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Ehrliche Finder in Itzehoe : 8150 Euro stecken in Kleiderspende

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mitarbeiterinnen im Itzehoer Sozialkaufhaus sortieren gespendete Kleidung – und entdecken einen Umschlag mit 8150 Euro.

von
erstellt am 31.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Itzehoe | „Da sind ein paar schöne Stücke dabei“, sagte die Frau, als sie am Dienstagnachmittag mit ihrem Partner die Sachen bei Tatjana Kleensang im Sozialkaufhaus in der Stiftstraße abgab. Wie Recht sie damit hatte, ahnte die Spenderin selbst nicht. Doch als Tatjana Kleensangs Kollegin Urte Nagel wenig später die Sachen sortierte, traute sie ihren Augen kaum: Zwischen den Kleidungsstücken fand sie einen Umschlag. „Ich habe reingeschaut – und wahrscheinlich geguckt wie sonstwas“, sagt die 41-Jährige. Denn sie entdeckte 8150 Euro in 50- und 100-Euro-Scheinen. „Sie war auf einmal ganz still“, erinnert sich Tatjana Kleensang.

Die beiden Frauen packten das Geld zur Seite, so dass es niemand entdecken konnte, und informierten eine Vorgesetzte. Keine Sekunde hätten sie daran gedacht, die Scheine in die eigene Tasche zu stecken – obwohl die beiden Mitarbeiterinnen, die über eine Maßnahme des Jobcenters im Sozialkaufhaus arbeiten, das Geld gut gebrauchen könnten. „Ich hätte damit gar nicht umgehen können“, sagt Urte Nagel. Außerdem ist das Team im Sozialkaufhaus für die Wilsteranerin fast wie eine Familie – da lässt man nichts mitgehen.

Für Martin Meers, Geschäftsführer der Awo Bildung und Arbeit Gemeinnützige GmbH, sind die Frauen ein „Beispiel dafür, dass wir es hier mit liebenswerten und motivierten Personen zu tun haben“. Nicht jeder Mensch wäre wohl so ehrlich gewesen: „Ich weiß nicht, bei wie vielen Prozent 8150 Euro im Zweifel verschwinden würden.“

Auch für Axel Pietsch, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Steinburg, sind Tatjana Kleensang und Urte Nagel „ein Paradebeispiel für Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit“. Das sei auch ein Signal für Arbeitgeber: „Auch Teilnehmer aus unseren Maßnahmen können sehr wohl wichtige Aufgaben meistern.“

Das werden vielleicht auch die Eigentümer des Geldes mit einem kleinen Finderlohn honorieren – doch dafür müssen sie erst einmal gefunden werden. „Wir behalten das Geld natürlich nicht“, betont Martin Meers. „Wir sind zwar auf Spenden angewiesen, aber wir wollen, dass wir sie wissentlich und aus freien Stücken bekommen.“

Die Spenderin wird daher gebeten, sich zu melden. Martin Meers weiß, dass auch Personen mit betrügerischen Absichten diesem Aufruf folgen könnten. Deshalb müssen die rechtmäßigen Eigentümer des Geldes natürlich Einzelheiten wie etwa markante Kleidungsstücke aus der Spende sowie die Behältnisse, in denen sie abgeliefert wurden, benennen können. Da Tatjana Kleensang kurz mit der Frau gesprochen hat, würde sie diese zudem wiedererkennen.

Das Schönste für Martin Meers wäre, wenn nicht nur die unfreiwillige Spende bald wieder in den richtigen Händen ist – sondern wenn sich die Ehrlichkeit für die beiden Frauen auszahlt: „Wenn jemand zuverlässige Mitarbeiter sucht, kann er sich hier melden.“ Urte Nagel, die sich ehrenamtlich im Altenheim engagiert, hofft auf eine Anschlussbeschäftigung bei der Brücke, Tatjana Nagel hat Verkäuferin im Lebensmittelhandel gelernt und würde „gerne wieder im Verkauf arbeiten“.

> Kontakt: 04821/67350.

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