Tipps für Haustiere : 30 Grad, dickes Fell: Heiße Temperaturen machen Vierbeinern zu schaffen

Hund Linus macht die Hitze schon ein bisschen zu schaffen. „Er ist halt auch nicht mehr der Jüngste“, weiß Tierarzt Hauke Thumann.

Hund Linus ist bei der Hitze zu warm. „Er ist halt auch nicht mehr der Jüngste“, weiß Tierarzt Hauke Thumann.

Interview mit Tierarzt Hauke Thumann aus Wilster zum Thema Sonnenbrand, heiße Sommertage und Tipps für Hitzewellen.

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20. Juli 2018, 14:35 Uhr

Herr Thumann, welche Tiere leiden am meisten unter der Hitze?

Also ich glaube, dass grundsätzlich alle Tiere bei warmen Temperaturen leiden können. Es gibt aber Unterschiede. Hunde und Katzen haben weniger Schweißdrüsen als zum Beispiel das Pferd. Auch das Schwein hat eine ganz andere Thermoregulation als der Mensch oder andere Tierarten.

Wie funktioniert Schwitzen dann bei Tieren?

Hunde und Katzen haben Schweißdrüsen unter anderem im Pfotenbereich und hecheln vermehrt. Das Schwein hat keine Schweißdrüsen, beziehungsweise nur wenige im Rüsselbereich. Thermoregulierung funktioniert rein über die Atmung und über eine Kühlung der Haut. Dementsprechend suhlen sich Schweine bereits bei 18 Grad.

Gibt es Verhaltensweisen an denen man erkennen kann, wenn es dem Tier zu warm wird?

Hunde und Katzen hecheln vermehrt, sind unruhig und haben eine gestreckte Kopf-Hals-Haltung. Auch eine hochrote Zunge ist ein Warnsignal. Bei der Katze kann ein taumeliger Gang auffallen, genauso wie Erbrechen.

Und bei Heimtieren?

Die haben eine erhöhte Atemfrequenz. Die Herzfrequenz ist sicherlich für den Besitzer eher schwer nachzuvollziehen. Trotzdem lässt sich auch für den Halter eine Zurückgezogenheit des eigenen Heimtieres erkennen oder dass sie das Fressen einstellen.

Was sollte man eigentlich an heißen Tagen als Futter geben?

Das Gleiche, was man Kindern vor dem Schwimmen sagt, gilt auch bei Tieren. Leicht verdauliche, kleinere Portionen sind zu empfehlen. Das Futter sollte man dann im Schatten dem Tier geben.

Apropos Schatten, wann sollte man mit dem Hund raus?

Am besten sollte man früh morgens oder abends spazieren gehen. Kleintiere sollte man ebenfalls im Sommer eher ganz früh und spät raus lassen. Besonders sollte man darauf achten, dass es ein ganztägiger Schattenplatz ist. Ein typischer Fehler ist, dass man den Sonnenstand nicht beachtet. Kaninchen im Auslaufgehege können so morgens im Schatten sein und mittags in der prallen Sonne stehen.

Und was hilft gegen die lästigen Fliegen im Gehege?

Es ist wichtig, dass man einen Fliegenschutz anbringt. Das Problem ist, dass Fliegen auf dem Kot ihre Eier ablegen und so Maden entstehen. Das ist ein typischer Sommernotfall beim Kaninchen. Stallhygiene ist deshalb gerade bei Heimtieren sehr wichtig regelmäßig durchzuführen.

Und wenn trotz aller Vorsicht Warnsignale auftreten?

Grundsätzlich sollte man zuerst einen Schattenplatz bereit stellen und Wasser anbieten. Danach kann man kalte Umschläge mit Handtüchern oder Kühlpads machen, um die Körpertemperatur zu senken. Ansonsten sollte man im Zweifelsfall zum Tierarzt gehen. Vor allem bei Risikopatienten, wie älteren Tieren, wird oft die Situation unterschätzt.

Und wie sieht es aus mit Sonnenbrand-Gefahr?

Sowohl Kleintiere, als auch Hunde und Katzen können Sonnenbrand bekommen. Besonders gefährdet ist außerdem die Kuh. Sie frisst gewisse Pflanzen, die die Photosensibilität erhöhen, wodurch die Hautempfindlichkeit steigt. Grundsätzlich sind immer eher hellere Partien betroffen. Auch Tiere mit wenig Fell im Ohrbereich sind besonders gefährdet.

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