zur Navigation springen

Ehemalige Jugendherberge Itzehoe : Abriss steht kurz bevor

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die ersten erste Baumfällarbeiten haben begonnen, Mitte des Monats soll der Abbruch der ehemaligen Jugendherberge am Juliengardeweg folgen.

von
erstellt am 05.Okt.2017 | 04:45 Uhr

„Nach der Jugendherberge wird regelmäßig gefragt.“ Diesen Satz sagte vor gut acht Jahren der damalige Stadtmanager Wolfgang Helms. Seine Nachfolgerin Lydia Keune-Sekula sagt heute: „Wir haben in der Touristinfo sehr viele und regelmäßige Nachfragen nach einer Jugendherberge. Die Besucher sind enttäuscht, wenn sie hören, dass die nächste Herberge in Glückstadt ist, und reagieren mit Unverständnis, weil sie in einer Kreisstadt etwas anderes erwarten.“ Ändern wird sich daran absehbar nichts.

Ende Oktober 2008 wurde die Jugendherberge Haus Göteborg am Juliengardeweg geschlossen. Nun wird sie abgerissen, um Platz für den Neubau der Steinburg-Schule zu schaffen (wir berichteten). Vor mehr als 60 Jahren war die Herberge eröffnet worden, doch als der Betrieb in den ersten Jahren dieses Jahrtausends defizitär lief, wurde die Abgabe an einen anderen Betreiber zum Thema. Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Nordmark, das 2008 die neue Einrichtung in Glückstadt eröffnete, winkte ab. Deshalb beschloss die Mehrheit in der Ratsversammlung im Dezember 2007, Haus Göteborg zusammen mit dem Haus der Jugend an den Kreis zu verkaufen. Die Herberge kostete in dem Paket 378  881 Euro. Verschiedene Nutzungen wurden in den Räumen untergebracht, insbesondere vom benachbarten Regionalen Berufsbildungszentrum.

Doch das Angebot, von dem vorher 8000 bis 9000 Gäste jährlich Gebrauch machten, gibt es seither nicht mehr. Gerade im Sommer steige die Nachfrage nach „modernen“ Plätzen in Jugendherbergen, erst recht bei Ereignissen wie dem Störlauf, berichtet Lydia Keune. Wenigstens im Schwimmzentrum gibt es seit 2011 ein Angebot: „Das Hüttendorf erfährt immer mehr Beliebtheit, auch von Schulklassen“, sagt Schwimmbad-Leiterin Elina Hesse. Und es kämen viele Vereine und Sportler, auch aus Hamburg und Niedersachsen, für Trainingslager nach Itzehoe. Vor allem die Wochenenden seien stark frequentiert. Für 40 Gäste reicht der Platz – allerdings ist das Hüttendorf wegen der Bauarbeiten im Schwimmzentrum noch bis Juni 2018 gesperrt. „Da sieht man, wie wenig Ausweichmöglichkeiten es überhaupt für Sportler gibt“, sagt Elina Hesse. „Wir haben hier in Itzehoe leider keine Alternative parat gehabt.“

Vor zehn Jahren wurde darüber zumindest nachgedacht. Ein rein touristischer Betrieb galt, gerade mit Blick auf die Glückstädter Jugendherberge, als unrealistisch. Mit einer Studie wurde untersucht, ob die Einrichtung einer Jugendbildungsstätte in Itzehoe sinnvoll wäre. Viele Argumente sprachen durchaus dafür, doch rentabel wäre sie laut Studie nicht gewesen. Das Ende der Pläne. Im Zusammenhang mit der Planung des neuen Hauses der Jugend wurde auch über ein Gästehaus mit 30 Betten nachgedacht. Wegen der Kosten wurde auch daraus nichts.

Hat Itzehoe eine Chance auf eine neue Jugendherberge? Gibt es den Bedarf? „Seit 2008 ist dieses Thema von keiner Seite an uns herangetragen worden, sodass die Etablierung einer Jugendherberge in Itzehoe nicht auf unserer Agenda steht“, sagt Andrea Meiswinkel, zuständige Bereichsleiterin im DJH-Landesverband Nordmark. Die Kernfragen seien für jeden möglichen oder bestehenden Standort individuell zu betrachten – „unter Würdigung diverser Gesichtspunkte gibt es derzeit keinerlei Überlegungen zu Itzehoe“.

Doch es sei ein echter Standortnachteil für die Stadt, dass es keine Jugendherberge gebe, betont Lydia Keune. „Ich würde mich freuen, wenn wir den endgültigen Abriss zum Anlass nähmen, über eine künftige Lösung nachzudenken. Wir werden daran sehr gerne mitarbeiten.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen