Landscheide : Abfall liefert Strom und Wasser

Hat immer alles im Blick: Deponieleiter Reiner Heselmeyer im Klärwerk vor der Kulisse des mit Solaranlagen zugepflasterten Abfallbergs.
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Hat immer alles im Blick: Deponieleiter Reiner Heselmeyer im Klärwerk vor der Kulisse des mit Solaranlagen zugepflasterten Abfallbergs.

Vier Mitarbeiter kümmern sich darum, dass neun Jahre nach der Schließung auf der Steinburger Mülldeponie immer noch alles nach Plan läuft.

shz.de von
17. Januar 2018, 05:00 Uhr

Seit fast neun Jahren ist die Steinburger Mülldeponie geschlossen. Dennoch herrscht hier nach wie vor rege Betriebsamkeit. Für vier Mitarbeiter ist es noch immer ein sicherer Arbeitsplatz. Sie sorgen dafür, dass der eingelagerte Müll nicht nur ordnungsgemäß untergebracht bleibt, sondern auch noch reichlich Geld abwirft. Und inzwischen ist hier auch der letzte Abschnitt so abgedichtet, dass kein Regenwasser mehr in den Abfallberg eindringen kann.

„Wir sind hier die letzten Mohikaner“, schmunzelt Reiner Heselmeyer. Der Diplom-Ingenieur für Umwelttechnik schwärmt von seinem kleinen Team: einer ist für die Verwertung des Deponiegases, ein anderer für das hauseigene Klärwerk und ein dritter für die Unterhaltung des immerhin 32 Hektar großen Geländes zuständig. „Die identifizieren sich alle mit ihrem Baby“, freut sich der 53-Jährige über den hier herrschenden Teamgeist. Nebenbei nimmt er die Post entgegen, dann ein kleines Päckchen mit einem heißersehnten Ersatzteil. Trotz ihrer Abgeschiedenheit ist die Deponie noch immer eine feste Adresse. „Manchmal kommt sogar noch einer mit seinem Anhänger und will hier seinen Abfall loswerden“, wundert sich Heselmeyer.

Für die Gebührenzahler ist die Deponie trotz jährlicher Unterhaltungs- und Betriebskosten von im Schnitt einer Million Euro übrigens dank immer noch üppiger Rücklagen längst kein Thema mehr. Rechtzeitig hatte der Kreis rund 62 Millionen Euro auf die hohe Kante gelegt. 32 Millionen davon sind inzwischen allein in die Endabdichtung geflossen. „Das restliche Geld reicht bis 2035“, rechnet Heselmeyer aus dem Stand vor. Und falls sogar noch etwas übrig bleiben sollte, fließt das Geld zurück in den Gebührenhaushalt.

Da wundert es wenig, wenn sonst in der Politik oft lange diskutierte Ausgaben beim Thema Mülldeponie meist schnell durchgewunken werden können. Gerade hat der Kreistag 600.000 Euro freigegeben. Mit dem Geld soll die chemische Nassoxydation innerhalb der Kläranlage ertüchtigt werden. Man hofft so zudem auf deutlich niedriger Betriebskosten. Dank ausgeklügelter biologischer Reinigung produziert die Anlage ohnehin nichts anderes als Wasser – das dann direkt in die Elbe abgeleitet werden kann. Zum Vergleich: Das Deponie-Klärwerk entspricht von der Leistung her einer Anlage wie sie die Stadt Itzehoe betreibt.

Stolz ist das Deponieteam auch auf das Kraftwerk, mit dessen Hilfe die eingesammelten Deponiegase in Strom verwandelt werden. Im Schnitt produziert die Anlage rund eine Million Kilowattstunden und bringt im Jahr eine Kostenersparnis von rund 300.000 Euro. Mit anderen Worten: Von dem gewaltigen Steinburger Abfallberg bleiben am Ende nur Wasser und Strom. Hinzu kommen noch die sieben Megawatt Leistung, die die Solaranlagen auf dem verpachten Deponieberg erzeugen. „Im Grunde sind wir ein kleines mittelständisches Unternehmen“, sagt Reiner Heselmeyer angesichts solcher Zahlen und Umsätze. „Wir haben aber auch immer gut gewirtschaftet“, freut er sich, dass die einst aufgemachte Rechnung nach wie vor aufgeht. Um den Betrieb am Laufen zu halten, kommt bei der Deponie-Belegschaft aber auch nie Langeweile auf – allein schon wegen der noch immer zunehmenden Bürokratie und der zahllosen Dokumentationspflichten. Für einen kurzen Smalltalk mit dem Postboten reicht es aber immer. Dann schaut Heselmeyer bei einem weiteren seiner regelmäßigen Rundgänge wieder im Klärwerk nach dem Rechten. Hier nimmt Mitarbeiter Martin Veit gerade eine der regelmäßigen Wasserproben. Auch hier ist – wie offenbar auf der gesamten Deponie – alles im grünen Bereich.

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