Flüchtlingspolitik : Abschied vom Containerdorf

Sebastian Schwabe von der Firma Schwabe Zelte: „Bis Mitte Januar soll hier alles verschwunden sein.“
Sebastian Schwabe von der Firma Schwabe Zelte: „Bis Mitte Januar soll hier alles verschwunden sein.“

Für Flüchtlinge wurden sie nie gebraucht – jetzt werden die Wohncontainer an der Störfischerstraße in Itzehoe verkauft.

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14. Dezember 2017, 05:48 Uhr

Sein Blick schweift in die Runde. „Es wird langsam lichter“, sagt Sebastian Schwabe. Wo vorher die Wohncontainer vor dem Gelände des China Logistic Center (CLC) an der Störfischerstraße dicht an dicht standen, klaffen teilweise bereits große Lücken. Der Inhaber der Firma Schwabe Zelte aus Heide hat sie übernommen, jetzt läuft der Abverkauf.

Und er läuft zügig. „Die Nachfrage ist wirklich gut“, sagt Schwabe. Das habe er aber auch so erwartet. Wer sie kaufe? „Wir haben alles.“ Firmen seien ebenso dabei wie Landwirte, die beispielsweise eine Unterkunft für Saisonarbeiter brauchen, oder Privatleute. „Jetzt gehen gerade welche nach Polen“, sagt Schwabe und schaut auf einen wartenden Lkw. Er steht in dem Bereich der gebrauchten Container, wo die Lücken schon besonders groß sind. Ab 1200 Euro sind die Behausungen mit einer Größe von 6 mal 2,5 Metern zu haben. Bei den neuen Containern, die in einiger Entfernung aufgebaut wurden, fängt die Preisliste bei 3000 Euro an – aber diese seien auch wesentlich besser gedämmt.

Im Frühjahr 2016 war das Containerdorf auf dem Parkplatz des früheren Druckerei-Geländes aufgebaut worden. So sollte vorgesorgt werden für die nächste Flüchtlingswelle, nachdem im Herbst zuvor eine Unterkunft in den früheren Werkshallen eingerichtet und bis Jahresende von bis zu 1000 Menschen genutzt worden war. Doch der erwartete neue Ansturm kam nicht, das Containerdorf mit 2000 Plätzen wurde nie belegt. 544 Container wurden damals nach Auskunft des Finanzministeriums aufgebaut und mit der nötigen Infrastruktur versehen. Die Mietverträge für Container und Grundstück seien schließlich vorzeitig zum 31. März dieses Jahres aufgelöst worden. Die Kosten für die Anmietung von Containern und Fläche, die Herrichtung und Bewirtschaftung sowie die Ablösung der Verträge beziffert das Finanzministerium mit gut 20 Millionen Euro.

Schwabe ist nicht nur im Veranstaltungsbereich tätig, seit vielen Jahren handelt er auch mit Waren, die er aus Insolvenzmassen übernommen hat. Auf diesem Weg hörte er von den Containern und kaufte die rund 400 Stück, die auf dem Gelände verblieben waren. Die Versorgung mit Strom und die sanitären Einrichtungen waren da schon zurückgebaut, obwohl sich Gustav Jürgen Tietje vom China Logistic Center eine Nutzung hätte vorstellen können: „Wir wollten daraus Wohncontainer für Brunsbüttel machen“, sagt er mit Blick auf den Rückbau des Kernkraftwerks. Das aber habe die Stadt nicht genehmigt. Bürgermeister Andreas Koeppen erklärt: „Das war nicht, weil wir es nicht wollten, sondern weil es nicht geht. Wohnen im Gewerbegebiet ist nicht zulässig – dazu gibt es höchstrichterliche Rechtsprechung.“

Also müssen die Container weg. Eine Nummer für Interessenten hängt aus, morgen plant Schwabe einen weiteren Verkaufstag von 10 bis 17 Uhr. Nach drei Wochen habe schon rund die Hälfte der Unterkünfte einen Abnehmer gefunden, doch eilig hat er es nicht: „Es ist egal, ob ich jetzt verkaufe oder in einem Jahr.“ Beginnend mit dieser Woche sollen die Container in den Albersdorfer Ditmarsenpark und zum Hungrigen Wolf verlegt werden. „Bis Mitte Januar soll hier alles verschwunden sein“, sagt Schwabe. Die Flächen will Tietje dann für CLC nutzen – erst einmal sei er aber froh, dass die Hallen nach und nach belegt würden.

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