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Naturschutz in Itzehoe : 70 000 Bäume für mehr Artenvielfalt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine große Pflanzaktionen im Stadtwald hat ein langfristigem Ziel: Weg von Monokulturen, hin zu naturnahem Mischwald.

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erstellt am 08.Apr.2017 | 05:03 Uhr

Wenn Stadtförster Torsten Wismar dieser Tage im Wald unterwegs ist, zaubert der Frühling ihm ein Lächeln aufs Gesicht. Überall zeigt sich das erste zarte Grün. „Das Leben kehrt zurück“, sagt Wismar. „Die Unterstände, die jungen, niedrigen Bäume, sind schon fast alle grün.“ Der Förster blickt auf ein arbeitsreiches Jahr zurück. 70  000 junge Bäume haben er und seine drei Mitarbeiter in den vergangenen Monaten gepflanzt. Dabei verfolgen sie ein modernes Forstkonzept. Naturnaher soll der Stadtwald in Zukunft werden. Die Ökologie steht im Vordergrund.

„Wir können uns freuen, dass unsere Vorfahren uns überhaupt einen Wald hinterlassen haben“, sagt Wismar, der seit 1991 Förster der Stadt Itzehoe ist. Doch der Bestand sei aus heutiger Sicht nicht optimal. In früheren Jahrzehnten wurden Monokulturen aus Nadelbäumen, meist Fichten und Lärchen, gepflanzt. „Das war effizient aus wirtschaftlicher Sicht“, erklärt Wismar. Diese Bäume wachsen schnell und liefern nach 80 bis 100 Jahren vergleichsweise viel Holz. In der Zeit rund um die Weltkriege war dies das Hauptkriterium. Heute habe man aber einen anderen Blick auf den Wald. „Der Naturschutz steht bei uns an erster Stelle. Dann kommt der Aspekt der Naherholung. Die Holzproduktion steht erst an dritter Stelle.“ Der Wald produziere saubere Luft, sauberes Wasser und binde Kohlendioxid, was den Klimawandel bremse. Und er biete vielen, teilweise selten gewordenen Tierarten einen natürlichen Lebensraum. All das könne der Wald um so besser, je vielfältiger er sei.

Für knapp 600 Hektar Fläche im Besitz von Stadt und Kreis ist Wismar zuständig. Sie sollen Stück für Stück im Laufe der Zeit ein neues Gesicht bekommen. „Wir wollen, dass überall alle standortgeeigneten Baumarten in allen Altersstufen vorhanden sind.“ Im Moment heißt das, dass vor allem kleine Laubbäume wie Eichen und Buchen gepflanzt werden. Gerade haben der Förster und seine Mitarbeiter die letzten Lücken geschlossen, die die Orkane Xaver und Christian 2013 in die Nadelbaum-Bestände gerissen hatten.

Gezielt werden auch Nadelbäume gefällt – „geerntet“, wie Wismar sagt – und an ihrer Stelle Laubbäume gepflanzt, um einen Mischwald zu bekommen. „Wir haben einige mittelalte Bestände, die wir ausdünnen, bevor sie schlecht werden.“ Denn die schnell wachsenden Nadelhölzer können nicht wie Laubbäume mehrere hundert Jahre alt werden. Pilze wie die sogenannte Rotfäule befallen die Stämme und lassen sie früher oder später ein Opfer des Windes werden.

„Was wir an Holz ernten, geht in aller Regel an professionelle Holzkäufer“, sagt Wismar. Die Einnahmen werden direkt in die Neupflanzungen investiert. Gut einen Euro kostet eine kleine, dreijährige Eiche im Großhandel. Viele der jetzt gesetzten Bäumchen werden keine luftigen Höhen erreichen, aber das ist die natürliche Entwicklung. „Wir pflanzen je nach Standort mehrere tausend Bäume pro Hektar. Wenn alles so läuft, wie wir uns das heute wünschen, stehen dort dann in 200 Jahren etwa 180 große Laubbäume“, sagt Wismar. Ob die dann lebenden Itzehoer mit der Arbeit der heutigen Generation zufrieden sein werden, könne man nur hoffen. „Wir denken aber, dass wir auf einem guten Weg sind.“

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