Stadtschreiber : Abwesend - Mahnend - Rätselnd

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20. April 2013, 09:08 Uhr

Es wird endlich Frühling, die Kommunalwahl rückt näher - und in Kürze beenden dann sicher auch die Politiker den Winterschlaf. Hier ein bürgernaher Besuch, dort eine kleine überflüssige Diskussionsrunde: Die Vorboten der Wahl - und damit die Besuche aus Kiel - werden wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aber wo sind die wichtigen Damen und Herren eigentlich, wenn man sie wirklich mal braucht? Beim Auftakt der Sozialplan-Verhandlungen für die Prinovis-Beschäftigten zum Beispiel. Die größte Schließung einer Druckerei in der Nachkriegszeit, ein schwerer Schlag für die Region, aus allen Ecken der Republik hagelt es Solidaritätsbekundungen - und im eigenen Land kümmert sich keiner drum? Weder Regierung noch Opposition zeigen Flagge. Ein Armutszeugnis. Und in Wahlkampfzeiten nicht besonders clever. Das fiel nicht nur den Gewerkschaftern und Mitarbeitern auf, sondern auch den anwesenden Kommunalpolitikern aus Stadt und Region. Sie können ihre Kieler Kollegen bei der nächsten Landtagswahl ja mal an den Slogan einer Partei zur Kommunalwahl erinnern: "Zukunft fängt Zuhause an!"

So etwas heißt dann wohl blauer Brief. Knapp 9,6 Millionen Euro wollte die Stadt in diesem Jahr an Krediten aufnehmen, nur 8,1 Millionen Euro hat das Innenministerium in Kiel als Aufsichtsbehörde bewilligt. Wirklich glücklich war man im Ministerium auch nicht über die Pläne, nach denen die Schulden der Stadt sich bis 2016 nahezu verdoppeln auf gut 48 Millionen Euro. Die dreieinhalb Seiten aus der Landeshauptstadt lassen sich komprimieren auf: Leute, ihr müsst sparen! Das weiß auch jeder, und die neue Ratsversammlung wird das Thema nach der Wahl ganz, ganz sicher angehen. Die allerdings stochert dann wohl auch nicht mehr im Nebel. Seit Jahren rechnet die Stadt kaufmännisch, doch die Eröffnungsbilanz wird jetzt gerade erst geprüft. Danach kommen erst die Jahresabschlüsse und damit das Ende des Schwimmens, von dem Kämmerer Hauke Carstens ganz offen im Finanzausschuss sprach. Dabei trat er allzu düsterer Haushaltsuntergangsstimmung entgegen: Die tatsächlichen Zahlen - die er natürlich kennt, die aber eben noch nicht abschließend feststehen - seien durchaus positiver als die Planzahlen, auf deren Basis das Ministerium urteile. Dies aus dem Munde des zurückhaltenden Itzehoer Kassenwartes, das lässt zumindest ein wenig hoffen.

Ist das Kunst oder kann das weg? Man kennt das. Aber ist es auch Kunst, wenn jemand einfach weg ist? Womöglich. Im theater itzehoe jedenfalls tat sich gar Wundersames: Montagmorgen entdeckte eine Reinigungskraft, dass in einer Toilette neben einer der Sologarderoben Licht brannte. Die Tür aber war verschlossen - von innen. Klopfen, Rufe - keine Antwort. Versuche, das Schloss von außen mit dem Generalschlüssel zu öffnen, schlugen fehl. Ein Handy passte so gerade unter der Tür durch, doch die Fotos zeigten nur eines sicher: Der Schlüssel steckte noch. Das war der Zeitpunkt, an dem die Feuerwehr kommen musste. Mit Spezialgerät entfernte sie den Zylinder, dann erst konnte die Tür geöffnet werden. Große Erleichterung allenthalben: kein entseelter Künstler, nur ein leerer Raum. Zauberer waren an jenem Wochenende nicht aufgetreten im Theater. Vielleicht war es also Kunst, und die muss man ja nicht immer verstehen. Das Gute ist: Wenn heute Abend bei der Kulturnacht auf einmal ein Künstler fehlt, dann ist klar, wo gesucht werden muss.

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