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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 19:59 Uhr

Elbfähre : Abends kommen die großen Laster

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Reederei Elb-Link sieht die Elbfährlinie auf dem richtigen Kurs. Brunsbüttel zunehmend für Cuxhavener interessant.

von
erstellt am 29.Dez.2016 | 11:06 Uhr

Langsam zieht der grüne LKW seine schwere Fracht auf das Deck der Cuxhavenfähre. 60 Tonnen schwer und 30 Meter lang ist der Transporter, dessen Fracht für ein Werk im Brunsbütteler Industriegebiet bestimmt ist. Bernd Bässmann, Betriebsleiter der Cuxhavener Reederei Elb-Link, ist zufrieden. Denn die beiden Doppelend-Fähren „Grete“ und „Anne-Marie“ , die seit 20. August vorigen Jahres Brunsbüttel mit Cuxhaven verbinden, geraten zunehmend ins Blickfeld von Speditionen mit schwerer, oft übergroßer Ladung. Die müssten sonst auf ihrer Route zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen weite Umwege in Kauf nehmen, selbst der Hamburger Elbtunnel muss zuweilen umfahren werden. Das lukrative Geschäft mit solchen Transportern hat in diesem Jahr deutlich angezogen. Speditionen aus Dänemark und den Niederlanden nutzen die Verbindung zunehmend. Die Brunsbütteler Spedition F. A. Kruse startete im Frühjahr so genannte unbegleitete Transporte, bei denen nur die Aufleger auf die Fähren geschleppt werden. Die Zugmaschinen setzen nicht mit über. Mittlerweile werden pro Tag im Schnitt 75 Lkw zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven übergesetzt. Die Fährlinie, so Bässmann, nimmt Kurs auf schwarze Zahlen.

Das war vor einem Jahr anders. Im Spätsommer 2015 gestartet, kam Elb-Link als Angebot sogar fürs Urlaubsgeschäft zu spät, der Winter war finanziell hart: Wenige Pkw und gerade mal bis zu 15 Laster am Tag wurden über die Elbe gebracht. Tiefrote Zahlen waren die Folge. Dann schwebte sogar der – nicht haltbare – Vorwurf der Insolvenzverschleppung über dem Betrieb.

Seit Jahresbeginn wurden mehr als 16 000 LKW, 88 000 PKW und 420 000 Fahrgäste über die Elbe gebracht. Mit solchen Zahlen im Rücken, sagt Bässmann, werde dieses Winterhalbjahr kalkulierbarer. Er weiß aber auch: „Es wird lange dauern, bis man in dieser Jahreszeit Kosten deckend fahren wird.“ Ein Kriterium sei die Zuverlässigkeit. „Die Speditionen wissen, dass es funktioniert, wenn sie eine Fahrt gebucht haben.“ Wetterbedingte Ausfälle habe es bislang nicht gegeben.

Das Ziel fürs kommende Jahr umreißt Bernd Bässmann so: kontinuierlich am Wachstum arbeiten, Werbung intensivieren und endlich ein passendes Buchungssystem installieren. Letzteres sei nicht für hier ausgelegt und nur von der Muttergesellschaft in Estland übernommen. In Zukunft sollen Fährpassagen auch in Tourist-Büros gebucht werden können.

Die Saaremaa Shipping Co. in Tallin will ihre beiden Fähren umflaggen und unter Madeira fahren lassen (wir berichteten). Damit erntet die Reederei in Cuxhaven massive Kritik. Die Schiffe würden unter einer Billigflagge eingesetzt, mit allen negativen Auswirkungen für das Personal. Vor Weihnachten gab es dazu sogar eine Protestaktion auf einer Fähre. Bässmann mag den Vorwurf nicht gelten lassen. Das Umflaggen von Estland auf Portugal sei von Elb-Link nicht zu beeinflussen. Die Reederei habe die Schiffe letztlich nur gechartert. Und die 55 Mitarbeiter, von denen 30 an Bord tätig sind, würden zu deutschen Konditionen bezahlt. Elb-Link versteuere in Cuxhaven.

Dass die „Grete“ und die „Anne-Marie“ unter ausländischer Flagge fahren, sei dem Umstand geschuldet, dass sie als Seeschiffe klassifiziert sind. Andernfalls würde sich die Zahl von zwölf Gefahrtgutstellplätzen pro Schiff deutlich reduzieren. Das aber sei nicht gut fürs Transportgeschäft, das ausgebaut werden soll.

Frachtraten will Bässman unter anderem durch Kooperationen mit Ostsee-Reedereien steigern. „Da laufen Gespräche. Ich rechne damit, dass wir das zum Sommer hinbekommen.“ DFDS   etwa fahre von Cuxhaven direkt nach Großbritannien. Da biete sich die Fähre ab Brunsbüttel als idealer Zubringer an. Der Umweg über Hamburg entfalle bei diesem Modell ebenso wie die lange Route über Hoek van Holland.

Noch eine Gruppe Passagiere hat die Linie für sich entdeckt: Touristen, darunter viele Tagesgäste. Sie steuern in Bussen beispielsweise die Friedrichsköger Seehundstation an oder nehmen Brunsbüttel als Ziel. Der sprunghafte Anstieg von Nachfragen in der Tourist-Info oder bei Schleusenführungen ist für Stadtmanagerin Anne-Merle Wulf ein Indiz, dass Brunsbüttel neues Hinterland gewonnen hat. Für Aktivitäten in der Schleusenstadt kann nun auch auf der anderen Elbseite geworben werden.

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