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Norddeutsche Rundschau

24. November 2017 | 23:18 Uhr

DKMS-Spendenaktion : 70 Mutperlen für Jendrik

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die DKMS-Spendenaktion zeigt Erfolg: Sechsjähriger aus Breitenberg hat seine Knochenmarktransplantation gut überstanden

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Jendrik lässt eine ganze Ladung Mutperlen auf den Esstisch kullern. „Nach jeder Untersuchung können sich die Kinder eine Perle aussuchen“, sagt er. Mit einer Pinzette schaut sich der Sechsjährige seine Sammlung an. Er pickt eine orange-lila farbene Schnecke aus dem Perlenberg. Sie steht für den entscheidendsten Teil seiner Behandlung: die Knochenmarktransplantation.

Jendrik Rademacher ist vor gut einem Jahr an Blutkrebs erkrankt (wir berichteten). Bei der für ihn ausgelegten DKMS-Spendenaktion im Mai ließen sich 2086 potentielle Spender registrieren. Aus der Aktion ging ein Spender für einen inländischen Patienten hervor, heißt es seitens der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, und auch Jendrik hat eine Knochenmarkspende bekommen. Dafür standen von der Chemotherapie bis zum Blutabnehmen zahlreiche Untersuchungen an – für jede hat Jendrik im Krankenhaus eine besondere Perle bekommen. „Als die ersten Zellen im Blut waren, gab es einen grünen Wurm“, erzählt Ulrike Rademacher. Und ergänzt: Bei der Chemotherapie habe die Schwester auch mal ein Auge zugedrückt. Statt wie üblich für einen Behandlungsblock, wurde Jendrik für jeden Tag belohnt. 70 Perlen sind so zusammen gekommen, zählt sein Vater die Perlen auf dem Tisch und ist selbst überrascht über die große Zahl.

Fünf Wochen war Jendrik auf der Knochenmarkstation im Hamburger UKE untergebracht. „Momentan ist es so, dass Kinder und Erwachsene auf einer Station behandelt werden“, erzählt Jendriks Mutter. Sie hat die Zeit in der Klinik mit Jendrik zusammen verbracht. Man sei dort sehr offen mit den Kindern gewesen. Beim Blutabnehmen zum Beispiel habe Jendrik selbst mithelfen können, erzählt sie. Jendrik dagegen findet: „Auf der Knochenmarkstation war es langweilig, da durfte man nicht aus dem Zimmer.“ Er freut sich, darauf, bald wieder in den Kindergarten zu gehen. „Dann darf ich wieder mit anderen spielen“, sagt er. Schon jetzt kommen ab und an Freunde bei ihm zu Besuch. Kater Socke darf wieder geknuddelt werden, und zwischendurch wird mit den Eltern getobt. „Weihnachten habe ich was Großes bekommen“, zeigt Jendrik in seinem Zimmer. Dort hat er eine Feuerwehr und eine Polizeistation mit Gefängnissen aufgebaut. „Weihnachten war für ihn ein Highlight. Da durfte er ohne Mundschutz in die Kirche zum gemeinsamen Gottesdienst mit seinen Kindergarten-Freunden“, erzählt seine Mutter. Die Infektionsgefahr ist nun kein Problem mehr. „Wenn die Blutwerte in Ordnung sind, kann er im Februar durchgeimpft werden“, sagt Ulrike Rademacher. Dann darf Jendrik wieder in den Kindergarten und es ist auch vorstellbar, dass er im Sommer regulär eingeschult werden kann. „Er ist noch nicht über die Ziellinie gefahren, aber das Ziel liegt vor Augen“, sagt Torben Rademacher. Er vergleicht Jendriks Behandlungsweg mit einem Rennen, das sein Sohn gerade fährt.

Schon jetzt sieht es gut aus mit Jendriks Werten. Die roten Blutkörperchen liegen nun bereits im Normalbereich. Auch die Blutplättchen (Thrombozyten) für die Gerinnung seien fast wieder auf normalem Niveau, freuen sich die Eltern: „Das Knochenmark arbeitet gut, sagen die Ärzte“, so Ulrike Rademacher.

Jendrik hat derweil die Sammelleidenschaft gepackt. „Die fehlt mir noch“, er zeigt auf einem Papierbogen, auf dem alle Mutperlen, die es so gibt, aufgedruckt sind. Die Perle, die er noch haben möchte ist, blau-orange und wie die Blüte einer Blume geformt. In der Spalte mit ihrer Bedeutung steht: „Ende der Behandlung“.

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