Abgebucht – und niemand merkt es

Egon Pfenning wundert sich über zahlreiche Bewegungen auf seinem Konto

shz.de von
01. Januar 2015, 15:56 Uhr

Seit Jahren stellt Egon Pfenning immer wieder Abbuchungen von seinem Konto fest. Keine richtig hohen Beträge. Mal sind es 20, mal 40 Euro. Die Gläubiger stammen fast ausschließlich aus der Region: ein Trachtenverein, ein Sportverein – alles glaubwürdige Institutionen. Doch der 85-jährige Hohenlockstedter ist in keinem der Vereine Mitglied, kennt keine mögliche Verbindung, geschweige denn einen Grund, warum sie Geld von seinem Konto abheben dürften. „Das darf doch gar nicht sein. Die Bank muss doch prüfen, ob die das überhaupt dürfen“, sagt der verärgerte Senior.

Das sieht seine Bank, die Volksbank-Raiffeisenbank Itzehoe und ebenso auch andere Geldinstitute, nicht so. Jeder, der über Namen, Kontonummer und Bankleitzahl verfügt, kann munter von dem betreffenden Konto abheben. Eine weitergehende Überprüfung erfolgt bei den Geldinstituten nicht, wie auch Tina Bürger, Pressesprecherin der Volksbank-Raifeisenbank Itzehoe, bestätigt. „Das ist überhaupt nicht zu leisten. Wir können nicht jeden einzelnen Fall nachprüfen.“ Dazu sei jeder Kunde selbst verpflichtet, denn die Geldinstitute wüssten schließlich nicht, wer wirklich eine Einzugsermächtigung, also eine begründete Forderung, gegen einen ihrer Kunden hat.

Sechs Wochen Zeit hat ein Kontoinhaber, um der Belastung durch eine Einzugsermächtigung zu widersprechen. Der Betrag wird dann zurückgebucht. Der mögliche Gläubiger muss seine Geld dann auf anderem Weg einfordern. „Darum wurde mir empfohlen, täglich meine Kontoauszüge zu prüfen. Aber wer macht das schon?“, fragt Pfenning. Zumal der Hohenlockstedter rund zwölf Jahre lang seine schwerkranke Frau gepflegt hat und danach lange selbst mit verschiedenen Leiden zu kämpfen hatte. „Da war ich gar nicht in der Lage, die Bankgeschäfte so intensiv zu verfolgen.“

Alle Fehlbuchungen, die Egon Pfenning bemerkt hat, hat er sofort zurückgebucht. Wie viele er übersehen hat? Er weiß es nicht. Seiner Ansicht nach müssten die Gläubiger bei der Bank einen Beleg für die Einzugsermächtigung vorlegen. Doch die Sorgfaltspflicht liegt beim Kunden. „Gerade deshalb empfehlen wir immer wieder ganz besonders sensibel mit Daten wie Namen und Kontonummer umzugehen“, erklärt Tina Bürger. Im Servicebereich habe man aus diesem Grund beispielsweise die Papierkörbe entfernt, damit dort nicht Kontoauszüge mit eben diesen Daten entsorgt werden. „Aber wir gehen auch in die Schulen, um bereits dort über den Umgang mit den sensiblen Daten aufzuklären“, berichtet die Sprecherin der Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe. Im Einzelfall stünden die Mitarbeiter auch für Beratungen zur Verfügung.

Egon Pfenning ist trotzdem verärgert. Er hatte überlegt, nach 55 Jahren die Bank zu wechseln. „Aber das Problem ist ja bei allen gleich.“ Manchmal wünscht er sich die alte Zeit herbei, in der Konten noch selten waren und Geldgeschäfte in bar geregelt wurden. Doch die gehören der Vergangenheit an. Und so bleibt dem 85-Jährigen nichts übrig, als weiterhin regelmäßig seine Kontoauszüge zu kontrollieren – und ungerechtfertigte Forderungen zurückzubuchen.

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