Wassersport : 695 Kilometer bis Wilster

Die Boote für die „Herrentour“ von Schmilka bis Wilster sind verstaut: Vor der Abreise von links Reimer Demnick, Jürgen Kock, Georg Diederich, Harald Suschke, Dieter Horstmann, Thorge Brandt, Uwe Münster und Kai Nimz – es fehlen Rüdiger Demnick und Jan Görbitz.
Die Boote für die „Herrentour“ von Schmilka bis Wilster sind verstaut: Vor der Abreise von links Reimer Demnick, Jürgen Kock, Georg Diederich, Harald Suschke, Dieter Horstmann, Thorge Brandt, Uwe Münster und Kai Nimz – es fehlen Rüdiger Demnick und Jan Görbitz.

Nach Start in Tschechien: Die 29. Herrentour führt Kanu-Gruppe Wilster auf Elbe und Stör.

shz.de von
09. Mai 2018, 05:05 Uhr

Neun Paddler der Kanu-Gruppe Wilster (KGW) haben sich für die 29. Herrentour des Vereins viel vorgenommen. Binnen zwölf Tagen wollen sie 695 Kilometer von der tschechischen Grenze bis Wilster paddeln. Einige wenige beenden die Tour aus zeitlichen Gründen bereits nach 383 Kilometern in Tangermünde. Auf ihrer Tour werden die Wilsteraner an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeikommen, doch Zeit, sie auch zu besichtigen, haben die Aktiven nicht. „Im Vordergrund der Herrentour stehen das Paddeln und die Kilometerleistung“, stellte Fahrtenleiter Reimer Demnick am Vorabend der Abfahrt im Gespräch mit unserer Zeitung heraus.

Gestartet ist die Gruppe in ihren Einer-Kajaks vor zehn Tagen in Schmilka. Dabei sind Reimer Demnick, Georg Diederich, Harald Suschke, Dieter Horstmann, Thorge Brandt, Uwe Münster, Kai Nimz und Jan Görbitz. Mit 73 Jahren ist Georg Diederich der älteste Teilnehmer.

Begleitet und unterstützt werden die Aktiven von Jürgen Kock und Rüdiger Demnick, die die Tagesabschnitte zwischen 40 und 78 Kilometern Länge im Wohnmobil zurücklegen werden. Zwar befindet sich das Nötigste, wie Essen und Trinken sowie Kleidung zum Wechseln, während der Fahrt an Bord, doch mit dem Wohnmobil ist gewährleistet, dass weitere Verpflegung und Ausrüstung für die Kanuten bequem mit dem Fahrzeug transportiert werden können.

Der Weg von Sachsen nach Schleswig-Holstein wird sicherlich kein reines Zuckerschlecken werden. Insbesondere bei Gegenwind und Regen wird sich die Elbe von ihrer unangenehmen Seite zeigen, doch dass es Ausfälle geben könnte, damit ist nicht zu rechnen. Alle Fahrtenteilnehmer paddeln schon seit langer Zeit: „Die Meisten von uns bereits mehr als 25 Jahre“, sagte Reimer Demnick. Gefahren werde auf dem Fluss mit einem Stundenschnitt von zehn bis elf Kilometern, so dass jeder gut Anschluss halten könne. Am liebsten, so Reimer Demnick, wäre es, die Gruppe hätte „zwölf Tage lang Sonnenschein und Wind aus südöstlicher Richtung.“

Worauf sie sich eingelassen haben, ist den KGW-Mitgliedern bewusst. Bis auf Reinhard Frisch und Dieter Horstmann kennen alle Gruppenmitglieder die gesamte Elbe ab deutsch-tschechischer Grenze – und schätzen die perfekte Infrastruktur mit vielen Bootshäusern und Campinglätzen zum Anlanden für Pausen oder zum Übernachten in festen Unterkünften oder Zelten.
Bei den letzten Vorbereitungen am Wilsteraner Bootshaus waren alle guter Dinge. Jeder packte mit an, als es ums Verstauen von Zelten, Paddelutensilien und Nahrungsmitteln ging oder darum, die Boote auf einem Bootsanhänger zu befestigen. Der wurde anderntags hinter einen Bus von Walter Quandt gehängt, der die Gruppe nach Schmilka brachte und danach leer zurück fuhr. Für die Drei, die in Tangermünde aussteigen, ist gesorgt: „Sie werden von Richard Runge in Sachsen-Anhalt abgeholt und nach Wilster gebracht“, erklärte Reimer Demnick.

Gekennzeichnet sind die Einer-Kajaks mit den Bootsnamen und mit dem Namen der Kanu-Gruppe Wilster – so will es die schifffahrtsrechtliche Vorschrift. Doch bei dieser Tour kommt noch ein Aufkleber hinzu, dessen Initiator Harald Suschke ist: Gut sichtbar ist der Satz „Politiker! Stoppt endlich den Krieg in Syrien...“ auf seinem Boot zu lesen.

Damit wolle er ein Zeichen setzen, bekundete der Ideengeber, der erklärte, dass die Transparente – auch für die anderen Kajaks – von der Firma Templin aus Bekmünde gesponsert worden seien. Suschke: „Ich wollte sie alle bezahlen, aber mein Geld wollte der Hersteller nicht haben, sondern die Idee durch den Verzicht unterstützen.“ Anklang fand die Initiative auch in der Gruppe. Jürgen Kock: „Eine super Idee!“

Eine 14-jährige Syrerin, mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet, beobachtete als Reporter-Praktikantin den Pressetermin und war beeindruckt von dem Aufruf auf dem Kajak. Sie holte die Kamera hervor, um ein Foto mit nach Hause zu nehmen und den Eltern zu zeigen, dass es Menschen gibt, denen das zerstörte Land im Nahen Osten nicht egal ist und die auf ihre Weise ihre Mitbürger wachrütteln wollen.


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