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Notunterkunft Itzehoe : 830 000 Euro für leeres Camp

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Weil die Zahl der Flüchtlinge zurückgegangen ist, steht die Notunterkunft in Itzehoe seit Dezember leer. Das verwaiste Containerdorf kostet das Land monatlich eine sechsstellige Summe.

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erstellt am 12.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Viele Rollläden an den Wohncontainern sind heruntergelassen, die Türen verschlossen, gähnende Leere auf den Wegen. Das Einzige, was sich auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Prinovisgelände bewegt, ist eine Plane, die im Wind flattert, und ein Sicherheitsmann, der zwischen den Containerreihen klein wie eine Ameise wirkt. Seit Ende Dezember steht das Camp, das einmal bis zu 2000 Flüchtlingen Platz bieten sollte, leer. Manch ein Bürger der Stadt redet schon von einem „Geisterdorf“, das Innenministerium spricht von „Leerstandsbewirtschaftung“

Insgesamt habe das Land seit November 2015 rund 5,3 Millionen Euro in das Camp investiert, in dem zwischenzeitlich bis zu 1000 Flüchtlinge untergebracht waren, heißt es aus Kiel. Aktuell würden monatlich 830 000 Euro fällig: 300 000 Euro für die Anmietung des Gebäudes der Firma China Logistic Center und 530 000 Euro Nebenkosten für die Unterhaltung des Containerdorfs. Hinzu kommen Personalkosten, die das Landesamt für Flüchtlinge „aus vertraglichen Gründen“, nicht veröffentlichen will. Auch die Johanniter, die das Camp betreuen, wollen dazu keine näheren Angaben machen.

Fest steht, dass die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen Wochen drastisch zurückgefahren wurde: Statt ehemals 17 beschäftigen die Johanniter aktuell nur noch vier Kräfte auf dem Gelände. Die Umstrukturierungen seien „so sozialverträglich wie möglich“ abgewickelt worden, sagt Camp-Leiter Lars Bessel. So seien vier Mitarbeiter in der Dienststelle der Johanniter in Wellenkamp untergekommen, einer sei ab sofort in der Landesunterkunft in Kiel beschäftigt. Sechs Minijobber seien entlassen worden und auch zwei Teilzeitkräften habe man zum Ende diesen Monats kündigen müssen.

Die verbliebenen vier Kräfte würden sich nun um die „Leerstandsverwaltung“ kümmern. Ein Teil der Container müsse noch mit Betten und Matratzen bestückt, das Lager bewirtschaftet und nicht zuletzt müssten die fertig eingerichteten Wohneinheiten regelmäßig belüftet werden.

Neben den Johannitern ist weiterhin auch das Landesamt für Flüchtlinge mit zwei Mitarbeitern vor Ort. Ihnen obliegt, „die sachgemäße und ordentliche Verwaltung des Objekts sowie die Lagerverwaltung“, sagt Sprecherin Magdalena Drywa. Daneben drehen Security-Leute eines externen Sicherheitsdienstes regelmäßig ihre Runden über das Gelände. Polizisten und medizinisches Personal sind inzwischen komplett aus der Unterkunft abgezogen.

Mit dieser „Rumpfmannschaft“ will das Innenministerium für alle Fälle gerüstet sein: „Es ist leichter, bestehende Einrichtungen zu verwalten und vorzuhalten, als über Nacht neue aus dem Boden zu stampfen“, hatte Innenminister Stefan Studt angekündigt, als im April die Entscheidung fiel, die Landesunterkunft in Itzehoe vorerst nicht mit neuen Flüchtlingen zu belegen. Man sei jederzeit auf neue Bewohner eingestellt, sagt Lars Bessel von den Johannitern: „Wenn wieder Flüchtlinge kommen, wären wir sofort wieder einsatzfähig.“





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