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Norddeutsche Rundschau

26. September 2017 | 06:02 Uhr

Glückstadt : Abbilder von seelischen Abgründen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ausstellung „Pozac“ im Palais für aktuelle Kunst zeigt Bilder, die sich den düsteren Themen und dem Irrsinn des Alltags widmen.

Der Titel lässt harten Stoff vermuten. „Prozac“ ist der Markenname eines modernen Antidepressivums, das in den USA seit seiner Einführung als Wundermittel gefeiert und wegen seiner antriebssteigernden Wirkung als Yuppie-Droge gilt.

Kurator Enno Wallis erklärt den Titel der neuen Ausstellung im Palais für Aktuelle Kunst (Pak) mit der stimmungsaufhellenden Wirkung: „Das passt zu Glückstadt“. Zudem sei Prozac als Stoff nebulös, nicht greifbar. So wie die verschiedenen Standpunkte, die in der Ausstellung vertreten sind.

Wallis, der in Hamburg-Eimsbüttel die Galerie Polarraum führt und sich in der neuen Lüneburger „Kulturbäckerei“ engagiert, hat Arbeiten aus der Klasse des renommierten Berliner Professor Thomas Zipp mit etablierten Gastkünstlern kombiniert. Pak-Vorstand Vincent Schubarth verwies humorvoll auf den großen Aufwand im Vorfeld der Schau, die bis zum 26. Juni zu sehen ist: „Auch für den Transport der Arbeiten war viel Prozac nötig.“

Es geht in den Werken um Seele und Rausch, düstere und abgründige Themen, um Irrsinn im Alltag und um die Stellung des Einzelnen zur Gesellschaft. Es geht aber auch um Witz, Satire und Heile-Welt-Kontraste. Mit einer balladenhaften Sprech-Performance zu einem Grau-in-Grau-Gemälde von Josephine Tübke rundete eine Künstlergruppe bei der Ausstellungseröffnung das Szenario ab.

Der Berliner Schriftsteller und Maler Thomas Kapielski ist mit einer spielkartenartigen Collage zum Thema Seele in der Ausstellung vertreten. Der Schweizer Maler Till Rabus zeigt ein großformatiges Stillleben mit Versatzstücken der Moderne, das wie eine altmeisterliche Blume einen neuen organischen Zusammenhang generiert. Sein Bruder Leopold rückt einen Fliegenfänger ins Zentrum seines Interieur-Stilllebens.

Dazwischen viele psychedelische Interpretationen der Studenten und Gastkünstler: Köpfe mit Sezierbesteck, sich auflösende Porträts, Collagen zum „Dachschaden“. Die übermalten dunklen Fotos von Fabian Seyd, welche die heroisch-sozialistische Vergangenheit des Ostens mit Krakelee überziehen, verstören. Traumartige Szenen und Ausschnitte verzaubern, Karrikaturhaftes belebt.

Der Prozac- und Drogenbezug erklärt einiges, wird aber nicht allem gerecht. Den roten Faden muss sich der Betrachter selbst suchen, an vielen Einzelarbeiten bleibt der Besucher der Ausstellung hängen. Anderes übersieht er auf den ersten Blick und sollte es gezielt suchen: Beispielsweise die comicartigen, genähten Stoffbilder von Mary Ramirez aus der Klasse Zipp.

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