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Viel Arbeit : 585 Einsätze – Rekordjahr für die Wehr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Feuerwehrleute hatten 2013 so viel zu tun wie noch nie. Besetzung der Fahrzeuge ist manchmal schwierig.

Ob es brennt, stürmt oder auf der Straße kracht, sie sind zur Stelle: 104 aktive Mitglieder hat derzeit die Freiwillige Feuerwehr Itzehoe. Eine Bilanz für 2013 und einen Ausblick liefert Wehrführer Peter Happe (63).

Herr Happe, was hat 2013 der Wehr gebracht?
Happe: Es war wirklich ein Rekordjahr. Wir haben 585 Einsätze gefahren. Das haben wir noch nie gehabt, in den Jahren vorher haben wir nicht einmal die 500 geknackt. Einmal, im Jahr 2002, gab es sehr viel Regen, da lagen wir bei 496. Das war für uns immer das absolute Jahr.

Den Rekord haben Sie den Stürmen zu verdanken?
Ja, wir hatten 121 Sturmeinsätze. Aber auch ohne sie ist die Zahl noch gewaltig. Angezogen haben auch die Brandmeldeanlagen mit 92 Alarmierungen, das waren vorher in der Regel um die 70. Dafür gibt es eine Erklärung: Anfang des Jahres haben wir beim Haus an der Stör irgendwann den 25. Fehlalarm gefeiert. Dann wurde massiv von der Stadt dagegen gearbeitet: Das Seniorenheim hat Auflagen bekommen und zwischenzeitlich eine neue Brandmeldeanlage eingebaut – seitdem ist es vorbei.

Hatte die Wehr stets genug Personal?
Wir wollen da nichts schön reden, und wir machen uns da auch nichts vor: Tagsüber haben auch wir hin und wieder Probleme. Einmal mit den Brandmeldeanlagen: Den 25. Fehlalarm sind wir mit Sicherheit mit vier, fünf Leuten gefahren. Wenn die Kameraden lesen „Haus an der Stör“, dann verlassen sie dafür doch nicht mehr ihren Arbeitsplatz. Da fahren wir dann natürlich in der Hoffnung, dass es ein Fehlalarm ist. Oder: Für Kleinfeuer brauchen wir nur vier, fünf Leute, wir alarmieren um die 15. Da kommen tagsüber auch mal drei oder vier, dann besetzen wir den Rest mit den hauptamtlichen Kräften, so dass eine Staffel mit sechs Leuten zusammenkommt. Dennoch fährt man manchmal mit einem mulmigen Gefühl los. Denn wenn es zwar nur ein Papier- oder Abfallcontainer ist, der aber an der Hauswand steht, kann es ins Dach ziehen – und dann ist gleich richtig etwas los. Solche Gedanken hat man schon, wenn man hinfährt. Zuerst wird geguckt, weil man sonst das Stichwort erhöhen müsste, um weitere Kräfte zu alarmieren.
Was müsste passieren, um das mulmige Gefühl zu verhindern?
Wenn wir mehr Leute hätten, die auch tagsüber von ihrer Firma weg können, wäre es eine große Hilfe. Mit dem Verhalten der Arbeitgeber sind wir aber sehr zufrieden, ganz offiziell hat es noch keine Beschwerde von einem Arbeitgeber gegeben. Natürlich wird kritisch gefragt, dafür haben wir alle Verständnis. Bei 25 Fehlalarmen kann man nicht erwarten, dass alle ganz ruhig sind. Wir sagen auch unseren Feuerwehrkameraden, dass sie mit Fingerspitzengefühl nach Einsatzart entscheiden sollen – aber bei Feuern, die nicht nur Kleinfeuer sind, Unfällen oder technischer Hilfe können wir uns eine Nachalarmierung nicht erlauben. Da müssen wir gleich mit der richtigen Stärke auftauchen, denn dann geht es wirklich um Zeit. Es ist die ganzen Jahre immer gut gegangen, das heißt aber nicht, dass wir uns auf unser Glück verlassen: Wir haben alles dabei, was wir brauchen, um im Erstangriff erfolgreich zu sein. Und gut ausgebildete Führungskräfte erkennen beim Eintreffen, ob sie mehr Kräfte brauchen.

Dennoch braucht die Wehr laut Feuerwehrbedarfsplan 130 Aktive statt jetzt 104. Ein Weg dahin ist die Jugendfeuerwehr. Wirkt das?
Auf jeden Fall. Wer das 17. Lebensjahr vollendet hat, darf zweigleisig fahren, auch schon in der Einsatzabteilung. Sie fahren keine Einsätze, werden aber vorsichtig und sorgfältig integriert. Das betrifft in diesem Jahr die ersten beiden Jugendlichen, das heißt, im nächsten Jahr übernehmen wir sie in die aktive Wehr. Andererseits verlieren wir natürlich auch Kameraden, gerade wegen eines neuen Arbeitsplatzes, bekommen aber auf demselben Weg auch Neue. Zwei andere sind zu uns gestoßen, weil sie sich nach Berichterstattung in der Zeitung dafür interessierten.

Was könnte – oder müsste – noch mehr getan werden?
Wir sind auf einem guten Weg und wollen die Stadt nicht überfordern. Mit dem Feuerwehrbedarfsplan haben wir ein Sachkonto bekommen für die Förderung des Ehrenamts. Damit können wir schon viele Kleinigkeiten machen wie Getränke oder Essen bezahlen. Viel mehr könnte man sich überlegen, aber das kostet alles Geld, und man trifft nicht immer auf offene und verständnisvolle Ohren. Das Signal an die Kameraden wäre: Politik und Verwaltung sind dankbar, dass du immer kommst.

 

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erstellt am 13.Jan.2014 | 11:45 Uhr

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