zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 18:19 Uhr

80 Jahre Geschwisterliebe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bei der Geburt lagen sie zehn Minuten auseinander – ihren Geburtstag feiern Irma Grimsmann und Klaus Kühl jetzt aber gleichzeitig

von
erstellt am 18.Jan.2016 | 17:17 Uhr

„Er war immer ein Querkopf“, sagt Irma Grimsmann und schmunzelt. Klaus Kühl nimmt ihr die Bemerkung nicht übel. Er lacht. Überhaupt lachen beide sehr viel. Sie haben auch allen Grund dazu. Irma und Klaus sind Zwillinge, die heute 80 Jahre alt werden. Sie lebt heute in Marne, er mit seiner Lebenspartnerin Rosalinde Balke in St. Margarethen. „In unserer Familie wird immer viel gelacht“, bestätigt Tochter Gaby Balke den Eindruck von einem Rückblick auf ein glückliches Leben – auch wenn es durchaus mal schwere Zeiten gegeben hat.

„Ich bin die Ältere“, sagt Irma Grimsmann auf die entsprechende Frage. „So ungefähr zehn Minuten.“ „Ich bin dann noch nachgekommen“, bestätigt der jüngere Bruder. Die beiden Geschwister sind in Diekhusen bei Marne aufgewachsen. Die Eltern hatten dort eine Lohndrescherei. Als Kinder mussten sie schon früh mithelfen, die Mutter war gelähmt. „Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden“, erinnert sich Klaus Kühl an eine bodenständige Verbundenheit, die sich auch wie ein roter Faden durch seinen beruflichen Weg zieht. Lange Jahre war er als Tiefbauer bei der Firma Kruse in Wilster tätig. „Ich wurde zweimal verschüttet“, berichtet er von einschneidenden Erlebnissen auf Baustellen. „Weil ich so klein war, kam ich aber immer wieder heil raus“, fügt er spitzbübisch hinzu.

1981 fing er dann als Friedhofsgärtner bei der Kirchengemeinde in St. Margarethen an. „Ich hab das sehr gern gemacht“, sagt Klaus Kühl, auch wenn die Arbeit mit Hacke und Schaufel nicht gerade leicht gewesen sei. Er muss Friedhofsgärtner mit Leib und Seele gewesen sein. Tochter Gaby erinnert sich an viele Überstunden und dass ihr Vater häufig auch abends noch unterwegs war. Da mussten eben noch schnell irgendwo Blumen gepflanzt oder die Kirche geschrubbt werden.

Neben seiner Arbeit engagierte sich Klaus Kühl auch in der örtlichen Feuerwehr. Spontan fällt ihm dazu ein schlimmer Autounfall ein. Sechs Menschen waren betroffen, drei von ihnen konnten nur noch tot geborgen werden. Seinen ehrenamtlichen Dienst an den Mitmenschen hat Klaus Kühl stets sehr ernst genommen, wie seine Lebenspartnerin betont. „Er musste bei einem Alarm immer der erste sein. Einmal ist er dabei mit seinem Fahrrad auch gegen einen Poller gefahren.“ Die lebenslange Freude an der – oft auch schweren – Arbeit gehört zu den Gemeinsamkeiten der Zwillinge. Schwester Irma war als junges Mädchen erst einmal Zuhause geblieben, um sich um die Mutter zu kümmern. „Ich habe immer viel gearbeitet“, sagt auch sie. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hielt sie eine Lohndrescherei mit Baggerbetrieb am Laufen. Nach dessen frühem Tod musste sie alles, was noch zu verkaufen war, abstoßen. Nebenbei zog sie auch noch vier Kinder auf, von denen eines inzwischen schon verstorben ist.

Der Landwirtschaft blieb auch sie immer verbunden. Lange Zeit hegte und pflegte sie ihren 300 Quadratmeter großen Garten. Heute lebt Irma Grimsmann in Marne, führt noch ihren eigenen Haushalt. Die drei Kinder leben nur wenige Kilometer entfernt und stehen bei Bedarf gerne zur Verfügung. Überhaupt schwärmt die Familie von dem engen Zusammenhalt. Auch das Verhältnis von Klaus Kühl zu seinem in der Nachbarschaft lebenden Stiefsohn sei sehr gut.

Das gilt natürlich auch für die beiden Geburtstagsgeschwister. Wegen fehlender Mobilität sehen sie sich zwar nur wenige Male im Jahr. Telefonisch halten sie sich aber alle gegenseitig auf dem neuesten Stand. Ob es die für manche Zwillinge so typischen Gemeinsamkeiten gibt? Irma Grimsmann überlegt einen Moment und dann fällt ihr ein: „Als Kinder sicher. Wenn ich mal geschrien habe, hat Klaus auch gleich angefangen zu schreien.“ Am Sonnabend wird erst einmal gefeiert. Das Geschwister-Jubiläum wird mit Kindern, Verwandten, Freunden und Bekannten im Dolling Huus gefeiert, nur wenige Schritte von der 2013 in der Dorfstraße bezogenen Wohnung entfernt. Man darf getrost davon ausgehen, dass dann auch dort viel gelacht wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen