Gelungen : 272,35 Meter – Rekord auf Matratzen

Wendepunkt: Auch für Mirjam Kruse aus Krempe (r., 2. von vorn) fand sich eine Matratze.
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Wendepunkt: Auch für Mirjam Kruse aus Krempe (r., 2. von vorn) fand sich eine Matratze.

Erfolgreiche Aktion im Freibad: Jetzt wird auf die Reaktion der Guinness-Buch-Verantwortlichen gewartet.

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25. Juli 2015, 07:00 Uhr

Die Luftmatratze hoch und vorbei am Kassenhäuschen. Wer so ausgestattet ist, hat freien Eintritt ins Freibad. So wie Alexander aus Wellenkamp und Helena aus Wilster. Klarer Fall, auch die beiden Elfjährigen wollen dabei sein beim Rekordversuch am Freitagvormittag. Das Ziel der Stadtwerke Itzehoe: die längste Luftmatratzen-Schlange der Welt. Helenas Mutter Ulrike Kreuzmann weiß noch nicht so recht: „Ich gehe nicht da rein, wenn das so kalt ist.“

Eine knappe halbe Stunde bis zum Beginn, noch ist es wolkig über dem Schwimmbad. Bente (11) aus Itzehoe liegt auf der Wiese, im Wasser war sie schon: „Eher warm.“ 26 Grad, sagt Schwimmmeister Hans-Jürgen Weidlich. Am Ausgang des Itze-Cool-Camps bildet sich bereits eine Schlange. 111 Kinder sind in dieser Woche da – „wir haben gestern und vorgestern geprobt und 90 Matratzen ins Wasser gekriegt“, sagt Carsten Roeder vom Kinder- und Jugendbüro.

Nur noch wenige Minuten. „Kinder, Erwachsene, jeder darf heute mitmachen“, sagt Moderator Stefan Wolter. Längst treiben Kinder auf Matratzen im Wasser, Christian Scheller wartet lieber ab. Denn der 46-Jährige aus Oelixdorf weiß: Alle müssen noch raus, die Unterlagen müssen gemessen werden. Hauptsächlich wegen seiner Tochter Sally (8) sei er da: „Das kann sie ihren Kindern mal erzählen.“ Aber für ihn stand sofort fest: „Dann macht Papa mit. Ich bin für jeden Blödsinn zu haben.“

Jetzt wird der Blödsinn ernst. Zwei Schlangen bilden sich vor dem Nichtschwimmerbecken, die Camp-Kinder sind da, es wird eng. Die Sonne kommt heraus, die Temperatur steigt rasant. Der Schwimmmeister erklärt: Unterstützt von Carsten Roeder und seinem Sohn Lennart geht eine Reihe links herum, eine rechts. Festhalten an der Matratze des Vordermanns, und, so rät Weidlich: „Nicht nass werden! Es kann ziemlich lang dauern, bis wir die Schlange zusammenhaben.“ Dass Weidlich das nachts im Bad geübt hat und außerdem sein Wasserbett geplatzt ist, könnte auch nur ein Scherz Wolters sein. Für den genauen Blick ist Heinz Köhnke als Rekordrichter zuständig. „Jede Aktion ist ein Vorteil für Itzehoe“, lässt er es dankbar mit Bürgervorsteher-Stimme über das Becken dröhnen. Er sei zuversichtlich: „Wir werden gewinnen!“

11.16 Uhr, alle zählen den Countdown mit. „Immer auf die Haltung achten“, gibt Wolter den Teilnehmern mit auf den Weg und mahnt auch zwischendurch: „Bitte nicht die Luftmatratze loslassen! Der Kontakt darf nicht abreißen, sonst müssen wir den ganzen Versuch wiederholen.“

Eine Matratze nach der anderen wird zu Wasser gelassen, ganz überwiegend besetzt mit Kindern. Am Rand sitzt Mirjam Kruse aus Krempe. Ob sie eine Klatschpappe zum Anfeuern wolle, fragt Silvia Schnegulau, Marketingchefin der Stadtwerke. Aber die 38-Jährige möchte lieber eine Matratze, nachdem sie morgens in der Zeitung von dem Rekordversuch gelesen und ihre Kinder aus dem Bett gescheucht hatte. Für diese wurden unterwegs noch Luftmatratzen gekauft, die Unterlage für die Mutter bringt Silvia Schnegulau. Bald darauf liegt Mirjam Kruse, in Krempe selbst für die DLRG aktiv, in der Schlange, die die Itzehoer Kollegen durch das Becken ziehen.

Eine gute Viertelstunde ist vergangen. Wird es kalt? „Ein bisschen“, sagt Caroline (8) aus Itzehoe. Sie hält durch, ebenso wie Rowena: „Es ist langsam unbequem – die Arme schlafen langsam ein“, sagt die zwölfjährige Itzehoerin. Kurz darauf steigen die Letzten auf die Matratze, als Allerletzter der Schwimmmeister. „Ein Hoch auf uns“ singt Andreas Bourani, so lange muss die Schlange gehalten werden. Dann der Countdown und – „gültig!“, ruft Stefan Wolter. Beim Toben entspannen sich die strapazierten Muskeln schnell, am Rand steht ein begeistertes Stadtoberhaupt: „Ein fantastisches Bild war das. Es war tatsächlich Wasserballett, was wir hier gesehen haben“, sagt Köhnke. Mirjam Kruse ist raus aus dem Becken: „Das war lustig, es hat Spaß gemacht.“

Die Auswertung. 200 Teilnehmer hatten sich die Stadtwerke gewünscht, aber einen offiziellen Rekord, schildert Weidlich, gibt es im Guinness-Buch nicht. Dann steht fest: 177 Menschen haben eine 272,35 Meter lange Schlange gebildet. „Überwältigt“ ist der Schwimmmeister, „es könnte nicht besser sein“. Fotos und offizielle, von Köhnke unterschriebene Dokumente gehen jetzt an die Guinness-Verantwortlichen. Eine Garantie auf einen Platz im Buch ist damit nicht verbunden. „Aber eine Urkunde gibt es auf jeden Fall“, sagt Silvia Schnegulau.

Diese können sich dann auch die Elfjährigen Annika und Camille aus Itzehoe sowie Emma aus Ottenbüttel und die achtjährige Caroline stolz ansehen. Jetzt aber ist Feierabend, sie lassen die Luft aus ihren Matratzen, denn diese haben die Kinder aus dem Itze-Cool-Camp geschenkt bekommen. Feine Sache, findet nicht nur Emma: „Das ist richtig cool!“

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