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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 13:15 Uhr

Jugend : Ab ins Wasser: Abkühlen ohne Risiko

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Lennart Roeder von der DLRG Itzehoe verrät Tipps, wie man Kinder ans kühle Nass gewöhnt und auch Erwachsene gefahrlos baden gehen

von
erstellt am 04.Aug.2015 | 11:49 Uhr

Wenn die Temperaturen steigen wird es voll im Freibad, am Badesee und Strand, aber immer seltener sieht man beim Nachwuchs auf Badehose oder -anzug Schwimmabzeichen. „Die Anzahl der Kinder, die mit Ende der vierten Klasse nicht schwimmen können hat zugenommen“, sagt Lennart Roeder, technischer Leiter der Ausbildung bei der DLRG Itzehoe.

Ein Grund dafür sei, dass immer mehr Schwimmbäder schließen. Ausbaden müssen das dann die Kleinsten. „Spaßbäder reichen zum Schwimmenlernen nicht aus, da fehlt es an einer ordentlichen Wassertiefe“, so Roeder. Das Schwimmzentrum Itzehoe hat drinnen und draußen 50 Meter-Bahnen, für Schwimmunterricht ideal. Aber für Schulen aus dem Umland einfach nicht in der knapp bemessenen Unterrichtszeit zu erreichen. „Bis die Kinder mit dem Bus in Itzehoe und umgezogen sind, dauert es einfach zu lange.“

Das bestätigt auch Mutter Angela Abraham aus Holstenniendorf. Ihre Tochter Nele (6) nimmt in einem Schwimmkursus der DLRG gerade ihr Seepferdchen in Angriff. „Schwimmunterricht gibt es an ihrer Grundschule nicht. Ich möchte aber einfach ein sicheres Gefühl haben, wenn ich mit meinem Kind ans Wasser gehe.“

Am liebsten hätte sie ihre Tochter noch früher angemeldet, doch Roeder rät davon ab: „Ein Schwimmkursus macht für Kinder ab fünf Jahren Sinn, dann sind sie motorisch und geistig so weit, dass sie die Abläufe verstehen und umsetzen können.“ Aber auch vor dem fünften Lebensjahr sollten Eltern schon aktiv werden, damit ihre Sprösslinge sich später sicher im Wasser bewegen können. Roeder: „Es ist wichtig, Kinder an Wasser zu gewöhnen.“ Das könne beim Babyschwimmen aber auch Zuhause trainiert werden. „Zum Beispiel in der Badewanne mal das Kind das Gesicht ins Wasser tauchen lassen.“ Dem Kind schon die Technik beizubringen, sei oft nicht von Vorteil: „Meistens lernen die Kinder die Schwimmbewegungen dann falsch. Das wieder abzutrainieren ist schwer.“

Das Angebot an Schwimmkursen für Kinder in Itzehoe reicht vom zweiwöchigen Crashkurs bis hin zum Unterricht über mehrere Monate (siehe Infokasten). Für welchen Kursus man das Kind anmelden sollte, hängt davon ab wie vertraut die Jungen und Mädchen sind: „Ein Crashkursus bringt nicht viel, wenn ein Kind Angst vor Wasser hat. Das kann man ihm nicht in so kurzer Zeit abgewöhnen“, so Roeder. Andere Kinder hingegen würden von Crashkursen profitieren, meint Hans-Jürgen Weidlich, Meister für Bäderbetriebe im Schwimmzentrum: „Für die ist der zeitliche Abstand von einer Woche Schwimmtraining zu lang. Sie haben das Gelernte dann schon wieder vergessen.“

Ob nun im Crash- oder Langzeitkursus erworben: Wer das Seepferdchen hat, kann sich zwar über Wasser halten, darf aber nicht unbeaufsichtigt schwimmen, mahnt Roeder. „Erst ab Bronze sind es Schwimmer.“ Und selbst die müssten sich an ein paar Regeln halten, damit sie sicher Spaß haben können im kühlen Nass: Nicht mit vollem Magen schwimmen gehen. „Im Anschluss an eine Mahlzeit konzentriert sich der Körper hauptsächlich auf die Verdauung, was dazu führt, dass viel Blut in die Verdauungsorgane geleitet wird und daher weniger für die Muskeln zur Verfügung steht. Dies kann zu eingeschränkter Leistungsfähigkeit und Erschöpfung führen.“

Nicht überhitzt ins Wasser gehen: „Geht man schnell ins Wasser, verengen sich die Blutgefäße in Armen und Beinen, und das Blut sammelt sich im Körperkern (Torso, Kopf). Das kann kurzfristig das Herz stark belasten und bei geschwächten Menschen sogar überlasten. Dadurch kann es zur Ohnmacht kommen – im Wasser lebensgefährlich.“

Nicht alleine Baden oder Schwimmen gehen: Das könne auch für geübte Schwimmer gefährlich sein, wenn beispielsweise jemand einen Schlaganfall oder Krampf erleidet. „Man sollte daher immer mindestens zu zweit, besser zu dritt ins Wasser gehen um sich gegenseitig helfen zu können.“ Ist das nicht möglich, gebe es genügend Badeseen und Strände, die durch Wasserrettungsorganisationen bewacht werden. Besonders Kinder, Ältere und ungeübte Schwimmer sollten nicht ohne schwimmfähige (und rettungsfähige) Begleitpersonen ins oder ans Wasser gehen.

Und Schwimmunterricht gibt es nicht nur für die Kleinsten. Roeder: „Erwachsenen schwimmen beizubringen ist zwar schwerer, aber eine Altersgrenze, um das zu erlernen, gibt es nach oben nicht.“


>Hier können Kinder schwimmen lernen:

Schwimmzentrum Itzehoe: Zweiwöchiger Crashkurs à zehn Stunden ab Oktober. Kontakt: 04821/774442
DLRG Itzehoe: Die Kurse starten im Herbst und werden fortgeführt bis das Seepferdchen abgenommen wurde. Zehn Kinder pro Gruppe. Freie Plätze erst wieder für 2016 oder Warteliste. Kontaktformular auf der Homepage www.itzehoe.dlrg.de/lernen/schwimmen-und-retten/anfaengerschwimmen.html oder Email an seepferdchen@itzehoe.dlrg.de
Schwimmschule Wendel (MTSV Hohenwestedt): Schwimmunterricht für Anfänger startet im Oktober: drei Mal wöchentlich über fünf Wochen. Acht Kinder pro Gruppe. Kontakt über die Homepage www.schwimmschule-wendel.de
Sportclub Itzehoe: Neue Kurse ab September, es sind nur noch wenige Plätze frei. 15 Kinder und zwei Trainer pro Gruppe. Anmeldung über die Geschäftsstelle 04821/779613-0 oder Email info@sport-club-itzehoe.de




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