen die Beamten auf Prävention. Glückstadts stellvertretende Polizeistationsleiterin Astrid Heidorn wurde bei dieser Gelegenheit auf den „Weißen Ring“ aufmerksam. „Die einst vom Aktenzeichen XY – Zimmermann ins Leben gerufene Organisation hat zum Schutz der neuen Geldkarten spezielle Hüllen beschafft, die diesen Missbrauch verhindern“, erfuhr die Hauptkommissarin und setzte sich deshalb mit dem Präventions-Mitarbeiter Harald Borchert sowie dem Außenstellen-Leiter Harald Rothe in Verbindung. Der pensionierte Polizeibeamte griff Heidorns Idee einer kostenlosen Schutzhüllen-Verteilung gleich auf und bestellte zunächst 250 Exemplare. Diese gingen bei der Präsentation auf dem Glückstädter Marktplatz weg wie warme Semmeln.

Wenngleich oftmals nur als Einzelperson vor Ort, nahmen die meist älteren Interessierten auch gleich Schutzhüllen für den Ehepartner oder die erwachsenen Kinder mit. „Wie kriege ich die Karte jetzt in mein Portemonnaie?, fragte sich nicht nur Gisela Poveda. Grund: Die speziellen, etwas dickeren Hüllen mit dem Metallstreifen darin sind größer als die herkömmlichen Plastikhüllen, die man für seine EC-Karte bei der Bank erhält. „Wenn alles nicht funktioniert, schirmen Sie Ihre Karte doch mit Alufolie vor unberechtigtem Zugriff ab“, lautete der Ratschlag Rothes.

Und: Astrid Heidorn und der „Weiße Ring“ stehen weiterhin auf dem Standpunkt „Sicher ist sicher“ und halten die Schutzhüllen zunächst bei der Polizeistation in der Königstraße 39 für Interessierte zur kostenlosen Abholung bereit. „Wir kümmern uns um Opfer von Straftaten, wollen letztere aber auch verhindern“, betonte Harald Rothe.

Informationen zur Schutzhülle des Weißen Rings und Bestellmöglichkeiten finden Sie hier.

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