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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 14:24 Uhr

Netzausbau : 70 Grad heißes Kabel in der Erde

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Stromtrasse für Südlink sorgt für Diskussionen. Die betroffenen Landwirte fordern eine dauerhafte Entschädigung statt einer einmaliger Abfindung.

Der Netzausbau des so genannten „Südlinks“ ist politisch beschlossen. Die niederländische Firma Tennet soll das Vorhaben umsetzten. Um den im Norden erzeugten Strom bundesweit besser verteilen zu können, soll eine 700 Kilometer lange Trasse von Wilster bis ins bayerische Grafenrheinfeld und nach Großgartach in Baden-Württemberg verlegt werden. Zunächst war eine Freileitung geplant, doch jetzt soll die Leitung als Erdkabel mit Gleichstrom verlegt werden. Über die technische Umsetzung und die rechtlichen Konsequenzen informierte der Bauernverband seine Mitglieder in einer Versammlung der Bezirke Horst, Krempe und Kollmar.

Paula Walther, Technikplanerin von Tennet, stellte den Planungsstand und die bauliche Umsetzung vor: „Auch für uns ist noch vieles unklar, denn wir betreten mit diesem gewaltigen Vorhaben Neuland und können auf wenig Erfahrungswerte zurückgreifen.“ Noch befinde sich Tennet in der Vorplanung mit einer frühzeitigen Informations- und Beteiligungsphase. „Aus Schleswig-Holstein sind bereits 57 Einwendungen eingegangen, davon 39 aus dem Kreis Steinburg.“ Im März beginnt dann die Bundesfachplanung mit dem Ziel, 2018 einen Planfeststellungsbeschluss zu haben. Ab 2021 soll gebaut werden und 2025 soll der Strom fließen.

Um den genauen Trassenverlauf festzulegen, werden umfangreiche Bodenuntersuchungen durchgeführt. Bereits jetzt sind Trassenkorridore mit einer Breite von einem Kilometer festgelegt. Geschlossene Bausiedlungen, Naturschutzgebiete, Wälder und besondere Flächen der Raumordnung der Bundesländer müssen dabei umgangen werden. Letztlich werden fast nur landwirtschaftlich genutzte Flächen für die Verlegung in Frage kommen. Für den Ausbau ist ein 30 Meter breiter Streifen vorgesehen, auf dem vier Kabelgräben im Abstand von acht Metern mit jeweils zwei Leitungen verlegt werden sollen. Die Baugrube soll zwei Meter tief und einen Meter breit ausgehoben werden. Die zwei Kabel werden mit 20 Zentimeter Sand abgedeckt, darüber liegt ein Markierungsband. Das Kupferkabel wird sich auf 70 Grad Celsius erhitzen. „An dem Außenmantel der Leitung werden wir noch 40 Grad Celsius haben, aber 30 Zentimeter oberhalb der Leitung wird man nichts mehr merken“, versuchte Walther die Angst vor Nutzungseinschränkungen für die Flächen zu nehmen.

Dennoch wird der Ausbau mit Großgeräten und dem Erdaushub große Eingriffe in die Bodenstruktur bedeuten. Ob der Boden nach dem Ausbau wie vorher ist und ob man bei Schnee den Trassenverlauf nicht erkennen kann, daran gab es doch Bedenken. Altenteiler Thies Piening berichtete von schlechten Erfahrungen, die er bei dem Ausbau der Strommasten mit der Schleswag gemacht hat.

Hans-Heinrich von Maydell, Justiziar des Landesbauernverbandes, wies auf die rechtlichen Möglichkeiten und die Entschädigungsgrundlagen hin: „Der Planfeststellungsbeschluss kann noch beklagt werden, danach sind keine nachträglichen Argumente mehr möglich. Nach der Rechtskraft dient der Beschluss als Enteignungsgrundlage.“ Die Betroffenheit der Landwirte ergibt sich aus der Bautätigkeit, den Auswirkungen auf den Boden und mögliche Ausgleichsflächen. Dafür wird eine Entschädigung gezahlt. Die Nutzung des Grundstücks wird als Dienstbarkeit ins Grundbuch eingetragen. Als Entschädigungsmaßstab wird die Nutzungseinschränkung nach derzeitiger Rechtslage einmalig gewährt. Vom Verkehrswert werden etwa 30 Prozent zugrunde gelegt. Maydell rechnete vor: „Bei einem Verkehrswert von vier Euro pro Quadratmeter ergibt sich eine Entschädigung von 1,20 Euro. Üblich ist bei schneller Einigung noch ein Beschleunigungszuschlag von 0,30 Euro. Dadurch kann bei einer Breite von 30 Metern eine Entschädigung von 45 Euro pro Meter erzielt werden.“ Die politische Forderung des Bauernverbandes ist aber, statt einer einmaligen Abfindung eine wiederkehrende Entschädigung zu erhalten: „Die Nutzung erfolgt über viele Jahre und müsste sich wie eine Pacht über deren Dauer beziehen.“

Es gibt also noch viele Fragen und Klärungsbedarf. Kreisvorsitzender Peter Lüschow forderte zum Abschluss seine Berufskollegen auf, den weiteren Planungsprozess wachsam zu begleiten und die Einwände und Bedenken im laufenden Verfahren vorzubringen.



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