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Fischbesatz : 800 junge Störe in die Stör entlassen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Munter schwammen die Lütten in ihrem neuen Zuhause: Rund 800 Störe sind Freitag in die Stör entlassen worden. In einigen Jahren sollen die Fische zum Laichen zurückkommen.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2014 | 16:21 Uhr

Es ist ein ambitioniertes Projekt – und es zeigt schon erste, wenn auch kleine Erfolge: der Störbesatz in die Elbezuläufe. 800 Jungtiere gab es gestern auch für die Stör. Bei Rosdorf und Willenscharen wurden die drei Monate alten und zwischen zehn und 15 Zentimeter großen Knochenfische in den Fluss gesetzt. Die gleiche Anzahl wurde auch in Oste, Elbe, Mulde und Havel entlassen. In den vergangenen Jahren sind insgesamt mehr als 15 000 Störe ausgewildert worden.

In diesem Herbst allerdings ohne Markierung, wie der Diplombiologe Dr. Jörn Gessner vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin erklärt. „Die Tiere sind noch zu klein, da wäre die rund eineinhalb Zentimeter große Markierung eine zu große Belastung.“ Zudem seien die gelben Marken ein sichtbares Zeichen, was die Fische im wahren Wortsinn zum gefundenen Fressen für größere Raubfische machen würde.

Doch gerade die gekennzeichneten Tiere würden jetzt immer wieder wichtige Erkenntnisse bringen. Rund 100 Rückmeldungen hat Gessner in den vergangenen Jahren erhalten. Jüngster Fall ist ein Totfang in einem Krabbennetz. Der Stör stammt aus dem Besatz von 2012 und war inzwischen über 80 Zentimeter lang und weit über zwei Kilogramm schwer. „Das ist ein gutes Zeichen. Das bedeutet, dass die Tiere gut wachsen und ihnen die Freiheit anscheinend bekommt.“ Und alle gemeldeten Störe, bis auf einen, seien auch wieder zurückgesetzt worden, soweit sie am Leben waren. Ein Tier schwimmt heute nach Absprache mit Gessner im Meeresaquarium im dänischen Hirtshals und „macht dort Werbung für unser Projekt“.

Bereits seit 2009 setzt das Leibniz-Institut in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Rettung des Störs und den regionalen Partnern die Tiere in den Kreis Steinburger Fluss. Vor Ort koordiniert der Itzehoer Uwe Jens Lützen alle Aktivitäten rund um den urigen Fisch, der mehrere Meter lang werden kann. Vor Ort packen auch die Angelvereine mit an, die für die verschiedenen Gewässerabschnitte der Stör zuständig sind. „Das ist für uns Ehrensache, bei einer so tollen Aktion zu helfen“, sagt Thomas Wunsch, Vorsitzender des VdSA Kellinghusen. Und das, obwohl die Angler in den nächsten Jahrzehnten keinen direkten Nutzen davon haben. Der Stör ist ganzjährig geschützt – und wird es wahrscheinlich auch lange bleiben, vermutet Gessner. Ausdrückliches Lob für eine vorbildliche Zusammenarbeit gab es von Jörn Gessner auch für die Fischereiaufsicht und das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.

Das Projekt besteht inzwischen fast schon seit 20 Jahren. Denn vor rund 25 Jahren galt der Europäische Stör in vielen Gewässern bereits fast als ausgestorben. Damals sei die Wasserqualität in der Stör sehr schlecht gewesen. Inzwischen sei der Fluss deutlich auf dem Wege der Besserung. So bietet das Gewässern den Fischen auch eine gute Kinderstube, wenn die Störe nach spätestens 16 Jahre wieder den Fluss hinaufziehen, um für Nachwuchs zu sorgen. Andere Fische sind bereits wieder zahlreicher in der Stör vertreten, wie beispielsweise immer wieder gute Lachs- und Meerforellenfänge zeigen. „Wer weiß, vielleicht können unsere Kindeskinder ja wieder auf Stör angeln“, hofft Jörn Gessner.

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