zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 04:03 Uhr

3000 Marschbewohner werden befragt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ende September startet eine große Haushaltsbefragung für ein bislang einmaliges wissenschaftliches Forschungsprojekt in den Elbmarschen

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2015 | 08:51 Uhr

Bis Ende September sollen 3000 zufällig ausgewählte Bewohner der Elbmarschen Post bekommen. Die Haushaltsbefragung ist Teil eines großen Forschungsprojekts mit Namen Regiobranding. „Wenn man genau dahinter schaut, ist das ein spannendes Thema“, meint der stellvertretende Amtsvorsteher Volker Bolten. Er erhofft sich wertvolle Erkenntnisse, wie die Zukunft im südlichen Kreis aussehen kann und soll. Neugier und Erwartungen bei Politik, Vereinen, Verbänden und Institutionen sind groß, wie ein volles Haus bei einer ersten Info-Veranstaltung im Amt Wilstermarsch belegte.

„Es geht um die nachhaltige Weiterentwicklung einer Kulturlandschaft, die erstmals sehr breit erfasst wird“, erläuterte Daniela Kempa (Uni Hannover). Eigenarten und Besonderheiten sollen dabei ebenso in den Fokus rücken wie regionale Kunst, Handwerk, Sprache, einheimische Produkte und Traditionen. Der entscheidende Unterschied zu allen früheren Untersuchungen: Erstmals werden nicht nur „die üblichen Verdächtigen“, sondern weite Teile der Bevölkerung gehört. Bereits seit Sommer sind Doktoranden unterwegs, um hier lebende Menschen zu interviewen. Wichtige Erkenntnisse soll auch die groß angelegte Haushaltsbefragung bringen. „35 Fragen auf zehn Seiten: Das dauert nur 20 bis 30 Minuten“, sagt Daniel Schiller (Institut für Wirtschaftsforschung). Mit den Ergebnissen erhofft er sich einen repräsentativen Querschnitt der Meinungen. Die werden in Bürgerwerkstätten, Workshops und Info-Treffen diskutiert.

Peter Huusmann, beim Kreis Steinburg zuständig für die Kreisentwicklung und gemeinsam mit Beate von Malottky Praxispartner vor Ort, sagt: „Es geht um eine Standortbestimmung – und um die Chance für die Region und ihre Menschen, sich neu kennen zu lernen.“ Es geht aber auch um ganz praktische Dinge wie Bauleitplanung, Windkraft-Standorte und den Trassenverlauf für neue Stromnetze. Huusmann: „Unser Ziel ist es, Lebensqualität zu erhalten und dazu zu gewinnen.“ Gerade mit Blick auf das Potenzial der Metropole Hamburg sei es zudem von Bedeutung, dass die Elbmarschen Instrumente in die Hand bekommen, um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Denkmalschützerin von Malottky nennt weitere wichtige Blickfelder: Bevölkerungsschwund und Strukturwandel in der Landwirtschaft.

„Erstmals ist eine große Bürgerbeteiligung möglich. Jeder kann dabei mitmachen“, hofft Ulf Ickerodt (archäologisches Landesamt) auf breite Resonanz. Als ein Teil des Projekt stellte er „Kuladig“ vor. Ähnlich wie bei Wikipedia sollen hier alle Daten aus einer Region erhoben und zur Verfügung gestellt werden. Ziel sei am Ende eine „Kulturlandschaftswandelkarte“, die die Veränderungen in der Region so genau wie nie zuvor abbilden könne.

Am Ende geht es um regionale Wertschöpfung und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Besondere kreative Ideen werden belohnt. Ab Mitte 2017 werden konkrete Projekte herausgearbeitet. Für die besten Modellvorhaben – das Regiobranding spricht hier von den „Perlen“ – gibt es Fördergelder, was die im Amt versammelten lokalen Akteure natürlich aufhorchen ließ.

>Weitere Infoveranstaltungen am 22. September im Amt Horst-Herzhorn und am 23. September im Amt Krempermarsch jeweils um 19 Uhr. Infos auch im Internet unter www.umwelt.uni-hannover.de/regiobranding-fokusregionen

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen