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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 08:03 Uhr

Doping : „Achtet auf euren Körper“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

DDR-Doping-Opfer Kerstin Spiegelberg stellt sich den Fragen der Schüler des Sophie-Scholl-Gymnasiums und mahnt zur Vorsicht bei Sportlernahrung.

Betretenes Schweigen, als Kerstin Spiegelberg den Klassenraum des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG) betritt. Ist diese lächelnde, blonde Frau wirklich die DDR-Kanutin, die als Minderjährige ohne ihr Wissen mit Anabolika gedopt wurde? Ist das wirklich die Frau, die gegen den Brustkrebs kämpfte, eine Fehlgeburt hatte und unter Depressionen litt?

Das Schweigen endet als Kerstin Spiegelberg sofort anfängt, offen über die vermeintlichen Tabu-Themen zu reden: „Ja, ich habe Anabolika bekommen. Nein, ich habe nichts davon gemerkt. Es war mein Trainer, der mir die Pillen verabreicht hat.“

Die DDR-Sportlerin ist auf Einladung von Sportlehrer Henning Lüssow ans SSG gekommen. Das Gespräch ist Ende und Höhepunkt eines Projekttags, an dem sich die Oberstufen-Schüler des Sportprofils mit dem Thema Doping auseinander setzen. Nachdem das Eis gebrochen ist, sprudeln die Fragen nur so aus den Schülern heraus: Ist Ihnen wirklich nichts aufgefallen? Wann haben Sie davon erfahren? Bekommen Sie eine Entschädigung?

„Nach der Wende wurde zum Glück alles aufgearbeitet“, antwortet Kerstin Spiegelberg, die in ihrer Jugend mehrfach DDR-Meisterin wurde. Ein Jahr nach dem Fall der Mauer teilten Experten der Sportlerin mit, dass sie regelmäßig gedopt worden sei. Im Jahr 2000 begann ihr Brustkrebs-Leiden – aus Sicht ihrer Ärzte ganz klar eine Folge des Dopings. 2013 bekam Spiegelberg vor Gericht als erstes DDR-Doping-Opfer für ein halbes Jahr eine Rente zugesprochen. Weil ihr dieser Zeitraum zu kurz ist, legte sie Widerspruch ein. Auf die Berufungsverhandlung wartet sie bis heute.

„Ich bin immer noch frustriert, dass das Doping so flächendeckend geschehen ist“, sagt Spiegelberg, die nur eines von schätzungsweise 2000 Doping-
Opfern in der DDR ist. „Ich hoffe, dass ich irgendwann mit dem Thema abschließen kann.“

Den Schülern rät die Sportlerin: „Achtet auf euren Körper und passt auf, was ihr zu euch nehmt.“ Die Sportindustrie werbe mit Energy-Drinks, Supplementen und Eiweißprodukten. Streng genommen sei das alles Doping. „Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, der braucht keine Zusatzstoffe.“

Ein Ratschlag, den sich der 18-jährige Schüler Moriz Scheurer bereits zu Herzen genommen hat: „Ich habe früher auch Eiweiß-Präparate zu mir genommen und in der Folge beim Krafttraining zu hart trainiert.“ Jetzt seien seine Gelenke kaputt. Training und Ernährung habe er inzwischen komplett umgestellt. „Das Gespräch mit Kerstin Spiegelberg hat mich darin bestätigt.“ Und sein Mitschüler Levi Dethlefs (18) meint: „Es ist wichtig, über dieses Thema zu reden.“ In der DDR sei genau das versäumt worden.

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