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Landwirtschaft : Abhängig von Wetter und Weltmarkt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gemüsebauer Bernd Dittmer aus Glückstadt hat einen harten Job: „Die Arbeit macht viel Spaß, aber der Beruf ist sehr unsicher“.

Noch geht es vergleichsweise ruhig zu auf dem Hof von Bernd Dittmer. Der Glückstädter Gemüsebauer ist gerade dabei, Sellerie an Kunden auszuliefern. „Das ist die letzte Ware, die wir haben“, sagt der 59-Jährige. Doch schon bald wird es vorbei sein mit der Ruhe. Im März startet die neue Saison. Wie in der Brache üblich, ist nicht absehbar, ob es finanziell ein gutes oder ein eher karges Jahr wird. Das Wetter spielt eine große Rolle, mit Schädlingsbefall muss stets gerechnet werden, und auch der schwer kalkulierbare Weltmarktpreis kann einem Gemüsebauer die Ernte verhageln.

Dittmer bleibt trotz allem gelassen. Er kennt das Geschäft nach vier Jahrzehnten aus dem Effeff. Wobei er zugibt, dass er einem erwachsenen Sohn wohl nicht dazu raten würde, sein berufliche Erbe anzutreten. Aber da Dittmers Kind noch einige Jahre bis zur Volljährigkeit vor sich hat, muss er zumindest diese Frage derzeit nicht klären. Wichtiger ist es, zu wissen oder zumindest zu erahnen, wonach der Verbraucher mittelfristig verlangt. Kürbis sei gefragt, verrät Dittmer. Genauso Spitzkohl. Doch wie lange noch, das könne niemand sagen.

Bernd Dittmers Hauptstandbein ist der Blumenkohl. Der wächst auf rund acht seiner insgesamt 15 Hektar Anbaufläche. Wie die meisten der heimischen Kollegen setz er auf diese Kohlart. „13 hauptberufliche Gemüsebauern gibt es hier noch“, sagt der Glückstädter. Die gesamte Anbaufläche liege bei 200 Hektar. Mit den 15 Hektar sei sein Hof ein Durchschnittsbetrieb. Die größten Gemüsebauern würden bei 30 Hektar liegen. Noch zu Beginn des Jahrtausends sei die Gesamtfläche doppelt so groß gewesen. Doch einige Höfe seien zwischenzeitlich aufgegeben worden, und die Zeiten, da ein Gemüsebauer die Fläche vom anderen mit Kusshand übernehmen würde, seien vorbei.

Die meisten seiner Felder liegen direkt am Hof. Momentan wächst nichts. Noch ist es zu kalt. Auch in Dittmers vergleichsweise kleinem Gewächshaus herrscht gähnende Leere. In der letzten Märzwoche wird es damit vorbei sein. Dann werden junge Tomaten gepflanzt. Die brauchen mindestens 15 Grad Tagestemperatur. „Also muss zusätzlich geheizt werden“, erklärt der Landwirt. Die Gurken kommen etwas später, „weil sie noch mehr Temperatur benötigen“.

Die Jungpflanzen kauft Dittmer an. Früher, da hätten die heimischen Gemüsebauern die Jungpflanzen-Anzucht selbst übernommen. „Heute können das die Holländer besser.“ Soll heißen: billiger. Sind die Pflanzen erst einmal in der Erde, muss bei allem Sachverstand auf Wetter und Weltmarktpreis gehofft werden. 2016 gab es ein feuchtes Frühjahr. Nicht gut für den Blumenkohl. Doch da im Hauptanbaugebiet für das Gemüse in der Pfalz ganze Regionen förmlich absoffen, stieg der Preis. „In den vergangenen Jahren lag der Preis pro Blumenkohl bei 40 Cent“, verrät Dittmer: „50 müssten wir eigentlich haben.“ Weil die Ernte in der Pfalz so mau ausfiel, kletterte der Preis phasenweise auf gut 60 Cent. Doch da auch in Glückstadt das Wetter nicht recht mitspielte, und die Ernte unter dem Durchschnitt lag, glichen sich guter Preis und zu wenige Kohlköpfe fast wieder aus.

Weil das Geschäft so risikoreich ist, und jeder Cent im Portemonnaie zählt, denkt auch Dittmer über den Anbau neue Gemüsearten nach. Beim Speisekürbis mache er „auch schon ein bisschen mit“, schließlich könnte der Trend ja anhalten. Und damit er nicht allein steht, gehört Dittmer zu den 9 der 13 Glückstädter Gemüsebauern, die sich in der Erzeugergemeinschaft Godeland zusammengeschlossen haben.

Bleibt bei allem Aufwand die Frage nach dem Spaß. „Die Arbeit an sich macht viel Spaß“, sagt Dittmer. „Aber der Beruf ist sehr unsicher.“

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