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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 11:17 Uhr

Wilster : Aber wo ist das Stadtzentrum?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wer als Fremder per Bahn in Wilster ankommt, kann lange suchen: Eine Beschilderung, die Besuchern den Weg in die Innenstadt weist, fehlt.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Als Vorsitzende des Vereins Leselust kennt Birgit Böhnisch das Problem nur zu gut: Per Zug anreisende Autoren fahren auch schon mal bis Burg oder sogar Heide durch, weil sie so kurz hinter Itzehoe nicht mit einem Bahnhof gerechnet hatten. Andere schaffen zwar rechtzeitig den Absprung, irren dann aber hinter dem Einkaufszentrum herum, weil sie den Weg in die Innenstadt nicht finden. Nur ein einziges Schild weist an dem Haltepunkt der Bahnstrecke Hamburg-Westerland auf Wilster hin. Wegweiser in Richtung Stadtzentrum gibt es gar keine. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern fordert Böhnisch als Mitglied des städtischen Seniorenbeirats nun eine schnelle Lösung.

Tatsächlich steht man als Ortsunkundiger am Wilsteraner Bahnhof auf verlorenem Posten. Die stadteinwärts führende Bahnhofsstraße sieht eher wie eine ruhige Wohngegend aus. Lediglich in der Stichstraße Hinterm Bahnhof gibt es einen im Vorbeigehen aber kaum wahrnehmbaren Hinweis, dass der ZOB 15 Minuten Fußweg entfernt sei – eine Zeitangabe, die allenfalls für große Bummelanten zutreffen dürfte.

„Wer aus Hamburg kommt und hier aussteigt, weiß gar nicht in welche Richtung er laufen soll“, bekräftigt Seniorenbeirats-Vorsitzender Jochen Meiforth. Sein Stellvertreter Diethard Kuhnke sieht vor allem für ältere Menschen ein Problem: „Und die über 60-Jährigen stellen 35 Prozent der Bevölkerung.“ „Das sind auch viele Stimmen“, wirft Meiforth mit Hinweis auf die Kommunalwahlen im nächsten Jahr ein.

Neben dem Weg ins Zentrum beschäftigen den Seniorenbeirat aber auch noch weitere Themen. Zum Beispiel der Dauerbrenner Toilette im Einkaufszentrum. Meiforth und Co. äußern zwar Verständnis für Investor und Betreiber, wenn die Toiletten dort wegen erheblicher Verschmutzungen nicht mehr frei zugänglich sind. Die versprochene Zugangsmöglichkeit über die davor angesiedelte Bäckereifiliale funktioniere aber nach wie vor nicht reibungslos. Der Seniorenbeirat erneuert daher noch einmal seine Forderung, zügig eine Lösung herbeizuführen.

Weiteres Sorgenkind ist die offenbar weit verbreitete Unsitte von parkenden Autos auf Gehwegen. „Eine Frechheit“, schimpft Meiforth. Ältere Menschen mit Rollatoren müssten deshalb immer wieder auf die Fahrbahn ausweichen. Am Kohlmarkt sei es besonders schlimm. „Das zweite Problem sind Mülltonnen“, weiß auch Birgit Böhnisch um den Hindernisparcours, den Senioren regelmäßig bewältigen müssen.

Ein weiteres „Riesenproblem“, dem sich der Seniorenbeirat jetzt verstärkt widmen will, sei das Fehlen eines barrierefreien Zugangs zum Neuen Rathaus. „Hier müsste man im Zweifel einmal über einen Fahrstuhl nachdenken“, weiß Birgit Böhnisch von vielen älteren Menschen, die an den steilen Treppen scheitern – zum Beispiel auch als Besucher bei Lesungen im Spiegelsaal.

Ansonsten ziehen die Akteure eine positive Bilanz ihrer Arbeit. Das Programm „Aktiv im Alter“ zum Beispiel laufe hervorragend. Dank spendenfreudiger Geschäftsleute sei auch die Beratungsstelle in der Burger Straße gut ausgestattet. Freuen würde man sich allerdings noch über weitere Mitstreiter. „Wir brauchen Leute“, bringt Birgit Böhnisch es auf den Punkt. Einzige Bedingungen: Man muss älter als 60 sein und in Wilster wohnen.

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