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Nachbarschaft : 50 Jahre Tür an Tür – und kaum Streit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein halbes Jahrhundert haben die Ehepaare Müller und Jahnke Freud und Leid im selben Haus geteilt

von
erstellt am 13.Nov.2014 | 04:45 Uhr

Eine eigene Badewanne und warmes Wasser. Endlich. Darüber freute sich Ursula Müller am meisten, als sie die Wohnung in der Gorch-Fock-Straße 2 mit ihrem Mann bezog. Zuvor badete sie noch in einer Zinkwanne – einmal pro Woche. Das liegt 50 Jahre zurück, solange wohnt die heute 82-Jährige in dem Vier-Familienhaus. Genauso lange lebt auch das Ehepaar Edith (78) und Erhard Jahnke (80) in dem Haus - in der gegenüberliegenden Wohnung. Am Sonnabend, 15. November, wohnen sie jetzt 50 Jahre Tür an Tür: „Wir haben viel Leid und Freud geteilt, waren auch nicht immer auf einer Spur. Wir haben uns aber immer aufeinander verlassen können“, sagt Ursula Müller. Nach dem frühen Tod ihres Mannes wurde auch ihr neuer Lebensgefährte Bruno Chmiel (92), mit dem sie seit 28 Jahren in „wilder Ehe“ lebt, in die Gemeinschaft aufgenommen.

Für beide Ehepaare war der Umzug 1964 in die damals neuen Häuser in der Gorch-Fock-Straße - insgesamt waren acht Gebäude gebaut worden - ein Glücksfall. Gut 20 Jahre nach dem Krieg herrschte noch Wohnungsnot, denn Hohenlockstedt musste nach 1945 viele Flüchtlinge aufnehmen. Dazu zählten auch die Ehepaare Müller und Jahnke, die aus Ostpreußen stammen. „Nur mit einem Flüchtlingsausweis haben wir die Wohnungen bekommen“, erklärt Edith Jahnke. Sie wohnte zuvor in beengten Verhältnissen auf 28 Quadratmetern in der Gartenstraße. „Auf einmal wirkten in der neuen Wohnung unsere Möbel so klein.“ Zweieinhalb Zimmer mit 63 Quadratmeter standen dem Ehepaar in der neuen Bleibe zur Verfügung. Die Familie Müller wohnte zuvor zu fünft in einer Baracke in der Helgolandstraße. „Das Umfeld in der Gorch-Fock-Straße gefiel uns gleich, gegenüber lag der Kleingarten, und auch Lebensmittelgeschäfte waren in der Nähe“, sagt Erhard Jahnke.

Allerdings lebten die Bewohner zuerst noch nicht in einer grünen Oase. „Die Straße war noch nicht geteert, es gab keinen Rasen“, erinnert sich Erhard Jahnke an die ersten Monate in der Gorch-Fock-Straße. Doch nach und nach wurde das Umfeld wohnlicher. Dies lag auch mit an Ursula Müller, die lange Zeit als Hausmeisterin in den Blocks arbeitete. Erst zehn Jahre zusammen mit ihren später verstorbenen Ehemann, dann 13 Jahre allein. „Zu Anfang musste der Rasen auf dem 8000 Quadratmeter großen Grundstück noch mit dem Handmäher gemäht werden.“

Von Anfang an verstanden sich die Ehepaare gut, auch weil sie sich bereits vorher kannten. So aus dem Kleingartenverein, wo beide Frauen Vorstandsposten inne hatten. Edith Jahnke war dort lange Jahre Vorsitzende. Aber auch im Freizeitverein Jung und Alt oder bei gemeinsamen Kegelaktivitäten trafen sich die Paare. „Wir haben viel gefeiert damals im Kegelclub“, sagt Erhard Jahnke. Und auch gemeinsame Urlaube wurden verbracht. Einer der schönsten sei die Fahrt mit der Finnjet nach Finnland gewesen. Zu Familienfeiern - auch mit den Kindern – trafen sich die Paare natürlich auch, betont Ursula Müller

Nach dem Tod ihres Mannes wurde später auch Bruno Chmiel, der als einziger aus dem Quartett in Hohenlockstedt aufgewachsen ist und dort unter anderem als Postbote gearbeitet hat, mit einbezogen. „Sie waren alle drei gut zu mir“, sagt er schmunzelnd.

Solange es die Gesundheit zulässt, wollen beide Paare noch in ihren Wohnungen bleiben. „Uns ging es hier immer gut“, sagt Ursula Müller.

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