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Traditionsschiff : Abschied von Schlepper Flensburg

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Vier Fahrten am 24. Mai zur Stör / Alexandra kommt zur Abschiedsfahrt im Juni nach Glückstadt – Es gibt Mitfahrgelegenheiten

von
erstellt am 27.Apr.2014 | 16:00 Uhr

„Ich werde mich einschließen und weinen.“ Reimer Ohlfest denkt an den 20. Juni, an dem er sich vom Schlepper Flensburg verabschieden muss. Der 80-jährige Glückstädter wird dann mit dem Schiff auf seine letzte Fahrt gehen. Es geht nach Flensburg. Dort bekommt der Schlepper im Museumshafen einen neuen Liegeplatz.

Schiffseigner Alfred Mantwitz zeigt weniger Emotionen, obwohl auch ihm der Abschied sehr nahe geht: „Wir haben alle gesundheitliche Probleme. Die Arbeit am Schlepper ist zu zeitintensiv.“

„Wir“, das sind neben dem 70-jährigen Eigentümer der Flensburg und Reimer Ohlfest noch Peter Jürgs (70) und Gerd Krause (66). Seit vielen Jahren halten die Vier ehrenamtlich den Schlepper in Schuss. Und seit März sind sie in vielen Stunden dabei, das Schiff zu streichen. „Der Rost ist das Problem“, sagt Alfred Mantwitz. Aber die Männer haben den Ehrgeiz und den Stolz, dass die Flensburg im gutem Zustand der Museumsflotte in der Fördestadt übergeben wird.

Die Flensburg ist das letzte fahrende Schiff aus der Schlepperserie des Typs Bugsier. Gebaut wurde sie 1953 auf der Jadewerft Wilhelmshaven. Danach diente das Schiff als Dockschlepper in Flensburg – daher auch der Name. 2000 kam das Aus, dass Schiff sollte abgewrackt werden. Doch Alfred Mantwitz sah es eher als kommendes Schmuckstück und kaufte den Schlepper vor 14 Jahren. Seither hat er den Liegeplatz im Binnenhafen neben dem Salzspeicher. Ehrenamtliche Helfer der ersten Stunden waren Hans Bautzius, Armin Ohlfest und Jürgen Holm. Kurze Zeit später kamen Peter Jürgs und Reimer Ohlfest dazu, seit sieben Jahren ist Gerd Krause dabei.

Möglich wurde dieses ungewöhnliche Hobby auch, weil Alfred Mantwitz das Areal am Hafen seit 1977 gepachtet hat. Den Platz will der Schiffsmakler auch weiterhin behalten. Denn die Männer verabschieden sich zwar von der arbeitsintensiven Flensburg, denken aber schon über ein Nachfolgeprojekt nach. Sich nur um ihre eigenen Häuser zu kümmern und um den Garten, das ist ihnen zu wenig.

Bei vielen Menschen ist das Schiff bekannt, weil die Männer zu Fahrten einluden. Die „Flensburg“ ist als Traditionsschiff abgenommen und darf im Zehn-Meilen-Bereich der Nordsee bis zu 35 Personen befördern. Neben diesen Fahrten war der Transport ein weiteres Standbein. Doch Bäume zu transportieren war ein Auslaufmodell. „Der Schlepper wurde kaum benötigt“, sagt Alfred Mantwitz. Das hatte er beim Kauf anders eingeschätzt. „Wir dachten, dass wir ihn häufiger einsetzen könnten.“ Aber so manches Mal haben die Erlöse der Fahrten nicht einmal die Kosten gedeckt. Bei den Matjeswochen wird das schwimmende Schmuckstück ein letztes Mal im jetzigen Heimathafen zu besichtigten sein. Ehefrauen und Töchter halfen und helfen auch diesmal beim Verkauf von Speisen. So kam bisher zumindest ein Teil der Kosten herein. „Es hat immer Spaß gemacht“, sagt Peter Jürgs.

Das Schiff wird immer noch von der ersten im Jahr 1954 eingebauten Maschine – einem Deutz-Diesel-Motor – angetrieben und gleichzeitig mit modernen nautischen Geräten wie GPS, Funk und Radar navigiert. „Wir haben moderne Geräte“, sagt Alfred Mantwitz. Die Instrumente sind auf aktuellem Standard. „Alles ist durchrepariert.“

Wer auf einer Fahrt auf der Flensburg dabei sein möchte, hat dazu Gelegenheit am Sonnabend, 24. Mai. Die Mannschaft lädt zum Abschied zu vier Störfahrten ein. Abfahrt ist am Glückstädter Außenhafen um 10.30 Uhr, 12 Uhr, 13.30 Uhr und 15 Uhr. Der Fahrpreis beträgt zehn Euro, die Fahrt für Kinder bis sechs Jahren frei ist. Alfred Mantwitz: „Die Einnahmen werden für die neue Orgel in der Stadtkirche Glückstadt gespendet.“

Am 20. Juni um 9 Uhr läuft die Flensburg dann endgültig aus dem Glückstädter Hafen aus und macht sich auf den Weg nach Flensburg. „Wir fahren mit und zeigen dem Kapitän die Tricks auf dem Schiff“, sagt Alfred Mantwitz. Was ihn und die Männer freut: Der Salondampfer Alexandra begleitet die Flensburg von Glückstadt bis Rendsburg.

Und auf der Alexandra können 100 Passagiere mitfahren und den Abschied von Glückstadt aus begleiten. Erwachsene zahlen für die sechsstündige Fahrt inklusive Bustransfer 60 Euro, Kinder unter zwölf Jahren 30 Euro. Mit dabei ist auch Nikolas (18), der Enkel von Reimer Ohlfest, der eigens dafür aus Neuseeland kommt. Und Gerd Krause weiß schon jetzt, was bei allen beim Abschied aufkommen wird: „Wehmut.“

>Infos zu den Fahrten und Karten im Tourismusbüro.

 

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