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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 14:40 Uhr

Kommunalpolitik : 50 Bürger planen Dorf-Flucht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Kiebitzreiher im Außenbezirk sind sauer: Sie fordern die Umgemeindung nach Sommerland

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2016 | 17:42 Uhr

Sie haben die Nase voll: 50 Kiebitzreiher wollen weg. Weg aus ihrer Gemeinde. Ihre Forderung: Der Teil Kiebitzreihes, in dem sie wohnen, soll künftig zur Nachbargemeinde Sommerland gehören. Möglich wäre das. Doch einfach ist es nicht.

Der Grund für dieses ungewöhnliche Anliegen: Die Bürger fühlen sich von ihre Gemeinde vernachlässigt. Und das bereits seit Jahren. Das Problem: Die Menschen wohnen an der Straße Siethwende. Und die liegt rund 2,5 Kilometer vom Ortskern Kiebitzreihes entfernt. Dazwischen sind Wiesen. Auf der anderen Seite ihrer Straße beginnt hingegen Sommerland. Und zwar der Sommerländer Ortsteil, der wie die Straße heißt, die quasi die Grenze beider Gemeinden ist: Siethwende.

Nicht nur deshalb haben sich die 50 Bürger stets Sommerland sehr zugehörig gefühlt. Auch die Politik hat wohl ihren Teil dazu beigetragen. „Es wird uns immer durch kommunalpolitische Entscheidungen gezeigt, dass wir im Außenbereich für die Gemeinde Kiebitzreihe sowieso nicht zählen“, erklärt Anja Oest. Sie benötigte deshalb gerade einmal zwei Stunden, bis alle betroffenen Bürger den Umgemeindungsantrag unterschrieben hatten.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte die Entscheidung Kiebitzreihes, aus dem Steinburger Zweckverband Breitband auszutreten. Denn die Sommerländer auf der anderen Straßenseite bekommen bald schnelles Internet. Die Kiebitzreiher nicht. „Es ist unmöglich, dass über unsere Köpfe über den Austritt entschieden wurde. Keiner macht sich wirklich Gedanken, was es für uns bedeutet, nur mit sehr langsamem Internet versorgt zu werden. Es gibt auch Firmen hier, die auf das Internet angewiesen sind und deshalb nur eingeschränkt arbeiten können“, so Oest weiter. Die CDU-Mehrheit im Gemeinderat hatte gegen die Stimmen der SPD den Austritt durchgesetzt.

Auch sonst haben die Einwohner an der Straße Siethwende schlechtere Karten. Ihre Außenbereichsgrundstücke gehören nicht mehr zum Einzugsgebiet des HVV. Und überhaupt nehmen die Bewohner der insgesamt 25 Haushalte ohnehin mehr am Dorfgeschehen im Sommerländer Ortsteil Siethwende teil. Kein Wunder, wie die 71-jährige Maren Dohrn beschreibt: Sie hatte an einer Seniorenausfahrt der Gemeinde Kiebitzreihe teilgenommen, bei der sie zunächst sehr unfreundlich behandelt wurde. Erst nach langen Erklärungen, dass auch sie Kiebitzreiherin sei, habe sie mitfahren dürfen.

Sommerland würde die Kiebitzreiher mit offenen Armen empfangen. Doch das ist nur möglich, wenn Kiebitzreihe sie gehen lässt. „Darüber müssen wir reden“, so Kiebitzreihes Bürgermeisterin Frauke Biehl. Denn einfach ist der Ortswechsel selbst dann nicht, wenn Kiebitzreihe zustimmt. Schließlich geht es auch um Geld. Ganz grob gerechnet, bekommt jede Gemeinde vom Land rund 1000 Euro pro Einwohner an Schlüsselzuweisungen, so Michael Lantau, Leiter der zuständigen Amtsverwaltung Horst-Herzhorn. Das wären immerhin rund 50    000 Euro die Kiebitzreihe weniger und Sommerland mehr hätte. In Kiebitzreihe leben 2127, in Sommerland 772 Menschen (Stand 31. März 2015).

Doch es gehe bei einer möglichen Umgemeindung auch um die Frage, ob Straßen oder Kanäle beeinträchtigt seien, so der Verwaltungschef. Die Kreisverwaltung müsste ebenfalls an einem Gebietsänderungsvertrag beteiligt werden. „Denn es muss geprüft werden, ob das öffentliche Wohl die Umgemeindung gebietet“, erläutert Lantau. Deshalb wird er nun eine Vorlage erstellen, mit der sich die Politiker des Kiebitzreiher Finanzausschusses befassen müssen.

Sommerlands Bürgermeisterin Helga Ellerbrock äußerte sich positiv zum Verlangen der Siethwender Anwohner. „Wir nehmen alle gern auf, die in unsere Gemeinde kommen wollen. Die Entscheidung liegt allerdings nicht bei uns, sondern in Kiebitzreihe“, so ihre Aussage.

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