30 Messerstiche gegen Lebensgefährtin

Der mutmaßliche Täter: Rainer B. wird in Handschellen vorgeführt. Foto: Fotos (4): Stemmer
Der mutmaßliche Täter: Rainer B. wird in Handschellen vorgeführt. Foto: Fotos (4): Stemmer

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19. Januar 2011, 11:31 Uhr

Tornesch/ Itzehoe | 30 Mal soll er zugestochen haben. Viermal die Lunge, zweimal das Herz und einmal die Leber mit der Klinge des Messers getroffen haben. Immer wieder soll Rainer M. seine Lebensgefährtin mit der Waffe traktiert haben, bis die Klinge fast 17 Zentimeter tief in ihrer Brust steckenblieb. Regina B. hatte offenbar keine Chance. Die 39-jährige, dreifache Mutter starb an den Folgen der Verletzungen in ihrem Haus in der Straße Großer Moorweg 66 in Tornesch. Das jedenfalls wirft die Staatsanwaltschaft dem 53-jährigen Mann vor.

Für den mutmaßlichen Mörder wird es jetzt ernst. Ihm wird seit gestern vor dem Itzehoer Landgericht der Prozess gemacht. Am Morgen betritt er zum ersten Mal das Amtsgebäude. In Handschellen wird Rainer M. durch die Hintertür in eine kleine Zelle in dem gewaltigen Gebäude gebracht. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Der Medienrummel ist gewaltig. Der Zuschauerraum ist voll besetzt. Auch Angehörige und Bekannte des vermeintlichen Mörders und seines Opfers sitzen hier.

Dann ist es soweit: Rainer M. wird in den Saal gebracht. Um dem Medienaufgebot zu entgehen, wird der mutmaßliche Täter durch eine Seitentür in den Saal geschleust. Er ist ein schlaksiger Mann, groß gewachsen und hager, die Wangen sind eingefallen. Seine hellbraunen, fast grauen Haare sind dünn. Rainer M. schreckt der ganze Rummel nicht ab. Gelassen setzt er sich neben seinen Rechtsanwalt Christoph Heer - und plötzlich wird es still in dem Saal. Der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing eröffnet das Verfahren, fragt den Angeklagten nach seinen persönlichen Daten, die dieser kurz und knapp beantwortet.

Dann ergreift Staatsanwältin Sarah Führer das Wort. Sie verliest ihre längst vorbereitete Anklageschrift - schon im Oktober wurde diese vorgelegt. Am Abend des 2. August 2010, es war ein Montag, soll sich Rainer M. mit seiner Lebensgefährtin getroffen haben. Die habe schon lange vorgehabt, die Beziehung mit dem gelernten Tischler zu beenden, so die Staatsanwältin. Nach Angaben von Dr. Führer hatte sich die Tornescherin kurz zuvor in den Betreuer ihres Sohnes verliebt.

Ein Streitpunkt in der Beziehung: Immer freitags zog es Rainer M. zu seinem Feierabendbier in eine Gaststätte. Genau das soll Regina B. ein Dorn im Auge gewesen sein. Laut der Anklage eskalierte die Situation, als sie ihn zur Rede stellte. Was dann geschah, bleibt unklar. Nur eines steht, laut der Anklageschrift, fest: Rainer M. stach etwa 30 Mal mit einem Messer auf seine Lebensgefährtin ein. Als Regina B. starb, steckte das Messer noch immer tief in ihrer Brust. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Tischler seine Freundin aus Wut und Eifersucht getötet hat. Mord, sagt die Staatsanwaltschaft. Die Höchststrafe: Lebenslange Haft.

Der Vorsitzende Hülsing richtet noch einmal das Wort an den Angeklagten, fragt, ob er sich zu der Tat äußern wolle. Das bejahte er. Dann ist der erste Prozesstag vorbei, die Verhandlung wird unterbrochen und auf den 1. Februar vertagt. Rainer M. steht auf. Ihm werden wieder die Handschellen angelegt. Er wird abgeführt, dreht sich aber noch kurz um und winkt vorsichtig in die Zuschauerreihen. Ein kurzes Lächeln huscht über sein Gesicht. Einige Zuschauer wischen sich Tränen aus dem Gesicht. Rainer M. wird aus dem Saal gebracht und in den vergitterten Gefangenentransporter verfrachtet.

Ein Geständnis wird bei der Fortsetzung des Prozesses vermutlich ausbleiben. "Mein Mandant wird bestreiten, dass er der Täter ist", sagt sein Rechtsanwalt Heer. Er werde sich "umfassend einlassen und für alle Fragen des Gerichts offen sein", so Heer weiter. Der Knackpunkt laut Anwalt: Die Anklage der Staatsanwaltschaft stützt sich auf nur zwei Beweise. Zum einen sei es eine Analyse des Mageninhalts des Opfers. Damit könne der Todeszeitpunkt eingegrenzt werden. Doch sollte Regina B. noch am späten Abend etwas gegessen haben, würde sich dieser Zeitpunkt so weit verschieben, dass Rainer M. nicht mehr als Täter in Frage kommen kann. Er habe das Haus viel früher verlassen. Das sollen Zeugenaussagen und eine Videoaufnahme untermauern. Der zweite Beweis der Staatsanwaltschaft ist die vermeintlich zerrüttete Beziehung. Und diesen Umstand werde Rainer M. bestreiten.

Der Termin der Fortsetzung: Dienstag, 1. Januar.

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